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Weniger Bürokratie, mehr vom Steuerkuchen Nachgefragt: Was Handwerker von der Bundespolitik erwarten

Im September entscheidet sich, wie es in der Bundespolitik weitergeht. Welche Hoffnungen hegt das Handwerk? Zwei Betriebsbesuche im ländlichen Raum.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Bundestagswahl 2017

Im Kfz-Meisterbetrieb von Albrecht Müller in Eckental herrscht hektische Betriebsamkeit. Die fünf Mit­arbeiter in der Werkstatt haben alle Hände voll zu tun. Am liebsten würde der Chef selbst mit anpacken, aber dafür bleibt ihm immer weniger Zeit.

So wie in dem mittelfränkischen Betrieb läuft es in vielen deutschen Handwerksunternehmen. Die gute Konjunktur sorgt für volle Auftragsbücher. In der Nation der Sparer sitzt der Geldbeutel locker. Das Handwerk profitiert von der Konsumlaune im Zinstief.

Bundestagswahl 2017

Aber der Wohlstand ist ungleich verteilt. Während der Zukunftsatlas der Wirtschaftsforscher von Prognos Regionen wie Erlangen beste Aussichten prophezeit, bescheinigt er dem Altenburger Land hohe Risiken. Was erwarten Handwerker in reichen und ärmeren Landkreisen von der künftigen Bundesregierung?

Nachdem Albrecht Müller 1995 seinen Betrieb 20 Kilometer östlich von Erlangen gegründet hatte, stand der gelernte Landmaschinenmechaniker noch 80 Prozent seiner Zeit in der Werkstatt. Heute sitzt er fast nur noch im Büro. "Viele Vorschriften werden von Leuten erarbeitet, denen der Bezug zur Praxis fehlt. Der Abbau von Bürokratie sollte ein wichtiges Ziel der neuen Regierung sein", hofft Müller, der für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt.

Kommunen fehlt Geld für Investitionen

Mit den Auswüchsen der Bürokratie kämpft auch Elektromeister Falko Schmidt in Meuselwitz, Altenburger Land, im nordöstlichsten Zipfel Thüringens gelegen. Die Region belegt im Landkreis-Ranking 2017 der Zeitschrift Focus Money den vorletzten Platz. Während im Landkreis Er­langen-Höchstadt mit Unternehmen wie Schaeffler, Adidas, Puma oder Schwan-Stabilo Vollbeschäftigung herrscht, verzeichnet das Altenburger Land eine Arbeitslosenquote von 8,3 Prozent und mit 49,8 Jahren bundesweit den höchsten Altersdurchschnitt.

"Ohne Fördermittel kann die Kommune praktisch nichts investieren. Was dazu führt, dass bei öffent­lichen Aufträgen immer nachverhandelt wird", erklärt Falko Schmidt. Verschwendete Zeit, meint der 33-Jährige. Besser wäre es, wenn der Staat vom derzeit hohen Steuereinkommen etwas denen zurückgibt, die es erwirtschaftet haben, und auch die Städte und Gemeinden finanziell besser ausstattet.

Jammern möchte Falko Schmidt aber nicht, denn sein Betrieb bietet mehr als nur Elektroarbeiten. Das verdankt er vor allem seinem Vater, von dem er das Geschäft Anfang des Jahres übernommen hat. Firmengründer Werner Schmidt baute in den 1920er-Jahren den Tiefbau als zweites Standbein für seine junge Firma auf. Zwei Jahre Abendschule investierte der Elektromeister in die Ausbildung zum Straßenbauer. Dafür konnte er bei lukrativen Auf­trägen wie der Installation und Wartung der Straßenbeleuchtung für ganz Meuselwitz die Schachtarbeiten gleich mit anbieten.

Ich AGs erzeugen Personalabbau

Elektro Schmidt in Meuselwitz

Welche Folgen bundespolitische Entscheidungen für das Handwerk haben, musste Werner Schmidt nach der Jahrtausendwende erleben. "Die Ich AGs haben uns das Wasser abgegraben", erinnert er an die Agenda 2010 unter SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die meisten seiner bis zu zehn Mitarbeiter konnte er durch die bezuschusste Billigkonkurrenz nicht mehr halten. Nachfolger Falko Schmidt rechnet mit einer Fortsetzung der Großen Koalition und rüstet seinen Betrieb für die Zukunft. Er investiert in moderne Prüftechnik und hat kürzlich wieder zwei neue Mitarbeiter eingestellt.

Personellen Zuwachs hat auch die Firma Auto Müller in Eckental bekommen. Seit Juni verstärkt Albrecht Müllers Sohn Matthias die Mannschaft. Als frischgebackener Kfz-Meister soll der 20-Jährige Anfang kommenden Jahres in die Geschäftsführung aufrücken. Mit der neuen Generation ziehen auch neue Ideen in das Unternehmen ein. Und neue Hoffnungen, was die zukünftige Bundespolitik betrifft.

Schneller Breitbandausbau wichtig

"Wir brauchen mehr Anreize bei der Digitalisierung. In Bayern gibt es zwar den Digitalbonus, aber auf Bundesebene fehlt eine vergleichbare Förderung", sagt Matthias Müller. Er möchte das papierlose Büro so schnell wie möglich umsetzen. Dafür bedarf es aber einer schnellen Internetverbindung. "Wenn wir einen Schaltplan in pdf-Format öffnen, dauert das noch viel zu lange." Deshalb hofft er auf einen zügigen Breitbandausbau, gerade in den länd­lichen Regionen. In Eckental muss er nicht mehr lange warten. In einigen Straßen kann schon mit 50 Megabit pro Sekunde gesurft werden.

Mehr Sorgen machen sich die Müllers um das Bestreben der Automobilindustrie, ihre Daten nur noch den markengebundenen Autohäusern zur Verfügung zu stellen. "Dann müssten viele kleine Werkstätten aufgeben. Hier muss die Politik unbedingt gegensteuern, sonst ist der freie Wettbewerb in Gefahr", meinen Vater und Sohn unisono.

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