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Finanzierung Wie Sie mit der Crowd zu Geld kommen

Wer Geld für den Betrieb braucht, muss nicht unbedingt zur Bank gehen. Neue Crowd-Portale bieten sich auch fürs Handwerk an. Einfacher wird’s dadurch aber nicht unbedingt.

Crowdfunding, zu Deutsch: Schwarmfinanzierung, wird auch in Deutschland immer beliebter. Anfang 2014 etablierten sich erste Portale, die sich zunächst mit künstlerischen Projekten oder Internet-Start­ups befassten. Inzwischen kommen immer mehr Portale auf den Markt, darunter auch solche, die sich an klassische, mittelständische und kleine Unternehmen richten. Insgesamt erhielten Unternehmen und Projekte im vergangenen Jahr rund 60 Millionen Euro über die Crowd.

Denkbar für alle Investitionen

Und das ist gut, findet nicht nur der Berliner Unternehmensberater Steffen Doberstein. Denn das Prinzip ist überzeugend: Unternehmen, die Geld benötigen, wenden sich nicht an eine Bank oder eine klassische Investmentgesellschaft, sondern sammeln das Geld von vielen Kleinanlegern ein. Grundsätzlich ist dies für alle Investitionen denkbar, angefangen bei Gründungen über Anschaffungen bis hin zu Firmenübergaben.

Allerdings muss man bei Crowdfunding Überzeugungsarbeit leisten. Wem es gelingt, sein Projekt auf einem Portal gut zu präsentieren, der kann Gleichgesinnte zu Mitstreitern machen. Gerade im Handwerk ein entscheidender Aspekt, wie auch Knut Haake, Geschäftsführer der Deutschen Mikroinvest, weiß. Die Deutsche Mikroinvest gehört zu den Portalen, die speziell das Handwerk ansprechen, weitere sind Bankless 24 oder speziell für (kreative) Gründer Seedmach oder Visionbakery.

Die Vorteile: Andere Handwerker beispielsweise kennen die Eigenarten der Branche genauer als Banker, können Risiken einschätzen und sind vielleicht eher bereit, innovative ­Ideen zu finanzieren. Auch Kunden lassen sich auf diese Weise beteiligen.

Das Alles-oder-Nichts-Prinzip

Wer allerdings glaubt, dass Crowdfinanzierungen einfacher sind als Bankfinanzierungen, der irrt. Denn um Investoren zu finden, sind jede Menge Vorarbeiten nötig. Eine ausführliche Darstellung des Projektes auf dem Portal selbst ist nur das eine. Je mehr Geld jemand benötigt, umso mehr Engagement ist notwendig. Haake empfiehlt Flyer zu drucken, Videos zu drehen und vieles mehr. Denn auf fast allen Portalen gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Konkret: Für jedes Projekt gibt es eine sogenannte Fundingschwelle, also eine Summe, die mindestens zusammenkommen muss, damit das Geld überhaupt ausgezahlt werden kann. Gelingt die Überzeugungsarbeit nicht, scheitert das Projekt, ein Schicksal, das derzeit etwa jede zweite Kampagne erleidet.

Dabei für Neueinsteiger verwirrend: Der Begriff Crowdfunding wird in der Branche eigentlich doppelt verwendet. Zum einen als Oberbegriff für Schwarmfinanzierungen allgemein. Zum anderen aber auch für eine spezielle Form der Crowdfinanzierung, von denen es insgesamt vier gibt. Von Crowdfunding im engeren Sinne spricht man, wenn das investierte Geld nicht zurückfließt, sondern der Investor stattdessen Produkte oder Dienstleistungen erhält.

Crowd ist nicht gleich Crowd

Wie das funktioniert, erlebte Janin Heiden-Eckhold, Inhaberin der Genusswerkstatt in Düsseldorf. Bevor sie ihren Laden im Dezember 2013 eröffnete, sammelte sie für die Ausstattung der Backstube 5.600 Euro ein. Als Dankeschön bekamen die Unterstützer Backwaren, Gutscheine oder einen Backkurs.

Wer dagegen größere Summen braucht, bei dem geht es um Crowd­investing. Bei dieser Form der Finanzierung erwerben die Investoren regelrechte Beteiligungen. Anfangs legte die Form in Deutschland am meisten zu, erläutert René Klein vom Gründerportal fuer-gruender.de. 2014 ging das Interesse zwar leicht zurück, dennoch wurden noch 14,7 Milionen Euro investiert. Für-Gründer.de sieht für beide Alternativen weiterhin Wachstumspotential.

Betriebe erhöhen Liquidität und Kreditwürdigkeit

Crowdfinanzierung ist zwar teurer als der normale Bankkredit, so Knut Haake. Dennoch kann sie sich für das Unternehmen rechnen und das vor allem aus zwei Gründen: Das gesammelte Geld, insbesondere beim Crowdinvesting, kann in der Regel dem Eigenkapital zugerechnet werden, sprich: Mit einem gelungenen Crowdprojekt erhöhen Betriebe nicht nur die Liquidität, sondern auch die weitere Kreditwürdigkeit. Mehr als einmal, berichtet Haake, habe er erlebt, dass nach einer gelungenen Kampagne auch die Banken wieder zur Kooperation bereit waren, die vorher eine Finanzierung abgelehnt hatten.

Vielleicht noch wichtiger: Wer über einen Schwarm finanziert, bekommt in der Regel nicht nur Kapital, sondern oft auch neue Kunden, denn die Marketingaktivitäten, die Geldgeber anlocken sollen, erhöhen letztlich insgesamt die Aufmerksamkeit.

Um Geldgeber zu finden, verteilte die Genusswerkstatt Backwaren in der Nachbarschaft, besuchte ansässige Firmen und postet jeden Fortschritt über Facebook und Social Media. Das rief die Regionalpresse auf den Plan, die einen großen Artikel brachte. Heute kann sich Inhaberin Eckhold vor Anfragen kaum retten. "Es war viel Arbeit und wir haben lange gezittert", so ihr Resümee, "aber es hat sich absolut gelohnt."

Vier Formen der Crowdfinanzierung

Von Eigenleistung bis Eigenkapital – Crowdfinanzierung ist nicht gleich Crowdfinanzierung. Je nach Art des Rückflusses an die Geldgeber unterscheidet man vier Formen.

Crowd Donation
Bei dieser einfachsten Form der Schwarmfinanzierung erhalten die Geldgeber kein Geld zurück. Faktisch spenden sie also. Eingesetzt wird diese Form vor allem im sozialen Bereich.

Reward based Crowdfunding
Beim Crowdfunding im eigentlichen Wortsinn erhalten die Investoren ebenfalls kein Geld zurück, sondern ein Produkt oder eine Gegenleistung. Diese Form der Schwarmfinanzierung wird daher mitunter auch als kreativer Vorverkauf bezeichnet. Nach Meinung von Experten gut auch fürs Handwerk geeignet.

Crowdlending
Diese Form, bei der es eigentlich um klassische Kredite geht, gibt es schon länger. Bekannte Portale (wie Smava, auxmoney etc.) richten sich aber überwiegend an Privatpersonen. Mit dem Aufstieg der Funding- und Investingplattformen kommen nun auch Lending-Anbieter auf den Markt, die speziell Unternehmen ansprechen, beispielsweise Funding Circle oder Finmar. Investoren erhalten während einer festgelegten Laufzeit feste monatliche Zins- und Tilgungsraten zurück. Fürs Handwerk geeignet.

Crowdinvesting
Bei dieser Form werden die Unterstützer am Unternehmenserfolg beteiligt, erhalten aber meist kein Stimmrecht. Während der Laufzeit und nach Kündigung des grundsätzlich unbefristeten Beteiligungsvertrages erhalten sie Geld zurück, wobei sich die Höhe nach dem unternehmerischen Erfolg bemisst. Fürs Handwerk nur bedingt, sprich für größere Betriebe, geeignet. Das eingesammelte Geld wird üblicherweise dem Eigenkapital zugerechnet.

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