IT + Digitalisierung -

Mehr Aufträge über die Firmenwebsite 10 Tipps für einen erfolgreichen Handwerker-Blog

Ein Blog für die Firmenwebsite? Kleine Handwerksbetriebe schrecken meist vor Aufwand und Kosten zurück. Profi-Blogger Walter Epp rät zu mehr Mut und Kreativität – und erklärt, worauf es bei einem Handwerker-Blog ankommt.

Walter Epp ist gelernter Jurist und Vater von vier Kindern. Sein Geld verdient er aber nicht mit dem Wälzen von Akten, sondern mit dem Schreiben von Blogs. Seine Seite www.schreibsuchti.de verzeichnet inzwischen zigtausend Besucher pro Monat. Grund: Was er da tut, hat System. Der Duisburger ist zudem überaus fleißig. Täglich bringt er vier Stunden lang konzentriert und begeistert seine Gedanken zu Papier. Dabei entstehen ganz nebenbei Fachbücher zum Thema. Inzwischen suchen auch viele Unternehmen Rat bei Walter Epp. Was macht einen guten Blog aus? Wie lässt sich darüber Umsatz generieren? Was bringt Klicks und Abonnenten?

Große Firmen legen ihren Blog in die Hände der Marketingabteilung oder lagern ihn als Dienstleistung aus. Kleinen Handwerksbetrieben fehlt es dagegen oft an Geld und Manpower. Denn ein Blog kostet vor allem eines: Zeit. Der Duisburger Profi ist trotzdem der Meinung, dass dieser Kommunikationskanal genutzt werden sollte. "Abgesehen vom Marketingeffekt bietet er kleinen Betrieben die Möglichkeit, sich einen Expertenstatus zu erarbeiten. In Zeiten, in denen die Kunden überwiegend im Internet nach Handwerkern suchen, ist ein gutes Google-Ranking viel mehr wert als jede bezahlte Anzeige. Und das erreicht man vor allem über Aktualität", sagt Walter Epp.

Der Alltag liefert die Themen

Vor einiger Zeit unterstützte er einen befreundeten Maler beim Aufbau eines Blogs auf dessen Firmenhomepage. Inzwischen kommen dadurch erste Aufträge zustande. Besonders viele Klicks bringen ihm neben dem Blog übrigens die Youtube-Videos, in denen er auf die Internetseite seines Malerbetriebs verweist. Walter Epp: "Der wichtigste Rat ist, beim Content nicht zu verkrampfen. Einfach Kamera zur Arbeit mitnehmen und Prozesse dokumentieren. Die Leute denken immer, sie müssten dafür super Werbetexter sein. Das stimmt nicht. Es genügt, das, was da ist, in Content zu verwandeln." Beispiele für Themen kann er aus dem Stehgreif Dutzende nennen: Interview mit dem Firmengründer, kleine Einführung in die Handhabung einer Kreissäge, Tipps für den Ausbau des Dachgeschosses und so weiter, und so fort. Erstaunlich beliebt sind die Videos, in denen wichtige Arbeitsschritte erklärt werden. Die Anleitung des Malers, wie Ecken richtig gestrichen werden, verzeichnete 500.000 Aufrufe.

Walter Epp lässt Interessierte teils kostenlos an seiner Erfahrung teilhaben. Er versendet mehrmals pro Woche Newsletter mit Basiswissen speziell für Anfänger. Hier sind einige seiner Tipps:

1. Integrieren, nicht auslagern

Walter Epp rät, neue Blogs in bestehende Firmenhomepages zu integrieren, anstatt eine eigene Website dafür zu nutzen: "Die Internetseite eines Betriebs ist die Zentrale, in der Inhalte aus unterschiedlichen Kanälen zusammenlaufen."

2. Zielgruppe im Blick

Viele Blogger überschätzen das Interesse an ihrer Person, ihrem Unternehmen, ihrem Produkt. Umdenken ist angesagt: Vorab Zielgruppe definieren und dann Inhalte liefern, die einen Mehrwert haben für die Leserschaft.

3. Schreiben oder schreiben lassen?

Manchen Menschen liegt das Schreiben im Blut, sie können gut erklären und verzetteln sich nicht in umständlichen Formulierungen. Für alle anderen ist es angenehmer und günstiger, diese Aufgabe auszulagern, "sonst wird jeder einzelne Text eine schwere Geburt." Werbeagenturen beschäftigen geübte Fachleute, die hier behilflich sein können.

4. Kunden liefern Themen

Jeder Handwerker kennt das: Immer und immer wieder stellen Kunden dieselben Fragen. "Das ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass sich hier ein Blog-Thema versteckt", sagt Walter Epp. Gleiches gilt für Do-it-Yourself-Fachbücher, die sich über Amazon gut verkauft haben: Hier zeigt sich, worüber sich Heimwerker häufig informieren.

5. Auf die Länge kommt es nicht an

Walter Epp orientiert sich bei der Länge seiner Texte stets an dem Grundsatz: So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Also packt er in den Post alles rein, was nötig ist, und kürzt zum Schluss um zehn Prozent.

6. Fachbegriffe erklären

Wie spricht und denkt der Leser? Fachbegriffe können genannt, müssen dann aber verständlich erläutert werden. Sonst kommen sich Kunden möglicherweise dumm vor: "Am besten ist, man schreibt so, als ob man mit jemandem an einem Tisch sitzt und ihm etwas erklärt."

7. Checkliste abarbeiten

In den Anfangszeiten empfiehlt sich eine Checkliste: Geht es um den Schreiber oder den Leser? Wie oft kommt das Wort "Du" vor? Kürzere Wörter sind besser als lange, aktive Formulierungen besser als passive, und was nicht zum Textverständnis beiträgt, kann gelöscht werden.

8. Ausdauer ist gefragt

Walter Epp hat schon viele Blogs kommen und wieder gehen sehen: "Die allermeisten laufen nicht bis zum Ende. Das straft Google ab. Belohnt wird dagegen Kontinuität und Aktualität. Lebendige Websites zieht es nach oben."

9. Weniger ist mehr

Wie oft soll man bloggen? Auch auf diese Frage hat der Experte eine einfache Antwort: "Sooft man in der Lage ist, einen guten Artikel zu verfassen. Anfangs genügt ein Text pro Monat, ist der Prozess in Gang gekommen, kann man zweimal monatlich veröffentlichen."

10. Strategie anpassen

Indiz für einen erfolgreichen Blog sind allein die Aufträge, die darüber generiert werden. Ein Kontaktformular oder eine Nachfrage beim Erstgespräch geben darüber Aufschluss. Stellen sich nach sechs Monaten keine Erfolge ein, sollte das Konzept überdacht werden: "Vieles hat Hoffnung, manchmal braucht es nur einen neuen Dreh."

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten