Frankfurt-Rhein-Main -

Leonhardt Metallhandwerk 111 Jahre Handwerk

Besuch bei der Frankfurter Firma Leonhardt Metallhandwerk, die bereits auf 111 Jahre zurückblicken kann.

Gregor Leonhardt
Gregor Leonhardt. -

Zu Baustellen fährt Gregor Leonhardt mittlerweile eigentlich ausschließlich mit dem Auto. Trotzdem hat das alte Lastenfahrrad seines Vaters für ihn nicht nur antiquarischen Wert. Alle zwei Jahre holt er das Zweirad aus den 50er Jahren vom Speicher, entstaubt es, poliert den Schriftzug mit der Aufschrift "Friedrich Leonhardt – Schlosserei" und fährt damit zur Frankfurter Frankenallee. Dort misst er sich dann mit den Vertretern anderer Zünfte beim historischen Geschäftsradrennen. "Im vergangenen Jahr wurde ich immerhin Dritter", sagt Leonhardt.

Mehr als über einen vorderen Platz freut sich der jetzige Inhaber des Familienbetriebs jedoch über die durch das Radrennen lebendig gehaltene Tradition. "Das macht schon Spaß", sagt er. Wer diese Freude an lebendiger Geschichte teilt, würde einen Rundgang durch die Werkstatt von Leonhardt Metallhandwerk lieben. "Unser Familienbetrieb arbeitet in diesen Räumen bereits seit 1902", sagt der Geschäftsführer, der sich beim 100-jährigen Jubiläum des Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Frankfurt engagiert mit seiner Firma einbrachte (wir berichteten).

Die Leonhardts arbeiten in der heutigen Heidelberger Straße seit dem 18. März 1902. An diesem Datum wurde die Gewerbeanmeldung auf Friedrich Leonhardt ausgestellt – Gregor Leonhardts Urgroßvater. Selbstverständlich ist auch dieses Dokument erhalten und hat einen Ehrenplatz in der rund 200 Quadratmeter großen Werkstatt inne. Die habe – anders als das davorgelagerte Wohnhaus – sogar den Zweiten Weltkrieg überlebt, berichtet Gregor Leonhardt, der die Schlosserei seit 2002 gemeinsam mit seiner Frau Durda leitet.

Über die Jahre haben sich viele historische Schätze in der Heidelberger Straße angesammelt, die so manches Museum neidisch machen könnten. Meisterbriefe von Gregor Leonhardts Urgroßvater (1914) und Vater (1952) finden sich dort genauso wie alte Fotos der Schlosserei. Eine Drehmaschine aus den 50er Jahren wird immer noch benutzt und steht neben modernen Geräten wie Standbohrern oder Bandschleifern. "Ich kann aber leider unmöglich alles aufheben", sagt Leonhardt. Einen Teil der alten Stücke habe er vor Kurzem dem Hessenpark vermacht. "Wenn ich es schon weggeben muss, überlasse ich es lieber einem Museum, als es auf dem Schrottplatz zu Geld zu machen."

Trotz der gelebten Tradition hat sich die Schlosserei über die Jahre natürlich verändert und wurde den Anforderungen der modernen Zeit angepasst. "1902 wurde hier quasi noch alles in Handarbeit geschmiedet", erzählt der Firmenchef. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich der Betrieb zeitweise vor allem auf die Fertigung von Aluminium-Fenstern verlegt. Heute baue die Firma diese zwar noch immer ein, stelle sie jedoch nicht mehr vor Ort her.

Dafür sei mittlerweile der Geländerbau zu einer Kernkompetenz des Betriebs geworden. Außerdem bilden der Bau von Briefkästen und Vordächern Arbeitsschwerpunkte, betont Leonhardt. "Daneben erledigen wir aber auch noch außergewöhnliche Kunstschmiedearbeiten", sagt der Geschäftsführer und zeigt auf eine Stele, die er gerade im Auftrag der Dr. Senckenbergischen Stiftung herstellt.

Arbeitstechnisch habe sich im Laufe der Zeit ebenfalls einiges geändert, resümiert Leonhardt. "Früher wussten die Leute relativ lange im Voraus, was sie wann in Auftrag geben wollen. Heute ist die Planung schwieriger, weil die Leute nicht zuletzt in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten kurzfristiger Aufträge vergeben", sagt er. Planungen, die weiter als sechs Wochen in die Zukunft reichen, seien heute die Ausnahmen.

Dennoch sieht sich Meister Leonhardt mit seinen insgesamt vier Mitarbeitern auch für etwaige Krisenzeiten gut gerüstet. "Die Nachfrage nach professionellem Handwerk ist da", sagt er. Ob nach Friedrich, Conrad, Berta, Günther und Gregor der nächste Chef des Familienunternehmens wieder aus dem Hause Leonhardt kommen wird, ist indes noch nicht ganz klar. "Mein Sohn Noah geht zurzeit in die sechste Klasse und ich möchte ihm absolut freie Wahl lassen, was seine Zukunft angeht." Bis der jüngste Spross der Familie das alte Lastenfahrrad aus dem Speicher holt, wird also in jedem Fall noch ein wenig Zeit vergehen.

Historie: Leonhardt Metallhandwerk

März 1902 Anmeldung des Handwerksbetriebs beim Rechneiamt auf Friedrich Leonhardt und seinen Kollegen Herrn Dechent (wird einige Jahre später von Friedrich Leonhardt ausbezahlt). 1931 Tod von Friedrich Leonhardt und seiner Frau Katharina. Conrad Leonhardt übernimmt die Firma gemeinsam mit seiner Ehefrau Berta. 1932 Hans Feuerstein, Cousin von Berta Leonhardt, fängt an, in der Schlosserei Leonhardt zu arbeiten. Die Firma übersteht die schlimme Wirtschaftskrise. 1941 Tod von Conrad Leonhardt. Berta Leonhardt führt die Firma allein. Hans Feuerstein legt 1942 die Meisterprüfung ab und unterstützt seine Cousine. 1945 Die Werkstatt wird im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. 1982 Berta Leonhardt verstirbt. Inzwischen hat sie das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Sohn Günther Leonhardt geführt. Für Berta Leonhardt rückt Günther Leonhardts Frau Christa in die Geschäftsführung auf. 1994 Die nächste Generation rückt nach. Gregor Leonhardt und sein Bruder Patrick übernehmen die Geschäfte. 2002 Gregor Leonhardt zahlt seinen Bruder aus. Gemeinsam mit seiner Frau Durda führt er bis heute die Firma Leonhardt Metallhandwerk.

Kontakt und weitere Infos auf metall-leonhardt.de

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