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Marketing aktuell: Markenbildung Wer bin ich? So bauen Sie die eigene Marke auf

Der Aufbau einer persönlichen "Ich"-Marke kann auch den Handwerksbetrieb weiterbringen. Mit Superlativen sollten Sie allerdings vorsichtig sein.

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Auch das äußere Erscheinungsbild trägt zur Bildung der Marke "Ich" bei. - ©

Es ist wie bei der Werbung. Es gibt marktschreierische, niveaulose Werbung mit Superlativen, die mit Lautstärke und nicht mit Argumenten Gehör verschaffen will. Es gibt aber auch jene Art von Werbung, die mit Stil, mit guten Argumenten, mit Sympathie oder mit Humor und Originalität ehrlich und glaubwürdig kommuniziert und vorgeht.

Von dieser Art soll auch die Bildung Ihrer "Ich"-Marke sein - und sie soll vor allem auch ehrlich und authentisch auf Ihre Persönlichkeit zugeschnitten sein. Das empfiehlt Marco De Micheli, der Autor des Buches "Leitfaden für Mitarbeitergespräche".

Laut de Micheli darf die Marke "Ich" keinen Blender und Angeber aus Ihnen machen, sondern sollte helfen, mit Ihren Stärken und positiven Seiten bei Ihnen wichtigen Menschen den die Eindrücke zu hinterlassen, die Sie sich wünschen und die ein Teil Ihrer Persönlichkeit sind. Damit Self Branding im Berufs- und Privatalltag wirkt, setzt es ein starkes Interesse voraus, sich mit der eigenen Person und seinen Zielen und Intentionen positiv, ehrlich und ganzheitlich auseinanderzusetzen.

De Micheli nennt neun wesentliche Bausteine zur Markenbildung:

Wer bin ich - Eigenanalyse

Wer seine Besonderheiten, seine Stärken und Schwächen und seine Eigenheiten kennt, hat den ersten Schritt zur "Marke Ich" getan. Das Ziel ist nicht, zum Sprücheklopfer zu werden, sondern den individuellen Wert und die typische Besonderheit der eigenen Persönlichkeit vorteilhaft zeigen und einsetzen zu können. Bei der Ausarbeitung Ihrer Markenidentität stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wer bin ich? Welche Werte und Prinzipien will ich leben? Welche Leidenschaften habe ich? Welche Lebensziele will ich verfolgen? Wie steht es um die Balance von Beruf und Privatleben? Welche Lebensbereiche sind mir wichtig? Wie möchte ich auf andere wirken und welchen Eindruck möchte ich hinterlassen? Wie kann ich authentisch wirken und mich so geben wie ich bin? Welche meiner Stärken und positiven Seiten kann ich in den Vordergrund rücken und sollen von anderen erkannt und geschätzt werden?

Persönliche Stärken einsetzen

Setzen Sie jene Stärken ein, die Ihre größten und ausgeprägtesten sind, die sehr gut Ihre Persönlichkeit widerspiegeln und bei Ihren Zielgruppen (Partner, Berufskollegen, Freunde, Außenstehende, Chefs, mehr dazu nachfolgend) besonders gut ankommen und das bewirken, was Ihnen wichtig ist oder was Sie erreichen möchten. Es gibt Menschen, die ein sehr charismatisches Lächeln haben, die besonderes humorvoll unterhalten können oder sich durch interessantes Wissen oder abenteuerliche Geschichten auszeichnen oder vertrauensvolle und sehr gute Zuhörer sind. Persönliche Stärken können Fach- oder Sozialkompetenzen und beruflicher oder privater Art sein. Diese Stärken sollten Sie kennen und verstärken und wissen, wo Sie sie wie einsetzen.

Positionieren Sie sich klar

Als Positionierung bezeichnet man im Marketing das gezielte, systematische Erarbeiten und Herausstellen von Stärken und Qualitäten, wodurch und womit sich ein Produkt in der Einschätzung der Zielgruppe auszeichnet und vom Wettbewerb unterscheidet. Bei einem gut positionierten Produkt ist immer klar, was es auszeichnet und für wen es gedacht ist. Bei Produkten weiß man, dass die Verpackung eine große Rolle spielt - ob im Regal oder in der Attraktivität des Designs. Bei Ihnen als Person ist dies das Äußere, sprich Design, welches die Kleidung, den Haarschnitt, den Modestil, die Gepflegtheit, den Auftritt bis hin zur Rolle bei gesellschaftlichen Anlässen oder geschäftlichen Präsentationen betrifft. Aber auch die Kommunikation und das Verhalten und Handeln sind davon betroffen. Menschen möchten wissen, woran sie mit Ihnen sind und für welche Werte sie stehen.

Klare Wiedererkennungsmerkmale mit Anker setzen

Marken machen dies oft mit Schriftzügen, Farben, Songs, Claims oder Bildmotiven. Apple hat den Apfel, Nivea den Schriftzug und das Blau und Mercedes den Stern. Das sind Wiedererkennungsmerkmale, mit denen man sich aus der Masse abhebt, sich Profil und Charakter gibt und damit sofort erkannt und in Verbindung mit bestimmten Werten gebracht wird. Dies kann ein äusserliches Merkmal sein (immer eine Fliege statt eine Krawatte tragend), ein Kommunikationsmerkmal (als spannender Erzähler bekannt und beliebt sein) oder ein Charakterzug (ein besonders sympathischer trockener Humor). Klare und sich im Gedächtnis anderer einprägende Wiedererkennungsmerkmale setzt man mit sogenannten Ankern. Solche Anker sollten für Ihre Persönlichkeit typisch sein und bei anderen Assoziationen wecken und Gefühle auslösen, die Ihnen wichtig sind.

Richten Sie sich auf Ihre "Zielgruppen" aus

Produkte haben Zielgruppen, die sich nach Alter, Ansprüchen, Verwendungszwecken, Kaufkraft, Geschlechtern und mehr unterscheiden - und die auch unterschiedlich angesprochen werden. Auch Sie haben Ihre "Zielgruppen", seien es Lebenspartner, Kinder, Berufskollegen, Freunde, Verwandte, Außenstehende, Vereinskollegen, Vorgesetzte und mehr. Das heißt nicht, dass Sie sich verstellen und Rollen spielen müssen, sondern Ihre Stärken und Besonderheiten dort einsetzen, wo sie Ihre Persönlichkeit stärkt und unterstreicht. Die Unterscheidung von beruflichen und privaten Zielgruppen ist natürlich besonders wichtig. Vor allem als Führungskraft sollte man das eigene Führungsverhalten immer wieder auf das "Markenprofil" hin überdenken, reflektieren und optimieren. Hier ist vor allem auch die Übereinstimmung von Fremd- und Selbstbild von Bedeutung.

Mit USP positives Markenprofil erarbeiten

Produkte haben oft einen USP, also einen Unique Selling Proposition - etwas Einzigartiges, das in dieser besonderen Weise nur dieses eine Produkt hat und ihm ein Profil der Unverwechselbarkeit verleiht. Diesen USP finden Sie in der Eigenanalyse, aber auch mit Fragen an Freunde und Ihren Lebenspartner oder eigenen Beobachtungen, mit welchem Verhalten Sie Sympathie gewinnen. Umso positiver, relevanter und wirksamer ein USP ist, desto besser. Erfolgreiche Produkte sind auch mit starken positiven Attributen besetzt, die Strahlkraft haben und Vertrauen bewirken. Das gilt auch für Ihre Persönlichkeit: Wenn Zuverlässigkeit, Humor, Hilfsbereitschaft und eine positive Grundhaltung Sie kennzeichnen, sollten sie dieses Image pflegen und sich systematisch so profilieren. Dies ist in der Kommunikation, bei Facebook und Xing, im Berufsleben, bei Meetings und privaten Anlässen und vielerorts mehr möglich.

Sprache und Kommunikation

Unternehmen, die mit ihren Kunden besonders überzeugend und authentisch kommunizieren, sind in ihrem Branding oft sehr erfolgreich. Sprache und Kommunikation sind auch für Sie wichtig. Worüber sprechen Sie gerne, wie glaubwürdig und authentisch erzählen Sie über sich, wie drücken Sie Ihre Gefühle aus, wie gepflegt oder für Sie typisch ist ihre Sprache und Wortwahl und vieles mehr macht Kommunikation aus. Die Fähigkeit, sich in die Lage anderer versetzen zu können (Empathie), positives Feedback, aktives Zuhören, aufrichtiges Interesse und Eingehen auf das Gegenüber und vieles mehr macht die Qualität der Kommunikation aus. Eine Marke ist umso attraktiver und nachhaltiger, je stärker die Emotionen sind - und dies erreichen Sie mit Kommunikation und dem Setzen emotionaler Akzente Ihrer Persönlichkeit, des Markenkerns.

Stärken Sie auch die Marken anderer

Respektieren und loben Sie andere: Starke Brands haben Ausstrahlung und nachhaltige Sympathiewirkungen. Seit Facebook kann man dies sogar mit Klicks auf Buttons bekunden und messen... Mercedes als Beispiel hat den Stern als Symbol für Qualität oder auf die Farbe Gelb hat die Post beinahe das Monopol. Legen auch Sie sich einen Stern zu - den der Sympathie und des Vertrauens. Einer der wirksamsten ist, andere Menschen zu respektieren, sich für sie zu interessieren und sie zu wertschätzen. Vor allem mit Lob (Talente und Leistungen von Mitarbeitern würdigen) und Wertschätzung auch im Privatleben (sich auch für Selbstverständliches ab und zu bedanken und dies würdigen) kann man mit wenig sehr viel bewirken.

Selbstmarketing ist harte Arbeit

Am Anfang kostet es Überwindung, aber auf lange Sicht lohnt es sich, an der eigenen positiven Reputation zu arbeiten, um sich positiv bemerkbar zu machen und wichtig Ziele einfacher und schneller zu erreichen. Dabei darf man andere manchmal durchaus um Feedback bitten oder deren Verhalten beobachten. Die Frage ist letzten Endes: Will ich mein Leben aktiv gestalten oder will ich es gestalten lassen und unbemerkt im Hintergrund bleiben? Letztlich geht es im Kern auf einen Nenner gebracht darum, zu überprüfen, wie andere einen sehen und wie man gesehen werden will und dann darauf Einfluss zu nehmen und zu handeln. dhz

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