Technik -

Technologie verändert Berufsbilder 3D-Druck: Wie die Technik das Handwerk verändert

Der 3D-Druck ist derzeit in aller Munde. Kann die Technik das Handwerk verändern oder handelt es sich nur um einen Hype? Betriebe erzählen aus der Praxis.

Schon 1983 wurde die additive Fertigung, der so genannte 3D-Druck, erfunden. Doch erst seit kurzem ist ein Hype um die Technik entstanden. Sogar US-Präsident Barack Obama spricht dem 3D-Druck das Potenzial zu, "die Herstellung von fast allem zu revolutionieren".

Viele wittern das große Geschäft: Immer mehr Anbieter steigen in die Produktion ein, die Preise für Geräte, Software und Druckmaterial sinken und im Internet gibt es eine wachsende Gemeinschaft, die sich der Entwicklung von Produktideen für den 3D-Drucker widmet.

Das macht das Verfahren auch für kleine Betriebe und Endkunden interessant. Einsteigergeräte werden inzwischen schon für unter 1.000 Euro angeboten. Kann die Technik damit auch den Wettbewerb im Handwerk nachhaltig beeinflussen oder handelt es nicht nur um eine Modeerscheinung?

Rasanter Umsatzanstieg

Viele Analysten zeichnen eine rosige Zukunft für die 3D-Drucktechnik. Das Marktforschungsunternehmen Canalys rechnet bis 2018 mit einen jährlichen Umsatzwachstum von rund 45 Prozent weltweit. 2013 waren es nach Angaben der Analysten 2,5 Milliarden US-Dollar, 2018 sollen es schon 16 Milliarden Dollar sein. Die Auslieferung von 3D-Druckern könnte sich bis dahin verzehnfachen. Nach Auswertung der Agenturen MyCorporation und Visual.ly war der 3D-Druck bereits 2013 die Branche mit dem sechsthöchsten Wachstum weltweit. Und die Marktforscher von Gartner prognostizierten schon 2012, dass der 3D-Druck in fünf bis zehn Jahren das Plateau der Produktivität erreichen werde.

Ray Kurzweil, Leiter der technischen Entwicklung bei Google, rechnet damit, dass die Technik in fünf Jahren einen Paradigmenwechsel auslösen kann. Seiner Einschätzung nach könnte es in den 2020er Jahren zur Normalität gehören, sich etwa 3D-Modelle seiner Lieblingskleidung am Computer herunterzuladen und dann über den Drucker auszugeben.

Die Folgen des Booms

Doch bei aller Euphorie gibt es auch Bedenken gegenüber der Technik. So schätzt Gartner, dass schon 2018 ein Schaden von 100 Milliarden Dollar durch illegale 3D-Kopien entstehen könnte. Ein Szenario, dass schon die Musik- und Filmindustrie ereilt hat.

Das Freiburger Öko-Institut weist zudem auf den Umweltaspekt hin. Der Innovation stünde eine zunehmende Dominanz von Kunststoff und Metall in der Herstellung gegenüber.

Die Beschränkung auf bisher weniger Druckmaterialien grenzt auch die Verwendung der Technik im Handwerk ein. Während Branchen wie die Metall- und Gesundheitshandwerke den 3D-Druck schon jetzt für ihre Produktion nutzen können, ist sie etwa für die Lebensmittelhandwerke noch uninteressant.

Weiter stellt sich die Frage, ob Handwerker durch den Einsatz der Drucker wirklich einen Zeit- oder Qualitätsvorteil gegenüber herkömmlicher Herstellung gewinnen und die Technik wirtschaftlich genutzt werden kann.

Vier Handwerksbetriebe berichten aus der Praxis

Der Zahntechniker

Zahntechniker Ludwig Prücklmaier aus Ebersberg in Oberbayern hat den 3D-Druck vor einem Jahr für sein Labor entdeckt. Er ist einer der ersten seiner Branche, nur eine Handvoll Zahntechniker nutzt bislang die Technik.

Modelle, Prothesen und Bohrschablonen kann Prücklmaier nun mit dem Drucker herstellen. Dafür scannt der Zahnarzt mit dem Mundscanner zunächst den Kiefer des Patienten. Im Anschluss kann das Labor Prücklmaier mit dem Scan und einer Software ein 3D-Modell und das benötigte Teil am Computer erstellen. Dieses wird Schicht für Schicht gedruckt, bis schließlich das fertige Produkt entsteht. Gegenüber der herkömmlichen Arbeit mit einem Gebissabdruck sei die Herstellung viel genauer. "Fehler werden praktisch ausgeschaltet", sagt Prücklmaier. Für den Zahntechniker ist der 3D-Drucker auch eine deutliche Arbeitserleichterung, Prozesse ließen sich verkürzen.

Auf lange Sicht erhofft sich Prückl-maier einen Wettbewerbsvorteil durch niedrigere Produktionskosten. Bislang stehen dem allerdings noch die hohen Anschaffungskosten für die Drucker im Weg. Auch die Gebühren für die benötigte Software seien noch sehr teuer. Doch der Zahntechniker ist überzeugt, dass sich 3D-Druck in der Branche durchsetzen und auch das Berufsbild verändern wird. Sobald sein Kundenkreis größer wird, will er sich einen zweiten Drucker anschaffen.

Der Maschinenbauer

Schon seit drei Jahren arbeitet die Firma Wackerbauer Maschinenbau aus Ampfing mit 3D-Drucktechnik. Das Unternehmen hat sich auf Funktions- und Anschauungsmodelle im Maßstab 1:20 spezialisiert, die für Produktvorstellungen und Werbezwecke genutzt werden.

Über die Investition von 20.000 Euro für den Drucker hat Geschäftsführerin Claudia Wackerbauer schon seit 2009 nachgedacht. Der Kauf hat sich für den Betrieb als Glücksfall erwiesen. Die Firma konnte sich unabhängig machen von einem externen Dienstleister. "Der Drucker läuft, wann ich das will", sagt Wackerbauer. Zudem bleiben alle Daten der Modelle im Haus. Einen Ideenklau kann das Unternehmen ausschließen.

Zwar ist der Umsatz durch den Drucker bisher nicht gestiegen. Aber die Firmenchefin sieht einen Wettbewerbs- und Wissensvorsprung, der sich in den nächsten Jahren noch bezahlt machen dürfte. Auch das Marketing hat sie im Blick: "Ich bin sicher, dass ein solcher Drucker für die Kunden das Zeichen einer innovativen Firma ist."

Der Hörgeräteakustiker

Auch in der Hörgeräteakustik findet der 3D-Druck bereits Anwendung. Hör­akustik­meister Dirk Köttgen aus Köln nutzt das Verfahren für die Herstellung von Ohrpassstücken. Statt einen Rohling in einer Gipsform auszugießen, wird beim 3D-Verfahren eine Silikon-Abformung des Ohres gescannt und nach der Bearbeitung mittels einer Modelliersoftware das fertige Ohrpassstück vom Drucker ausgegeben. Überschüssiges Material gibt es bei diesem Verfahren nicht, alles ist 100 Prozent exakt.Benötigte Köttgen bisher vier Arbeitstage, bis das Ohrpassstück fertig war, fallen durch den 3D-Druck ein bis zwei Tage weg. Er schätzt auch die Flexibilität, die ihm das Drucken bietet. "Wir können tagsüber modellieren und nachts drucken – das ist ein wirkliche Erleichterung", sagt Köttgen.

Der Feinwerkmechaniker

Ein echter Pionier in Sachen 3D-Druck im Handwerk ist Feinwerkmechaniker Günter Hofmann aus Lichtenfels. Seit 18 Jahren nutzt das Unternehmen die Technologie und zählt die Raumfahrtbehörde NASA und den Flugzeugbauer Airbus zu seinen Kunden. Der Betrieb kann mit zwölf unterschiedlichen 3D-Druckern fast alles herstellen, was die Technik zulässt.

Hofmann geht davon aus, dass die Nutzung von 3D im Handwerk in den nächsten Jahren um ein Drittel steigen wird. Eine Gefahr für die Jobs sieht er nicht, weil das Know-how des Personals unverzichtbar bleibt. Hofmanns Prognose: "Die Arbeitsplätze werden hochwertiger und der Handwerker hat mehr Zeit für die Feinarbeit."

Online-Tipps zum 3D-Druck

Für Handwerksunternehmer, die mehr über den 3D-Druck erfahren möchten, gibt es im Internet nützliche Anlaufstellen:

  • Kostenloses Online-Magazin mit einer Liste von Internetplattformen, Webdiensten und Online-Services zum 3D-Druck: 3d-grenzenlos.de
  • Tagesaktuelle Nachrichten zu neuen Geräten, Trends und Techniken: 3druck.com
  • Online-Shop für 3D-Drucker, -Scanner und -Software: igo3d.com
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten