Meinung -

Leitartikel 2017: Schicksalsjahr mit Lichtblick

Trump, Brexit, Bundestagswahl: 2017 könnte große Verwerfungen mit sich bringen.

Zum Jahreswechsel 2016/2017 haben Pessimisten Hochkonjunktur. Aber man braucht nicht unbedingt Pessimist zu sein, um festzustellen, dass das zu Ende gehende Jahr uns einiges an Negativem beschert hat. Terroristische Anschläge, Attentate und die Katastrophe in Aleppo lassen einen manchmal daran zweifeln, ob der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung ist. Politische Beben waren der Brexit und die Wahl von Donald Trump.

Das wird 2017 entscheidend

Entscheidende Daten für 2017 werden sein: Der Amtsantritt von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten am 20. Januar, der Beginn der Brexit-Verhandlungen, wenn Großbritannien – so der jetzige Stand – bis Ende März die EU formal über seinen Austritt informiert hat, und schließlich die Bundestagswahl, die wohl am 24. September stattfinden wird. Kaum jemand kann derzeit einschätzen, welche Schwerpunkte ein Präsident Trump setzen wird. Wird sich Amerika abkapseln und damit Handelsbeziehungen erschweren und sich von politischen Kooperationen zurückziehen?

Die Regierungsbildung wird schwieriger

Beides würde Deutschland massiv treffen. Aber auch die geopolitische Lage könnte von erheblichen Verwerfungen geprägt sein. Da erscheinen die Auswirkungen des endgültigen Austritts von Großbritannien aus der Europäischen Union schon fast als das kleinere Übel. Auf jeden Fall spannend wird die Bundestagswahl. Von Kanzlerin Merkel weiß man, dass sie erneut antritt. Ob allerdings das Band zwischen den Unionsparteien hält, hat der CSU-Chef von einer Obergrenze bei Flüchtlingen abhängig gemacht. Noch nicht alle Parteien haben ihre Spitzenkandidaten festgelegt. Fakt dürfte allerdings sein, dass das im nächsten Bundestag vertretene Parteienspektrum breiter werden wird. Damit wird auch die Regierungsbildung schwieriger. Manche meinen schon, dass letztendlich erneut nur eine Große Koalition herauskommen kann. Die große Unbekannte ist das Abschneiden der AfD.

Das wird unter anderem auch davon abhängen, wie sich alles rund um das Thema Flüchtlinge entwickelt. Dabei geht es zum einen darum, ob wir Fortschritte bei der Integration machen. Weitere Vorkommnisse wie in der Kölner Silvesternacht dürfen nicht mehr passieren. Fatal wäre es zum anderen, wenn der fragile Pakt mit der Türkei, die ihre ganz eigenen Probleme hat, bricht und damit eine neue Flüchtlingswelle Richtung Europa kommen würde. Man wird sich ferner darauf einstellen müssen, dass die Bundestagswahl 2017 ganz neue mediale Qualitäten haben wird, auch durch Hacker-Angriffe. Der Präsidenten-Wahlkampf in Amerika hat bereits gezeigt, was uns da drohen kann.

Gibt es 2017 auch Lichtblicke?

Gibt es auch Lichtblicke? Aber ja! Einer ist die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks. In unsicheren Zeiten wie diesen und angesichts der nach wie vor niedrigen Zinsen igeln sich die Menschen eher in ihrem Zuhause ein und geben dafür ihr Geld aus. Das kommt dem Handwerk zugute.

Das Handwerk ist aber dennoch gut beraten, im Wahlkampf seine Stimme deutlich zu erheben, um darauf hinzuweisen, wie die Rahmenbedingungen aussehen müssen, damit unser Wirtschaftsbereich auch weitere gute Jahre vor sich hat. Steuern und Abgaben dürfen auf keinen Fall zunehmen. Die Bürokratie muss den kleinen und mittleren Betrieben endlich Luft zum Atmen lassen. Eckpfeiler des Handwerks wie der Große Befähigungsnachweis und das duale System der Berufsausbildung müssen eine der wesentlichen Stärken des Standorts Deutschlands bleiben.

lothar.semper@holzmann-medien.de

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