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Digitalisierung von Schulen 3,5 Milliarden Euro für Schule 4.0

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will für die Digitalisierung von Schulen in dieser Legislaturperiode 3,5 Milliarden Euro ausgeben. Doch mit der bloßen technischen Ausstattung ist es nicht getan. Wie die Digitalisierung in die Bildung kommt.

"Digitale Medien gehören an jede deutsche Schule“, fordert Karliczek in ihrer Regierungserklärung. "Alle Schulen sollen vom Digitalpakt profitieren. Also auch und gerade Berufsschulen, darauf bestehe ich“, sagte sie im Interview mit der "Zeit“.

Mit der bloßen technischen Ausstattung der Schulen und Ausbildungsorte ist es allerdings nicht getan. Sowohl Lerninhalte als auch die Art des Lernens haben sich durch die Digitalisierung geändert. Wie sich das auf Ausbildungsberufe auswirkt, prüft derzeit das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in einem Berufescreening.

Wie Digitalisierung Lerninhalte und -techniken verändert

Zwölf Branchen, darunter acht aus dem Handwerk, werden dazu untersucht. Mit dabei ist der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, ein Beruf, der "unglaublich digital“ ist, wie Christoph Theelen sagt.

Der Referent für Berufsbildung beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima sieht, dass die Öffentlichkeit die Branche immer noch mit schmutziger Arbeit verbindet. "Aber unsere Handwerker müssen auch fähig sein, beim Kunden komplexe Gebäudetechnik einzubauen, sie zu vernetzen und einzustellen.“ Das mache den Beruf vielseitiger, interessanter für neue Zielgruppen – aber auch anspruchsvoller.

Ausbildungs- und Lehrpläne an Digitalisierung anpassen

Torben Padur, Leiter des Arbeitsbereichs der gewerblich-technischen Berufe am BIBB, sieht darin ein großes Problem: "Durch die Anforderungen der Digitalisierung reichern wir die Berufsbilder derzeit immer weiter an, wir müssen uns aber auch die Frage stellen, welche Kompetenzen möglicherweise künftig entfallen können.“

Die klassischen handwerklichen Fähigkeiten würden weiterhin benötigt; die neuen Fähigkeiten aber auch. Das überfrachte die Ausbildungen. "Wir müssen genau überlegen, wie wir die Berufe fit halten ­können.“

Das Elektrohandwerk steht genau an diesem Punkt. In einem Pilotprojekt mit dem Bundeswirtschaftsministerium hat die Branche an fünf Standorten in Deutschland mit Auszubildenden erprobt, wie digitale Inhalte hochkonzentriert vermittelt werden können. Die Erkenntnis: "Wir können die Ausbildungsinhalte nicht noch weiter verdichten. Also werden wir wohl einen komplett neuen Ausbildungsberuf anbieten“, erklärt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke.

Neue Handwerksberufe durch Digitalisierung

"Gebäudeautomation digitales Management“ könnte dieser Beruf für eine kleine Elite innerhalb der Branche heißen. Derzeit deckten oft Ingenieurbüros diese Art von Arbeiten ab. "Wir wollen das aber im Handwerk halten“, hofft Dechert.

Er befürwortet nach den Erfahrungen des Pilotprojekts auch geregelte Weiterbildungen für Gesellen nach Bundesverordnung. Damit könne die Branche nicht nur das Problem der immer komplexeren Lerninhalte lösen, sondern auch neue Karrierewege anbieten.

Doch es ist ein langwieriger Prozess, Ausbildungsordnungen, Rahmenlehrpläne und überbetriebliche Unterweisungspläne so zu überarbeiten, dass sie dem digitalen Zeitalter gerecht werden. Im SHK-Handwerk dauerte es von den ersten Verhandlungen bis zur Verabschiedung sechs Jahre – und auch im Idealfall, wenn alle beteiligten Handwerks-, Bundes- und Landeseinrichtungen in Rekordtempo arbeiten, vergehen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, bis ein Beruf neu geordnet ist – und weitere drei Jahre, bis der erste Geselle danach ausgebildet wurde.

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