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Qualität und Zukunftsperspektive gefragt Zertifizierte Betriebe haben bessere Chancen bei Azubis

Arbeitgeber mit Employer Branding-Siegel haben einen klaren Vorteil auf dem Ausbildungsmarkt. Dies zeigt eine Umfrage unter 159 Jugendlichen. Wie Arbeitgeber Lehrlinge noch besser von sich überzeugen können.

Welchen Einfluss haben Auszeichnungen und Siegel auf die Wahl des Ausbildungsbetriebs? Laut einer bundesweiten Umfrage, von meinestadt.de und der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen haben Unternehmen mit einer Zertifizierung klare Vorteile. Die Umfrage gibt Einblick, wie Arbeitgeber Auszubildende mithilfe einheitlicher Qualitätsmaßstäbe noch besser von sich überzeugen können.

Siegel steigert Interesse bei den Jugendlichen

Bei der Umfrage wurde jugendlichen Ausbildungssuchenden per Zufallsprinzip eine Stellenanzeige gezeigt – mit und ohne Siegel. Während die Anzeige mit Zertifizierungssiegel bei den Befragten auf erhöhtes Interesse stieß, war das Interesse bei der Anzeige ohne Siegel signifikant geringer.

Noch relevanter fallen die Ergebnisse in Bezug auf die Bereitschaft aus, sich bei einem Betrieb zu bewerben. 56 Prozent der Teilnehmer, die eine Anzeige mit Siegel sahen, konnten sich eine Bewerbung vorstellen. Dies ist eine um 16 Prozent höhere Bereitschaft als bei den Ausbildungssuchenden, die eine Anzeige ohne Siegel gesehen hatten.

Besonders wichtig war das Siegel zudem für Jugendliche, die sich in zwei und mehr Monaten bewerben wollten. Jobsuchende reagieren somit nicht nur kurz- sondern auch mittelfristig positiv auf Zertifizierungssiegel.

Höheres Ansehen durch Zertifizierung

Eine weitere Erkenntnis aus der Umfrage: Bewerber haben (insgesamt) höhere Erwartungen an einen Arbeitgeber mit Zertifizierungssiegel. 62 Prozent der Befragten gingen bei der Stellenanzeige mit Siegel davon aus, dass sie bei diesem Arbeitgeber eine angenehme Arbeitsatmosphäre erwartet. Bei Befragten, die eine Stellenanzeige ohne Siegel sahen, waren es nur 54 Prozent.

Eine Zukunftsperspektive im Unternehmen erwartetet in der ersten Gruppe (mit Siegel) über ein Drittel (34 Prozent), in der Zweiten (ohne Siegel) war es nur knapp ein Viertel (24 Prozent). Diesen Zahlen zufolge haben Zertifizierungssiegel nicht nur einen Einfluss auf die Bewerbung, sondern auch auf das Ansehen eines Unternehmens.

Employer Branding immer wichtiger

Der Wettbewerb um Auszubildende auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird zunehmend härter. Allein 2015 blieben 37.100 Stellen unbesetzt – laut Bundesministerium für Bildung und Forschung ein neuer Höchstwert im langjährigen Vergleich. Vor allem Handwerksbetriebe müssen verstärkt um ihren Nachwuchs werben. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Angaben mitteilt, traten 2015 0,2 Prozent weniger Lehrlinge als 2014 eine handwerkliche Ausbildung an.

Ausbildungszahlen im Handwerk 2015

Deutschlandweit entschlossen sich 2015 137.054 Jugendliche dafür, einen Handwerksberuf zu erlernen, davon 104.695 Männer und 32.359 Frauen, so die vorläufigen Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes. Insgesamt absolvieren in Deutschland aktuell 361.614 Jugendliche eine handwerkliche Ausbildung – 284.452 Männer und 77.162 Frauen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Auf einem umkämpften Markt wird es immer wichtiger, wie sich Unternehmen als Marke präsentieren und in den Dialog mit potenziellen Auszubildenden treten. Zertifizierungssiegel bieten eine Möglichkeit, positiv wahrgenommen zu werden, so das Fazit der Experten. Unternehmen profitieren wesentlich davon, sich als Ausbildungsbetrieb zertifizieren zu lassen. Die Empfehlung der Wissenschaftler lautet daher: Betriebe sollten ein Siegel im Sinne eines effektiven Employer Branding kontinuierlich und deutlich wahrnehmbar kommunizieren. Bestenfalls wird es in der gesamten Kommunikation aufgegriffen, mindestens aber in der Stellenanzeige. Zudem sollte das Siegel auf einem gut gepflegten Profil in einer Stellenbörse oder auf dem eigenen Unternehmensauftritt erscheinen. dhz

Über die Studie

Anfang 2016 befragte meinestadt.de im Rahmen der Abschlussarbeit von Christopher Bombik an der Zeppelin Universität (in Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Arnd Florack, Universität Wien und MA Maximilian Lude, ZU - Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen) 159 Ausbildungssuchende hinsichtlich ihrer Ansprüche und Sorgen bzgl. der Ausbildungsplatzwahl sowie der Relevanz von Siegeln bei dieser.

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