Der Konjunkturboom in Deutschland bekommt die Folgen der Eurokrise nun auch zu spüren. Doch im Gegenteil zu den anderen Ländern ist hierzulande noch keine Rezession in Sicht. Das Wirtschaftswachstum hat sich lediglich abgeschwächt. Wirtschaftsminister Rösler ist zuversichtlich und mahnt, dass nun vor allem am Umbau der Energieversorgung gearbeitet werden müsse.
Die Deutschen kaufen weiterhin fleißig ein und die Exporte laufen noch immer einigermaßen gut. So haben Konsum und Außenbeitrag nach Ansicht des Statistischen Bundesamts auch dafür gesorgt, dass aus der deutschen Wirtschaft weiterhin positive Impulse kommen und hierzulande noch keine Rede ist von Rezession oder Krise. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich nach Angaben der Behörde im zweiten Quartal zwar etwas abgeschwächt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Wirtschaftsleistung aber trotzdem gestiegen.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei von April bis Juni preis-, saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent gestiegen, teilt das Statistische Bundesamt mit. Von Januar bis März hatte sich die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal noch um 0,5 Prozent erhöht. Trotzdem sieht aber auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler noch keinen Grund zur Sorge. "Die Entwicklung im zweiten Quartal liegt innerhalb unserer Erwartungen", sagte er zu den neuesten Zahlen.
Vor dem Hintergrund des schwierigeren europäischen und weltwirtschaftlichen Umfelds bleibe es jetzt wichtig, Wachstumsimpulse zu setzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, mahnte Rösler und verwiese sogleich auf eines seiner momentanen Kernanliegen: die Energiewende. "Wir müssen mit Hochdruck daran arbeiten, den Umbau der Energieversorgung möglichst marktkonform auszugestalten, um die Auswirkungen auf die Energiekosten zu begrenzen", sagte der Minister, der laut einem Zeitungsbeitrag vor kurzem erst angekündigt hatte sein berufliches Schicksal an das Gelingen der Energiewende zu knüpfen.
Damit zieht er mit seinem Kollegen Umweltminister Peter Altmaier gleich, der vor einer Zeit dasselbe angekündigt hat. Die Energiewende ist und bleibt also für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und die aktuelle Bundesregierung von zentraler Bedeutung.
Doch trotz der noch positiven Wirtschaftszahlen aus Deutschland, melden die europäischen Statistik Behörden einen nicht zu unterschätzenden Rückgang. Laut Eurostat geht die Wirtschaftsleistung der Europäischen Union infolge der Krise zurück. Sowohl in der EU als auch in der Eurozone schrumpfte das BIP im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging das BIP der EU zwischen April und Juni um 0,2 Prozent zurück, das der Eurozone schrumpfte sogar um 0,4 Prozent. Damit steht Europa schlechter da als andere Schwergewichte der Weltwirtschaft. Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent, in Japan legte das BIP um 0,3 Prozent zu.
Ähnliches meldet auch der Konjunkturindikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Er hat sich im August weiter verschlechtert. Doch das ZEW sieht nicht nur schrumpfende Zahlen für den Euroraum, sondern auch eine negative Entwicklung für Deutschland voraus. So fiel der Wert für die Konjunkturerwartungen in Deutschland um 5,9 Punkte auf minus 25,5. Dabei handele es sich um den niedrigsten Wert des Indikators in diesem Jahr. Zuletzt war der Indikator im April gestiegen. Im Mai brach er dann infolge der Eurokrise ein. Seitdem hatte sich der Wert kontinuierlich verschlechtert. jtw/dapd
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