Steuertipps -

Steuern in der Corona-Pandemie 15 Steuerspar-­Ideen zu Corona

Aufgrund der anhaltenden Corona-Krise lässt der Fiskus die Zügel lockerer und gewährt Steuerzahlern verschiedene Erleichterungen: von Stundungen bis hin zu Vorauszahlungssenkungen und Teilwertabschreibung.

1. Befreiung von Umsatzsteuer-Sonderzahlungen

Beantragen Sie bis zum 10. Februar 2021 bei monatlicher Abgabeverpflichtung der Umsatzsteuer-Voranmeldungen eine Dauerfristverlängerung nach §§ 46 bis 48 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV) gibt es zwei gute Nachrichten für Sie. Stimmt das Finanzamt zu, müssen Sie die Umsatzsteuer-Voranmeldung immer einen Monat später als gesetzlich vorgeschrieben ans Finanzamt übermitteln. Zum anderen haben sich Bund und Länder aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie darauf verständigt, dass die Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung von 1/11 der Vorsteuerjahres-Umsatzsteuerzahlung auf Antrag wegfällt oder wieder erstattet wird (siehe unter anderem Ministerium der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg).

2. Herabsetzungsantrag für Gewerbesteuervorauszahlungen

Sind Sie wegen der Corona-Krise auf jeden Cent angewiesen, um die finanzielle Liquidität Ihres Handwerksbetriebs zu stärken, können Sie die Minderung der laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen für 2021 beantragen. Die Anträge sind in der Regel beim Finanzamt und nicht bei der Gemeinde zu stellen und die Finanzämter sind dazu angehalten, die Anträge nicht zu streng zu prüfen. Gibt ein Unternehmer an, dass er unmittelbar und nicht unerheblich negativ von der Corona-Krise betroffen ist, dürfte die Reduzierung der Vorauszahlungen 2021 auf null Euro kein Problem sein (gleichlautende Erlasse der obersten Finanzbehörden v. 25.01.2021).

3. Arbeitgeber spendiert Corona-Test

Übernimmt ein Arbeitgeber die Kosten für einen PCR- und Antikörper-Test für seine Mitarbeiter im Zusammenhang mit Dienstreisen, Urlaubsreisen oder bei Verdachtsfällen zur Vermeidung oder Verkürzung einer zweiwöchigen Quarantäne, stellt sich die Frage, ob der Arbeitnehmer hierfür einen geldwerten Vorteil versteuern muss. Auf Bund-Länder-Ebene wurde beschlossen, dass es aus Vereinfachungsgründen nicht zu beanstanden ist, wenn von einem ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers auszugehen ist. Folge: Es fällt keine Lohnsteuer an (bundesfinanzministerium.de).

4. Mietausfall kein Nachteil für Vermieter

Kommt dem Finanzamt die Miete eines privaten Mieters sehr niedrig vor, prüft es für das Jahr 2020, ob die Miete mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt. Wenn ja, ist steuerlich alles in Ordnung. Liegt die Miete unter der 66 Prozent-Grenze, kürzt das Finanzamt nach § 21 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) anteilig den Werbungskostenabzug bei Ermittlung der zu versteuernden Mieteinkünfte (zum Beispiel Miete entspricht nur 45 Prozent der ortsüblichen Miete = Abzug Werbungskosten 45 Prozent). Hatte ein Mieter 2020 wegen Corona Zahlungsprobleme und der Vermieter hat nicht die komplette Miete bekommen, könnte die erzielte Miete unter die 66 Prozent-Grenze rutschen. Doch keine Angst: Mietausfälle wegen Corona führen nicht zur Kürzung des Werbungskostenabzugs (OFD Nordrhein-Westfalen v. 02.12.2020).

5. Sonderabschreibung 2020

Sitzen Sie schon an der Gewinnermittlung für 2020, um zu viel bezahlte Steuern schnellstmöglich erstattet zu bekommen, sollten Sie prüfen, ob Sie vielleicht von der Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG profitieren. Wenn ja, winken beim Kauf beweglicher Gegenstände (Maschinen, PC, Möbel, etc.) neben der regulären Abschreibung zusätzlich eine gewinnmindernde 20-prozentige Abschreibung. Neu im Jahr 2020: Wegen Corona wurden die Voraussetzungen geändert. Die Sonderabschreibung winkt danach 2020, wenn der Gewinn im Vorjahr 2019 nicht mehr als 200.000 Euro betragen hat. Diese Gewinnobergrenze gilt sowohl für Einnahmen-Überschussrechner als auch für Bilanzierer.

6. Sofort-Abschreibung für digitale Wirtschaftsgüter

Im Rahmen einer Videokonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder vom 19. Januar 2021 wurde zur Förderung der Digitalisierung beschlossen, dass bestimmte Wirtschaftsgüter rückwirkend ab dem 1. Januar 2021 unabhängig von den Kosten sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben erfasst werden dürfen. Dieser Sofortabzug soll Computerhardware und Software betreffen. Statten Sie also Ihre Mitarbeiter im Homeoffice mit digitalen Wirtschaftsgütern aus, winkt Ihnen dafür steuerlich ein Vorteil.

7. Herabsetzungsantrag für Vorauszahlungen

Sie möchten ihre laufenden Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuervorauszahlungen 2021 reduzieren oder auf null Euro festsetzen lassen, weil Sie wegen der Corona-Krise jeden Cent dringend brauchen? Dann kennen Sie sicherlich das Problem, dass im Finanzamt dauerbelegt ist. Wichtig zu wissen: Telefonisch klappt es mit der Herabsetzung sowieso nicht. Sie sollten den Antrag online über elster.de stellen. Dann wird der Antrag zeitnah bearbeitet.

8. Einspruchsfrist versäumt wegen Corona

Haben Sie einen Steuerbescheid vom Finanzamt bekommen und stellen fest, dass dieser fehlerhaft ist, können Sie innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheids beim Finanzamt Einspruch einlegen. Doch was tun, wenn Sie die Ein-Monatsfrist versäumt haben, etwa weil Sie wegen einer Corona-Erkrankung keine Zeit hatten oder weil der Steuerbescheid im Briefkasten Ihres Betriebs gelandet ist, der wegen des Lockdowns geschlossen ist. Dann sollten Sie einen Antrag auf "Wiedereinsetzung in den vorigen Stand" nach § 110 Abgabenordnung (AO) stellen. Können Sie plausibel erläutern, dass die Frist wegen Corona nicht eingehalten werden konnte, bekommen Sie eine neue Chance für die Einlegung eines Einspruchs.

9. Verspätungszuschlag – nein danke

Auch wenn Sie beim Finanzamt dafür bekannt sind, nicht der Pünktlichste zu sein, wenn es um die Abgabe von Steuererklärungen geht, sollten Sie gegen die Festsetzung von Verspätungszuschlägen vorgehen. Das ergibt immer dann Sinn, wenn die Verzögerung für die verspätete Abgabe mit einer Erklärung – diesmal plausibel mit den besonderen Umständen wegen Corona – begründet werden kann. Hatte der Steuerberater nachweislich keine Zeit, war der Buchhalter krank oder konnte im Homeoffice nicht auf alle Buchhaltungsdaten zugreifen oder mussten Sie als Unternehmer alle Hebel in Bewegung setzen, um Ihren Betrieb trotz Corona-Krise am Laufen zu halten, dürften die Sachbearbeiter Verständnis haben und auf die Festsetzung von Verspätungszuschlägen ausnahmsweise verzichten.

10. Erstattung bereits gezahlter Steuern?

Wissen Sie schon heute, dass Sie die nächsten Steuerzahlungen mit Sicherheit finanziell nicht stemmen können, sollten Sie beim Finanzamt einen schriftlichen Stundungsantrag stellen. Der Antrag für bis 31. März 2021 fällige Steuern muss bis zu diesem Tag gestellt werden. Eine zinslose Stundung ist dann bis zum 30. Juni 2021 möglich. Vereinbaren Sie mit der Finanzkasse Ratenzahlung kann die zinslose Stundung sogar bis Ende 2021 verlängert werden (BMF-­Schreiben v. 22.12.2020). Doch aufgepasst: Widerrufen Sie die Einzugsermächtigung des Finanzamts. Denn bucht das Finanzamt die fälligen Steuern vom Konto ab, werden die eingezogenen Steuern selbst dann nicht zurückerstattet, wenn der Stundungsantrag nachträglich gewährt wird.

11. Teilwertabschreibung für Saisonware

Bilanzierende Unternehmer, die wegen des Lockdowns im Jahr 2020 auf Saisonware sitzen geblieben sind (zum Beispiel Oster- und Weihnachtsartikel) und der Wert dieser Ware ist dauerhaft unter den Wert der Anschaffungskosten gesunken, dürfen eine gewinnmindernde Teilwertabschreibung vornehmen. Die Spielregeln dazu finden sich in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 2. September 2016.

12. Freiwillige Steuerzahlungen sinnvoll

Findet in Ihrem Betrieb aktuell eine Prüfung des Finanzamts statt und es ist schon klar, dass es zu Steuernachzahlungen kommen wird, kann es sich anbieten, eine freiwillige Steuerzahlung zu leisten – wenn Sie die nötigen finanziellen Mittel dafür haben. Denn zieht sich die Prüfung wegen Corona noch länger hin, bedeutet jeder Monat Verzögerung bis zum Abschluss der Prüfung 0,5 Prozent Nachzahlungszinsen pro Monat. Bei einer freiwilligen Steuerzahlung wird das Finanzamt die festgesetzten Nachzahlungszinsen ab dem Zahlungsmonat aus Billigkeitsgründen erlassen (Tz. 70.1.1 AEAO zu § 233a AO). Vor der freiwilligen Steuerzahlung sollten Sie das Gespräch mit der Finanzkasse führen. Dort wird man Ihnen mitteilen, wie der Betreff der Überweisung aussehen soll.

13. Dokumentation wegen Corona-Krise

Für den Fall, dass in Ihrem Betrieb für 2020 oder 2021 eine Prüfung des Finanzamts stattfindet, sollten Sie wegen Corona spezielle Aufzeichnungen führen und diese im Rahmen der steuerlichen Aufbewahrungspflichten archivieren. Halten Sie schriftlich fest, an welchen Tagen der Betrieb wegen Corona geschlossen war, wann Sie wegen Corona nur eine beschränkte Anzahl von Kunden oder Gästen Einlass gewährten durften, wie Sie die Mehrwertsteuersenkung in der Kassen- und Buchführung umgesetzt haben und welche Umsatzeinbußen wegen Corona zu verzeichnen waren. Nur so haben Sie plausible Nachweise, wenn das Finanzamt wegen Abweichungen von Umsatz- und Gewinn-Richtwerten Steuerverkürzungen unterstellen und Zuschätzungen zum Umsatz und Gewinn vornehmen möchte.

14. Kurzarbeitergeld und Kinderkrankengeld

Arbeitnehmer sollten informiert werden, dass das Kurzarbeitergeld oder das Kinderkrankengeld wegen Kinderbetreuung durch Schulschließungen zwar grundsätzlich steuerfrei sind, jedoch über ein Hintertürchen (Progressionsvorbehalt) besteuert wird. Es erhöht sich der Steuersatz auf das übrige zu versteuernde Einkommen. Für 2020 und 2021 müssen betroffene Arbeitnehmer mit Steuernachzahlungen rechnen.

15. Verschonungsregelung: Behandlung des Kurzarbeitergeldes

Bei Ermittlung der Lohn­summe im Rahmen der schenkungs- und erbschaftsteuerlichen Verschonungsregelungen nach § 13a Abs. 3 Satz 6 bis 13 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) stellt sich die Frage, ob das Kurzarbeitergeld einzubeziehen ist. Die gute Nachricht auf diese Frage findet sich in Erlassen der obersten Finanzbehörden der Länder vom 14. Oktober 2020. Bei Ermittlung der Lohnsumme ist vom Aufwand für Löhne und Gehälter in der Gewinn- und Verlustrechnung auszugehen. Das von der Bundesagentur für Arbeit gewinnwirksam verbuchte Kurzarbeitergeld mindert nicht den Lohnaufwand.

Folge: Trotz Kurzarbeitergeld kippen die erbschaft- und schenkungssteuerlichen Verschonungsregelungen bei der steuerbegünstigten Betriebsübertragung nicht rückwirkend.

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