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Stundung, Investitionsabzugsbetrag & Co. 10 Ideen für Corona-Steuerreformen

Um zu verhindern, dass Handwerksbetriebe wegen der Corona-Krise zahlungsunfähig werden, muss schnell gehandelt werden. Neben staatlichen Zuschüssen, Kurzarbeitergeld und Kfw-Darlehen, könnten auch Steuerreformen bei betroffenen Unternehmen für mehr finanzielle Liquidität sorgen. Eine Übersicht zu möglichen Corona-Steuerreform-Ideen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Wichtig gleich vorweg: Die in den folgenden Passagen vorgestellten Reformideen sind reine Überlegungen und Spekulationen, an welchen Stellen der Gesetzgeber in den Steuergesetzen jetzt nachjustieren könnte. Es bringt also nichts, mit diesen Ideen, an Ihr Finanzamt heranzutreten. Solche Ideen müssen von Verbänden, Lobbyisten und Steuerzahlern an die Politik adressiert werden. Dann könnte sich etwas bewegen.

1. Steuerstundung durch Gewinnrücklagen

Die meisten Unternehmen haben vor Corona Gewinne erzielt und versteuert. Hat ein Unternehmen auch 2019 einen steuerlichen Gewinn erzielt, sollte für den ermittelten Gewinn 2019 eine Rücklage gebildet werden dürfen, die dann auf 10 Jahr verteilt aufgelöst werden muss. Jedes Jahr müsste also nur ein Zehntel des Gewinns 2019 versteuert werden. Diese Corona-Gewinnrücklage sollte auf eine Million Euro begrenzt sein. So kommen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in den Genuss dieser Steuerstundung. Diese Rücklage sollte Unternehmen zur Verfügung stehen, unabhängig davon, ob sie bilanzieren oder den Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln. Es muss nur nachgewiesen werden, dass der Betrieb 2020 durch Corona unmittelbar und nicht unwesentlich negativ betroffen ist.

Sollte der Betrieb in den nächsten zehn Jahren aufgegeben oder veräußert werden, ist die noch verbliebende Rücklage gewinnerhöhend aufzulösen.

2. Investitionsabzugsbetrag I: Mehr Unternehmer begünstigen

Plant ein Unternehmer in den nächsten drei Jahren Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen, kann er dafür bereits im Jahr der Planung 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten als Betriebsausgaben abziehen (Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG). Das funktioniert aber derzeit nur, wenn er seinen Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt und der Gewinn vor Abzug nicht mehr als 100.000 Euro beträgt. Bei bilanzierenden Unternehmern greift diese Vergünstigung, wenn der Wert des Betriebsvermögens nicht über 235.000 Euro liegt.

Idee: Damit mehr Unternehmen von dieser Steuervergünstigung profitieren, sollte die Gewinngrenze für Einnahmen-Überschussrechner in den Jahren 2020 und 2021 auf 300.000 Euro erhöht werden. Bei bilanzierenden Unternehmern sollte der Wert des Betriebsvermögens in den Jahren 2020 und 2021 auf 705.000 Euro angehoben werden.

3. Investitionsabzugsbetrag II: Verlängerung der Investitionsfrist

Beim Investitionsabzugsbetrag gilt Folgendes: Wird nicht innerhalb der geplanten drei Jahre investiert, ändert das Finanzamt den Steuerbescheid des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde und fordert Steuern plus Zinsen nach.

Idee: Doch fällt das dritte Jahr auf die Jahre 2020 und 2021 und Unternehmer haben wegen der Corona-Krise kein Geld für Investitionen, sollte der Investitionszeitraum ausnahmsweise auf fünf Jahre verlängert werden. Erst wenn nach Ablauf dieses 5-jährigen Zeitraums keine Investition erfolgt, darf das Finanzamt die Steuerbescheide des Abzugsjahrs ändern.

4. Anhebung der Grenzen zur Ist-Versteuerung

Bei der Umsatzsteuer gibt es eine Grundregel: Die Umsatzsteuer ist ans Finanzamt abzuführen, sobald eine Leistung von einem Handwerker an den Kunden erbracht ist (sog. Sollversteuerung). Das Problem: Die Umsatzsteuer muss vorfinanziert werden. Und gerade in der Corona-Krise weiß niemand, wie lange es dauert, bis der Kund die Rechnung begleichen kann. Ausweg: Bei Vorjahrsumsätzen von maximal 600.000 Euro darf der Unternehmer die Ist-Versteuerung beantragen. Dann muss die Umsatzsteuer erst ans Finanzamt abgeführt werden, wenn der Kunde seine Rechnung beglichen hat.

Idee: Die Höchstgrenze sollte rückwirkend auf 2 Mio. Euro angehoben werden. Das bedeutet: Lag der Umsatz 2019 nicht über 2 Mio. Euro, kann ein Unternehmer die Ist-Versteuerung beantragen. Die Anhebung des Höchstbetrags könnte zeitlich auf die Jahre 2019 bis 2021 beschränkt werden.

5. Sofortige Abschaffung des Solidaritätszuschlags für alle

Es ist ja längst beschlossene Sache. Der Solidaritätszuschlag soll ab 1. Januar 2021 wegfallen, jedoch nur für 90 Prozent aller Steuerzahler. Gutverdiener, Kapitalanleger und Kapitalgesellschaften sollen weiterhin die Zusatzabgabe von 5 Prozent der festgesetzten Steuerschuld bezahlen.

Idee: In der Corona-Krise sollte darüber nachgedacht werden, den Solidaritätszuschlag schon ab 1. Juli 2020 abzuschaffen und wirklich für alle Steuerzahler. Der Staat hat zur Bekämpfung der Corona-Krise beinahe eine Billion Euro in die Hand genommen, da sollte die sofortige Abschaffung des Solidaritätszuschlags kein Problem darstellen.

6. Besteuerung von Personengesellschaften

Eine interessante Reformidee könnte auch sein, dass für die Jahre 2020 und 2021 Personengesellschaften das Wahlrecht bekommen, ob sie sich wie eine Kapitalgesellschaft besteuern lassen möchten. Dadurch wird bei den Gesellschaftern nicht mehr der Spitzensteuersatz zwischen 42 Prozent und 45 Prozent fällig, sondern der Gewinn unterliegt der 15-prozentigen Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer.

Diese interessante Reformidee gibt es in Amerika schon seit Jahrzehnten. Dort ist es unter dem Begriff "Check the box" bekannt.

7. Aussetzung der Nachversteuerung

Nach § 34a Abs. 1 EStG haben bilanzierende Einzelunternehmer oder Personengesellschaften die Möglichkeit, einen fixen Steuersatz von 28,25 Prozent für ihren nicht entnommenen Gewinn zu beantragen. Besser als der Spitzensteuersatz zwischen 42 und 45 Prozent. Doch werden diese Gewinne später dann doch entnommen, droht eine teure Nachversteuerung von zusätzlich 25 Prozent.

Idee: Wegen der Corona-Krise soll die Nachversteuerung ausnahmsweise ausgesetzt werden. Hier könnte bei Entnahmen von begünstigten Gewinnen in den Jahren 2020 und 2021 von der Nachversteuerung abgesehen werden, wenn die Gewinne dem Unternehmen per Einlage in den Jahren 2022 und 2023 wieder zugeführt werden.

Weitere Reformideen wegen Corona in Kurzform

8. Kurzarbeitergeld: Das Kurzarbeitergeld kann dazu führen, dass Arbeitnehmer für 2020 Steuernachzahlungen leisten müssen. Es sollte darüber nachgedacht werden, das Kurzarbeitergeld zumindest in den Jahren 2020 und 2021 nicht mehr indirekt über den Progressionsvorbehalt zu besteuern.

9. Handwerkerbonus: Um die Auftragsbücher im Handwerk zu füllen, sollte die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen nach § 35a Abs. 3 EStG 20 Prozent, maximal jedoch 4.000 Euro pro Jahr betragen (bisher Maximalbetrag 1.200 Euro).

10. Grundfreibetrag: Um Steuerzahler generell zu entlasten könnte auch der Grundfreibetrag 2020 und 2021 erhöht werden. Der Grundfreibetrag, bis zu dem für ein zu versteuerndes Einkommen keine Steuern anfallen, beträgt derzeit 9.408 Euro/18.816 Euro (ledig/Zusammenveranlagung). Eine rückwirkende Anhebung für 2020 würde für mehr finanzielle Liquidität bei allen Steuerzahlern sorgen.

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