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Inkasso-Umfrage Zahlungsmoral so gut wie nie

Die Inkasso-Umfrage des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) zeigt, dass Rechnungen genauso gut oder besser also vor sechs Monaten gezahlt werden. In welchen Branchen es trotzdem viele säumige Zahler gibt und worin die Gründe für die Schulden liegen.

Überschuldung
73 Prozent geben bei der Inkasso-Umfrage an, dass Privatkunden aufgrund von Überschuldung nicht zahlen. - ©

Gute Konjunktur und Rekordbeschäftigung bescheren der deutschen Wirtschaft zum Jahresauftakt eine robuste Zahlungsmoral von Unternehmen und Verbrauchern. In der Mitgliederumfrage des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) melden 90 Prozent der Inkasso­unternehmen, dass Rechnungen genauso gut oder besser als vor sechs Monaten gezahlt werden. Das ist laut Verband der beste Wert seit Beginn der Umfragen vor 20 Jahren. Die Unternehmensinsolvenzen sinken auf den niedrigsten Stand seit diesem Zeitraum. Der BDIU erwartet bis Ende 2016 maximal 22.500 Firmenpleiten.

Säumige Kunden auch im Handwerk

Dennoch haben manche Branchen säumige Zahler – besonders der Onlinehandel. Jeder zweite Rechtsdienstleister berichtet in der Inkasso-Umfrage, dass Kunden von On­line-Shops Rechnungen nicht wie vereinbart begleichen. Vor einem Jahr monierten das nur 37 Prozent. BDIU-Präsident Wolfgang Spitz erklärte, dass es vor allem in der Konsumbranche aktuell vermehrt Probleme beim Zahlungsverhalten der Kunden gibt.

47 Prozent der Inkassounternehmen melden, dass Kunden von Energieversorgungsunternehmen säumig sind. Probleme gibt es auch im Handwerk mit 37 Prozent sowie in der Dienstleistungsbranche allgemein mit 34 Prozent.

Hauptgrund ist Überschuldung

"Das Hauptproblem für Gläubiger bleibt auch im neuen Jahr das Thema Überschuldung", erklärt Marion Kremer, Vizepräsidentin des BDIU. 73 Prozent der Inkassounternehmen melden, dass Privatkunden deswegen nicht zahlen, 39 Prozent nennen Arbeitslosigkeit als Ursache. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sinkt trotzdem deutlich. Für 2015 geht der BDIU von etwa 80.000 Verfahren aus. Im Vorjahr waren es 86.298. 2016 wird deren Zahl weiter auf voraussichtlich 76.000 Verfahren fallen.

Dennoch gibt es immer noch einige Gefahren. So melden jetzt 57 Prozent der Inkassounternehmen, dass Privatschuldner ihre Zahlungen mit Absicht verzögern. Ein weiteres Alarmsignal: Mehr als jedes fünfte Inkassounternehmen geht davon aus, dass sich die Zahlungsmoral im Laufe des Jahres 2016 verschlechtern wird.

Kritik üben die Forderungsmanager am Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand. Laut 83 Prozent der Umfrageteilnehmer ist deren Rechnungstreue unverändert, 14 Prozent haben sogar eine weitere Verschlechterung beobachtet. Spitz berichtet, dass etwa jede zehnte Forderung der Städte und Gemeinden nicht zeitnah beglichen wird.

Betrugsproblem "Fake-Inkasso"

Immer häufiger wenden sich Betroffene an den BDIU, die von sogenanntem Fake-Inkasso betroffen sind: Sie haben einen gefälschten Inkassobrief oder eine E-Mail empfangen. "Sehr oft erhalten ältere Mitbürger solche Anschreiben", klagt Spitz.

Bei jedem vierten Inkassounternehmen haben sich laut der Umfrage schon einmal Verbraucher deswegen gemeldet. Spitz erklärt hierzu: "Bei vielen dieser Betrüger führt die Spur nach Südosteuropa. Wir brauchen dringend einen besseren Austausch der Behörden auch über die Landesgrenzen hinweg – um die Verbraucher in Deutschland und die seriösen Inkassounternehmen hierzulande vor solchen Betrugsversuchen zu schützen."

Jüngere Verbraucher zahlen schlechter als Erwachsene

In der Umfrage haben sich die Inkassounternehmen zum Zahlungsverhalten unterschiedlicher Altersgruppen geäußert. "Aktuell haben vor allem jüngere Verbraucher ein schlechteres Zahlungsverhalten", berichtet Marion Kremer. Oft liege das Problem bereits in der Familie begründet. Etwa jeder zehnte private Haushalt in Deutschland hat nachhaltige finanzielle Schwierigkeiten. 70 Prozent der Inkassounternehmen bestätigen: Junge Schuldner eifern einem schlechten Vorbild ihres Elternhauses nach.

Zwischen den Altersgruppen gibt es unterschiedliche Gründe für Schulden. Junge Schuldner zwischen 18 und 24 Jahren haben Verbindlichkeiten bei:

  • Telekommunikationsunternehmen (das bestätigten 90 Prozent in der Umfrage),
  • Onlinehändlern (83 Prozent) sowie
  • Fitnessstudios (59 Prozent).
Bei Schuldnern der mittleren Altersgruppe zwischen 25 und 59 Jahren sind es vor allem Verbindlichkeiten bei:
  • Banken und Finanzdienstleistern (81 Prozent),
  • Energieversorgern (65 Prozent) und
  • Telekommunikationsunternehmen (61 Prozent).

Schuldner der Gruppe 60 plus stehen dagegen mehrheitlich in der Kreide bei:

  • Banken (69 Prozent),
  • Vermietern (52 Prozent) und
  • Energieversorgern (52 Prozent).

Zudem bestätigen 47 Prozent, dass diese Altersgruppe offene Rechnungen für Ausgaben rund um Gesundheitsbelange hat.

Vorboten einer Altersarmut?

"Aktuell ist die Zahlungsmoral älterer Verbraucher noch vorbildlich", betont Spitz. Bezogen auf die nächsten fünf Jahre sind die Inkassounternehmen aber pessimistisch. 72 Prozent erwarten, dass dann ältere Schuldner ihre Rechnungen schlechter bezahlen werden als heute.

"Unsere Gesellschaft wird immer älter. Für einige werden die Renten wohl künftig nicht mehr ausreichen, sodass sie ihren gewohnten Lebensstandard nicht mehr halten können, und es ist zu befürchten, dass sich das auch auf das Zahlungsverhalten der über 60-Jäh­rigen negativ auswirken wird. Hier warten für unsere Gesellschaft neue Herausforderungen, die wir so in dieser Form noch nicht gekannt haben."

Alle Ergebnisse der Inkasso-Umfrage und ausführliche Analysen gibt es online. dhz

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