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Neuseeland 35 Kilometer bis zur Tiefenentspannung

Der Banks Peninsula Track gilt als Geheimtipp unter Neuseelands Wanderwegen – nur 16 Personen dürfen ihn pro Tag gehen. Er führt zum Einklang mit der Natur und sich selbst.

35 Kilometer bis zur Tiefenentspannung
Genuss der Einsamkeit – auf dem Banks Peninsula Track. -

Das kleine Fischerdörfchen Akaroa liegt 80 Kilometer südöstlich von Christchurch, auf der Halbinsel Banks, und ist der Ausgangspunkt für den wahlweise zwei- oder viertägigen Banks Peninsula Track. 1989 eröffnet zählt er noch heute zu den einsamsten Wanderwegen des Landes. Nur 16 Personen pro Tag werden zugelassen. Wer sich nicht den Mitwanderern anschließen möchte, hat gute Chancen den Tag nur in Gesellschaft von Schafen, Möwen und der einzigartigen Flora zu verbringen, bis sich am Abend alle wieder in einer der liebevoll gestalteten Unterkünfte zusammenfinden.

Bereits die erste Übernachtung ist ein Highlight. Onuku Trampers' Hut liegt einen Steinwurf hinter Akaroa. Mit dem Kleinbus geht es für die Teilnehmer dorthin. In zeltartigen Holzhütten mit Glasdach finden die Wanderer hier ein Bett unter abertausenden funkelnden Sternen, ehe am nächsten Morgen der steilste und längste Anstieg des Tracks auf sie wartet.

Francis und Steve und ihre Pinguin-Kolonie

Über Schafswiesen geht es zum höchsten Punkt der Wanderung auf 699 Meter. Glücklicherweise taucht der Weg nach dem Anstieg bald in schattenspendenden Wald ein. Er schlängelt sich an einem Fluss entlang und an Wasserfällen vorbei bergab. Dann kommt das 160 Jahre alte Pionier-Haus von Flea Bay in Sicht – das Zuhause von Francis und Steve Helps und ihrer Pinguin-Kolonie.

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Die Wanderer des 2-Tage-Tracks lassen Flea Bay nach kurzer Rast hinter sich. Alle übrigen verbringen hier die Nacht und haben am nächsten Morgen die Gelegenheit zu einer Kajaktour. Mit etwas Glück gesellen sich einige Hektor-Delfine dazu, tauchen unter den Kajaks hindurch und springen in einiger Entfernung aus dem Wasser.

Zurück an Land lässt die nächste Möglichkeit zur Tierbeobachtung nicht lange auf sich warten. Nach wenigen Kilometern tummeln sich junge Seehunde im türkisblauen Wasser einer Höhle. Andere blicken die Besucher von Felsvorsprüngen mit schwarzen Kulleraugen neugierig an.

Weiter geht es den Klippenpfad entlang. Das Rauschen der Brandung trägt die Wanderer rhythmisch bis nach Stony Bay. Hinter einem Holztor öffnet sich ein weitläufiger Garten. Kleine verstreute Hütten sind die Herberge für die nächste Nacht, ein kleiner Laden mit Obst, Gemüse, Fleisch und allerlei mehr ist ein Einkaufsparadies im nirgendwo.

Weder Handynetz noch Internetempfang

Zwischen Hortensiensträuchern und Obstbäumen, begleitet vom Zwitschern der Vögel, lässt es sich den Rest des Tages herrlich relaxen. Wie überall auf der Wanderung ist die Natur allgegenwärtig. Zivilisationserrungenschaften wie Handynetz und Internetempfang dagegen abwesend. Selbst wer sonst schwer zur Ruhe kommt kann hier abschalten.

Tiefenentspannung setzt spätestens in einer der beiden Outdoor-Badewannen ein. Geheizt wird mittels Holzfeuer unter der Wanne. Mit einem Glas Wein kann man hier wundervoll die Sterne betrachten und alles andere vergessen. Und wird das Wasser über dem knisternden Feuer zu heiß, schafft ein Gartenschlauch schnell Abhilfe.

Am nächsten Morgen geht es weiter im Auf und Ab die Klippen entlang. Ein Schild am Wegesrand und der Blick auf ein eingestürztes Brandungstor erinnern daran, welch zerstörerische Kraft die Naturgewalten in Neuseeland immer wieder haben. Diesen ist während eines Erdbebens auch das Farmhaus in Otanerito Beach zum Opfer gefallen. Wieder instand gesetzt, bildet es die letzte Unterkunft für die 4-Tageswanderer, ehe es über die Hügel zurück nach Akaroa geht.

Diese letzte Etappe hält noch einmal einige Anstiege bereit. Ist die Kuppe des 590 Meter hohen Purple Peak überschritten, eröffnet sich eine beeindruckende Sicht auf die Bucht und den Hafen von Akaroa. Dort liegt ein Kreuzfahrtschiff vor Anker. Tenderboote bringen die Passagiere zum Landgang. Doch nach den Tagen auf dem Banks Peninsula Track, im Einklang mit der Natur und sich selbst, möchte man keine Sekunde mit den Schiffspassagieren tauschen.

Alle wichtigen Informationen zur Wanderung

Anreise: Flug nach Christchurch; ab Christchurch mit Mietwagen oder öffentlichem Bus nach Akaroa
Reisezeit: Der Track ist von Oktober bis April begehbar; zum Wandern sind die neuseeländischen Frühjahrs- und Herbstmonate besonders zu empfehlen
Track-Länge: 35 km in wahlweise zwei oder vier Tagen
Schwierigkeitsgrad: Zwei Tage anspruchsvoll; vier Tage moderat
Kosten: Zwei-Tage-Track: ca. 160-185 Neuseeland-Dollar (NZD); Vier-Tage-Track: ca. 225-295 NZD (jeweils Übernachtung mit Selbstverpflegung)
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeit: www.bankstrack.co.nz; Buchung im Voraus zwingend erforderlich

Der Banks Peninsula Track
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