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Einkommensteuer 20 Tipps für die private Steuererklärung

Die Steuererklärungen 2018 müssen in diesem Jahr frühestens am 31. Juli 2019 ans Finanzamt übermittelt werden. Doch Sie können natürlich schon jetzt Ihre Erklärung ans Finanzamt schicken. Seit Mitte März ist die Einreichung beim Finanzamt möglich. Hier die besten Steuertipps.

1. Steuererstattung nicht verschenken

Kuriose Aussage der Bundesregierung auf eine Antrag aus dem Bundestag: Im Jahr 2014 haben 7,4 Millionen Arbeitnehmer auf die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung verzichtet und somit umgerechnet auf 7,4 Milliarden Euro Steuererstattungen. Die freiwillige Erklärung 2018 muss bis spätestens 2022 beim Finanzamt landen. Bis Ende 2019 haben Sie noch Zeit, die freiwillige Erklärung für 2015 abzugeben.

2. Steueranrechnung für geerbtes Vermögen

Haben Sie 2018 oder in den vorangegangenen Jahren Vermögen geerbt, mussten dafür Erbschaftsteuer zahlen und das Finanzamt verlangte 2018 auch noch Einkommensteuer auf die Veräußerung des geerbten Vermögens, können Sie in Zeile 92 des Mantelbogens zur Einkommensteuererklärung eine anteilige Anrechnung der Erbschaftsteuer auf die Einkommensteuer beantragen (zum Beispiel Besteuerung des Gewinns aus dem Verkauf eine geerbten, vermieteten Immobilie).

3. Verluste aus Knock-out-Zertifikaten

Ist es 2018 bei Knock-out-Zertifikaten zum "Knock-out" gekommen, müssen Sie die Bescheinigungen Ihrer Bank genau anschauen. Denn die Banken ignorieren die daraus angefallenen Verluste beim Kapitalanleger. Reichen Sie mit Ihrer Steuererklärung die Anlage KAP ein und beantragen Sie vom Finanzamt die Feststellung der Verluste. Dazu ist der Fiskus verpflichtet (BFH v. 20.11.2018, Az.: VIII R 37/15).

4. Studienkosten trotz Stipendium

Studierten Sie 2018 nach Abschluss einer Ausbildung und haben Zahlungen im Rahmen eines Stipendiums erhalten, dürfen Sie dem Finanzamt die kompletten Studienkosten als vorweggenommene Werbungskosten in der Anlage N präsentieren. Das Finanzamt darf diese Werbungskosten nicht um die erhaltenen Zahlungen aus dem Stipendium kürzen. Eine Kürzung ist nur erlaubt, wenn die Zahlungen nachweislich die Studienkosten ausgleichen sollen (FG Köln v. 15.11.2018, Az.: 1 K 1246/16).

5. Genussrechte vom Arbeitgeber

Hat Ihnen Ihr Arbeitgeber zur Finanzierung von Investitionen Genussrechte gegeben, stellen die zugeflossenen Zinsen keinen Arbeitslohn, sondern Kapitalerträge dar (FG Münster v. 07.12.2018, Az.: 4 K 1366/17 E). Vorteil: Die zugeflossenen Einnahmen unterliegen nur der 25-prozentigen Abgeltungsteuer. Haben Sie keine weiteren Kapitaleinkünfte, bleiben Einnahmen bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags von 801/1.602 Euro (ledig/zusammenveranlagte Eheleute) unbesteuert.

6. Gleichgeschlechtliche Ehe

Lebten Sie mit Ihrem gleichgeschlechtlichen Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und haben diese 2018 in eine Ehe umwandeln lassen, eröffnen sich für die vergangenen Jahre neue steuerliche Möglichkeiten. Sie können für alle noch nicht verjährten Steuerjahre die gemeinsame Zusammenveranlagung beantragen, selbst wenn für diese Jahre bereits Einzelveranlagungsbescheide vorhanden waren (FG Hamburg v. 31.07.2018, Az.: 1 K 92/18).

7. Unfall auf auf dem Weg zur Arbeit

Sind Sie Arbeitnehmer und haben auf dem Arbeitsweg einen Unfall verursacht, können Sie die nicht von der Versicherung gezahlten Unfallkosten neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend machen. Soweit zur Theorie. Denn dieser Grundsatz gilt nach Auffassung des Finanzamts nur für Sachschäden, nicht dagegen für selbst getragene Personenschäden (zum Beispiel Zahlungen für Krankenhausbehandlung). Dagegen lohnt sich Gegenwehr, weil dazu zwei Musterprozesse beim Bundesfinanzhof laufen (BFH, Az.: VI R 8/18 und VI R 40/18).

8. Neue Steuerformulare

Haben Sie 2018 Einnahmen auf Investmentfonds erhalten oder waren Sie an Gesellschaften beteiligt und Ihnen sind daraufhin Einnahmen zugeflossen, müssen Sie bei Abgabe der Steuererklärung 2018 zwei neue Steuerformulare benutzen: die Anlagen KAP-INV und KAP-BET.

9. Photovoltaikanlage geplant

Planen Sie in den Jahren 2019 bis 2021 die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach Ihres Eigenheims und können dem Finanzamt plausibel diese Investitionsabsicht nachweisen (zum Beispiel durch erste Ausgaben für Beratung etc.), zahlt sich das steuerlich bereits 2018 aus. Denn Sie können wie Unternehmer bereits für 2018 einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 40 Prozent der voraussichtlichen Nettoanschaffungskosten als Betriebsausgaben in Anlage G geltend machen. Dieser Verlust wird mit Ihren anderen Einkünften steuersparend verrechnet (§ 7g Abs. 1 EStG).

10. Beitragszahlungen von Kindern

Befanden sich Ihre Kinder 2018 noch in Ausbildung oder im Studium, geben keine eigene Steuererklärung ab und Sie bekommen noch Kindergeld, können Sie die Beitragszahlungen der Kinder zur Basiskranken- und Pflegeversicherung wie eigene Sonderausgaben geltend machen. Das Finanzamt könnte hier noch blockieren und von Ihnen aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofs verlangen, die Übernahme der Zahlungen nachzuweisen. Doch unter Umständen wendet die Finanzverwaltung dieses strenge Urteil (noch) nicht an.

11. Steueranrechnung fürs Verputzen

Haben Sie 2018 Ihr neues Eigenheim bezogen und den Außenputz erst nachträglich anbringen lassen, können Sie für die Ausgaben zum Verputzen eine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen nach § 35a Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG) geltend machen. Anrechenbar sind 20 Prozent der Arbeitsleistung, maximal 1.200 Euro im Jahr. Der ein oder andere Finanzbeamte könnte hier sein Veto einlegen, weil für Neubaumaßnahmen keine Steueranrechnung zulässig ist. Ihr Konter: Für alle Ausgaben nach Bezugsfertigkeit des Eigenheims winkt die Steueranrechnung (BFH v. 05.07.2018, Az.: VI R 53/17).

12. Zuzahlungen zum Dienstwagen

Durften Sie 2018 einen Dienstwagen Ihres Arbeitgebers nutzen und mussten aufgrund einer Regelung im Arbeitsvertrag einen Teil der Benzinkosten oder der Leasingraten übernehmen, mindern diese Zahlungen den zu versteuernden geldwerten Vorteil. Hat Ihr Arbeitgeber den geldwerten Vorteil im Lohnsteuerabzugsverfahren noch nicht gemindert, können Sie das bei Abgabe der Steuererklärung beantragen.

13. Verkauf eines Eigenheims

Haben Sie 2018 Ihr Eigenheim verkauft, in dem sich ein Arbeitszimmer befand, kann das zu einer bösen Überraschung führen. Denn bei Verkauf innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf versuchen die Finanzämter den auf das Arbeitszimmer entfallenden Wertzuwachs als privates Veräußerungsgeschäft zu besteuern. Dagegen sollten Sie sich wehren. Denn das letzte Wort spricht hier der Bundesfinanzhof in einem Musterprozess (BFH, Az.: IX R 11/18).

14. Landespflegegeld steuerfrei

Ist Ihr Ehegatte Bayerischer Beamter und hat 2018 wegen Pflegebedürftigkeit vom Landespflegegeld in Höhe von 1.000 Euro profitiert, können Sie sich steuerlich beruhigt zurücklehnen. Das Landespflegegeld ist komplett steuerfrei und mindert auch nicht die außergewöhnlichen Belastungen bei eigenen Aufwendungen für Pflege, Medikamente oder Arztrechnungen (LfSt Bayern, Verfügung vom 24.01.2019, Az. S 2295.1.1-14/4 St 36).

15. Doppelbesteuerung von Neurentnern

Sind Sie 2018 in Rente gegangen, müssen Sie 76 Prozent Ihrer gesetzlichen Renteneinnahmen versteuern. Da in den vergangenen Jahren aber nur ein Bruchteil der Rentenversicherungsbeiträge als Sonderausgaben abgezogen werden dürften, wittert der Bund der Steuerzahler eine Doppelbesteuerung. Deshalb sucht der Bund der Steuerzahler einen Musterkläger. Haben Sie die Steuerbescheide der letzten Jahrzehnte parat, sind Sie vielleicht der gesuchte Musterkläger.

Steuertipps in Kürze

16. Baukindergeld

Haben Sie Baukindergeld erhalten, müssen Sie das in Ihrer Steuererklärung nicht angeben. Denn dieser Zuschuss ist komplett steuerfrei.

17. Heirat

Haben Sie 2018 geheiratet und ein Partner erzielt mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens, bringt die Zusammenveranlagung hohe Steuererstattungen.

18. Verwitwet

Ist Ihr Ehepartner 2017 verstorben, steht Ihnen ausnahmsweise im Jahr 2018 auch als Lediger noch einmal die günstige Zusammenveranlagung zu (soganntes Witwensplitting).

19. ELSTER

Über 60 Prozent nutzen bereits die Übermittlung der Steuererklärung per Elster. Vorteil: Schnellere Bearbeitung.

20. Minijob

Haben Sie 2018 als Minijobber mit einem maximalen Monategehalt von 450 Euro gearbeitet, müssen Sie dieses Gehalt in der Steuererklärung nicht angeben. Der Arbeitgeber hat bereits pauschal die Lohnsteuer abführen müssen.

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