Politik + Wirtschaft -

Kommentar Wohnungsnotstand: Ein Baustein reicht nicht

In den Ballungsgebieten herrscht Wohnungsnotstand. Die Mittel für den sozialen Wohnungsbau hat der Bund bereits aufgestockt. Zudem will die Politik Sonderabschreibungen auf den Weg bringen. Doch es braucht noch mehr Maßnahmen.

Wohnungsbau
Es herrscht Wohnungsnotstand: Jedes Jahr müssten 40.000 neue Wohnungen entstehen, gebaut werden aber nicht mal 30.000. -

Erstaunlich ist, dass die Politik erst jetzt aufwacht. Seit Jahren wird hier zu wenig gebaut. Wohnungsnotstand in den Ballungsgebieten gibt es nicht erst seit der Flüchtlingskrise. Aber der andauernde Zustrom über die Grenze wird den Notstand verschärfen. Jedes Jahr müssten rund 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. Tatsächlich sind es aber nicht einmal 300.000. Das birgt sozialen Sprengstoff und hat die Politiker aufgeschreckt. Der Bund hat deshalb die Mittel für den sozialen Wohnungsbau aufgestockt. Und über eine befristete Sonderabschreibung soll nun der Mietwohnungsbau in Ballungsgebieten angekurbelt werden.

Großstädte sind beliebt

Seit mehreren Jahren ist ein Zuzug in Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München zu beobachten. Hier finden junge Leute Studienplätze, hier haben junge Familien Perspektiven. Wenn jetzt Hunderttausende Flüchtlinge dazukommen, erhöht das die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum umso mehr.

Deshalb soll es nun schnell gehen. Noch im Februar will die Politik die Sonderabschreibung zur Förderung des Mietwohnungsbaus auf den Weg bringen. Sie soll möglichst rückwirkend zum Jahresanfang in Kraft treten.

Anders als in der Nachwendezeit, in der durch Steuersparmodelle in den neuen Bundesländern viele langfristig unrentable Wohnprojekte entstanden, soll die Förderung jetzt nur in den besonders unter Druck stehenden Ballungsgebieten gelten. Diese Einschränkung erscheint angesichts des Leerstandes in manchen Regionen sinnvoll. Zu hinterfragen ist jedoch, ob die Förderung wie geplant auf drei Jahre begrenzt werden sollte.

Kleine Einheiten statt große Neubausiedlungen

Angesichts des knappen Baulandes ist die Gefahr groß, dass die neue Förderung vor allem die Kosten in die Höhe schnellen lässt. Deshalb ist es wichtig, dass Bauland schneller zur Verfügung gestellt wird. Zudem sollte die Anregung aus der Bauwirtschaft aufgegriffen werden, die Landesbauordnungen flexibler zu gestalten, um das Bauen in Serie zu erleichtern. Damit keine Missverständnisse entstehen: Es geht weniger um riesige Neubausiedlungen als um kleinere – flexibel nutzbare – Einheiten, die schnell hochgezogen sind.

Dazu gehört aber auch, dass alles überprüft wird, was das Bauen teurer und das Vermieten unattraktiver macht. Einige wenige Stichworte in diesem Zusammenhang sind: das Dickicht an Bauvorschriften, die strenge Mietpreisbremse, die Verlagerung der Maklerkosten. Es reicht eben nicht, nur auf neue finanzielle Anreize zu setzen.

Mehr zum Thema
Hautnah und Live dabei

Liveblog: Deutscher Handwerkstag 2016 in Münster

Reporter der Deutschen Handwerks Zeitung berichten vom 8. bis 9. Dezember via Liveblog vom Deutschen Handwerkstag in Münster. Von der Wahl des ZDH-Präsidenten bis zum ZDH-Forum mit Angela Merkel – Bei uns verpassen Sie keinen Programmpunkt.
Hier geht´s zum Liveblog.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2016 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen