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Neuer Mobilfunkstandard kommt 5G: Wettstreit um das Netz der Zukunft

Der Mobilfunkstandard 5G ermöglicht digitale Kommunikation beinahe in Echtzeit. Während etwa die Schweiz schon mit dem Ausbau beginnt, sind in Deutschland noch gar nicht die Lizenzen vergeben.

Deutschland gilt in vielen Bereichen als Zugpferd in Europa. In einem Punkt aber dürfte das Ausland eher mitleidserfüllt auf die große Industrienation schauen. Bei der Verfügbarkeit schneller Kommunikationsnetze – ob Breitband oder Mobilfunk – gilt Deutschland als Nachzügler, bisweilen sogar als Entwicklungsland in Europa. Den schlechten Ruf bestätigt eine Studie, für die die ­Aachener P3 Group von Juli bis September 2018 Daten von fünf Millionen Nutzern in Europa ausgewertet hat. Demnach liegt Deutschland bei der Versorgung mit dem schnellen Mobilfunknetz 4G in Europa auf dem drittletzten Platz und zum Beispiel hinter dem kleinen Albanien.

Schon wieder in Verzug

Anzeichen, dass sich daran schnell etwas ändert, gibt es kaum. Vielmehr droht Deutschland bei der nächsten Mobilfunkgeneration – dem 5G-Netz – schon wieder den Anschluss zu verlieren. Und das, bevor der Ausbau überhaupt begonnen hat. Mit Vodafone, Telefónica, Deutscher Telekom und 1&1 Drillisch wurden vier Bewerber für die Frequenzvergabe zugelassen.

Doch die Auktion ist erst verspätet gestartet und läuft noch immer. Inzwischen sind über sechs Milliarden Euro für die Frequenzen zusammengekommen. Wie es anders geht, zeigt das Beispiel der Schweiz. Dort wurden die Frequenzen bereits Anfang Februar vergeben und schon bis Ende März sollten 150 Schweizer Orte mit 5G erschlossen sein.

Welchen Stellenwert die Mobilfunkbranche 5G für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft beimisst, zeigte sich Ende Februar auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Dort trafen sich alle wichtigen IT- und Elektronikausrüster, um ihre Projekte und neuen Geräte rund um das 5G-Netz zu bewerben. Am Stand der Deutschen Telekom hielt Technikvorstand Claudia Nemat einen kämpferischen Vortrag, der deutlich machte, dass das Unternehmen keineswegs gewillt ist, sich beim 5G-Netzausbau mit der Rolle eines Nachzüglers zufrieden zu geben.

"Jetzt geht es endlich los", sagte Nemat vor Medienvertretern mit Blick auf die bevorstehende Frequenzvergabe. Die Ziele des Unternehmens sind hochgesteckt: "Wir wollen bis 2025 eine Netzabdeckung von 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent in der Fläche erreichen." Einzelne Projekte zu 5G, die bereits in diesem Jahr anlaufen sollen, stellte Nemat ebenfalls vor. So gab sie auf der Messe den offiziellen Startschuss für ein Campus-Netzwerk, das auf dem Werksgelände des Leuchtmittelherstellers Osram in Schwabmünchen bei Augsburg entstehen soll. Mittels 5G-Technik werden dort 3.000 verschiedene Objekte miteinander vernetzt. Produkte und Materialien sollen mit automatisch gesteuerten Fahrzeugen transportiert werden.

Projekte wie dieses könnten erst der Anfang einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen "Revolution" sein, die die Integration der 5G-Technik auslösen wird. Zumindest, wenn man den großen Ankündigungen Glauben schenken darf, die die Aussteller auf ihren ausladenden Messeständen präsentierten.

Operiert vom Roboter

Demnach wird 5G künftig beinahe alles und jeden miteinander vernetzen – und das besonders schnell. Der chinesische Anbieter Huawei nannte als Beispiel einen Spielfilm, der sich mit einem 5G-Smartphone künftig in drei Sekunden herunterladen lässt.

Autohersteller werden die Technik künftig auf verschiedene Weise nutzen. Einerseits ermöglicht sie die verzögerungsfreie Kommunikation zwischen Fahrzeugen und vernetzten Städten (so genannten Smart Citys) und schafft so die Basis für selbstfahrende Autos im Straßenverkehr. Andererseits werden die Hersteller 5G in ihren Produktionsstraßen einsetzen, um Maschinen und Roboter miteinander sprechen zu lassen. So könnten Fehler im Produktionsverfahren beinahe in Echtzeit erkannt und behoben werden. Denkbar ist auch, dass 5G im medizinischen Bereich angewendet wird, um Patienten mithilfe von Robotern aus der Ferne operieren zu können.

Noch aber klingen die auf dem Mobile World Congress vorgestellten Visionen nach weit entfernter Zukunftsmusik. Besonders hierzulande.

Von 1G zu 5G: Die Entwicklung des Mobilfunknetzes

  • 1G: Das erste Mobilfunksystem für Telefonie in Deutschland war das so genannte A-Netz, bei dem die Verbindungen noch per Hand vermittelt wurden. Die Einführung erfolgte 1958 von der Deutschen Bundespost. 1972 folgte das B-, 1986 das C-Netz.
  • 2G: 1993 war der Startschuss für die zweite Generation des Mobilfunknetzes. Es basiert auf dem GSM-Standard für volldigitale Mobilfunknetze. Die neue Technik bildete die Grundlage für die spätere Einführung des schnelleren 3G-Netzes.
  • 3G: Mit der Einführung von 3G und höheren Datenübertragungsraten war es möglich, auch mobil auf das Internet zuzugreifen. Es ist auch als UMTS-Netz bekannt. Mit der Lizenzvergabe flossen im Jahr 2000 fast 100 Milliarden D-Mark in die Staatskasse.
  • 4G: Mit dem aktuellen Mobilfunkstandard sind Geschwindigkeiten von über 100 MBit/s möglich. LTE wird häufig als Synonym zu 4G genutzt. Das ist eigentlich nicht ganz korrekt, da es sich nur um ein 3,9G-Netz handelt.
  • 5G: Das künftige Mobilfunknetz soll Datenübertragung annähernd in Echtzeit ermöglichen. Von Geschwindigkeiten bis zu 20 GBit/s ist die Rede. Noch handelt es sich um bloße Theorie. Zuerst müssen die deutschen Netze aufgebaut werden.
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