Messe A+A 2015 -

Vier Kriterien der Zuordnung Wann ist ein Arbeitsunfall ein Arbeitsunfall?

Unfälle bei der Arbeit sind nicht immer Arbeitsunfälle. Bei der Frage, wann es sich um einen anerkannten Arbeitsunfall handelt, helfen vier Kriterien, die den Unfall dem betrieblichen Bereich zuordnen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Messe A+A 2015
Wann ist ein Arbeitsunfall ein Arbeitsunfall
Unfälle müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um als Arbeitsunfall zu zählen. Fahrlässigkeit geht allerdings zu Lasten des Verunfallten. - ©

Anders als von vielen Betriebsleitern wahrgenommen, steht die Unfallversicherung auf ihrer Seite, wenn es um die Haftung bei Unfällen geht. Die Hauptfrage, die es in jedem Fall zu klären gilt: Ist der Unfall auf den betrieblichen Bereich zurückzuführen und ist das Ereignis der Hauptgrund für den Gesundheitsschaden?

Seine Kollegen schätzen Holger M. aus Ulm für seinen Umgang mit Werkzeugen, wenn es um Detailarbeit geht. Doch auch er muss gelegentlich den Mann fürs Grobe spielen. So an einem Montagmorgen, denn die Lieferung der 25 Kilogramm schweren Granulat-Säcke trifft ein. Mit seinen 57 Jahren ist er nicht mehr ganz so kräftig wie die Auszubildenden.

Als er die Last anhebt, fährt ihm ein Schmerz in den Rücken. Nach den Röntgenaufnahmen steht die Diagnose: Bandscheibenvorfall. Arbeitsunfähig für mindestens ein halbes Jahr. Als er zwei Wochen später auch noch erfährt, dass der Vorfall nicht als Arbeitsunfall anerkannt wird, versteht er die Welt nicht mehr. Schließlich war es doch ein Unfall bei seiner Arbeit. Ein Arbeitsunfall eben.

Werkleiter Karsten Krause der Ascherslebener Firma LHB gibt hierzu einen Tipp: "Als Faustregel kann der Angestellte einen Unfall überprüfen, indem er sich eine Frage stellt: Hätte das heutige Ereignis einen gesunden Menschen genauso geschädigt wie mich?" Als Teil der mittelständischen BWK Dachzubehör-Gruppe mit Hauptsitz in Baden-Württemberg setzt er Arbeitsschutz-Richtlinien seit vielen Jahren konsequent durch. Wenn ein Handwerker die Frage klar mit "Ja" beantworten könne, sei es ein Arbeitsunfall. Denn ungeachtet des Vorschadens war der äußere Einfluss von betrieblicher Seite Grund des Unfalls.

"Bei vielen Arbeitnehmern stoßen solche Entscheidungen auf Unverständnis", weiß Fredi Lahr, Leiter des Bereichs Rehabilitation der Berufsgenossenschaft Holz und Metall. Doch etwa im Fall von Holger M. war vielmehr die körperliche Konstitution des Mannes als der Betrieb an sich Grund für das Unglück.

Hauptkriterien für einen Arbeitsunfall

Im Kern ersetzt die gesetzliche Unfallversicherung die eigentliche Haftpflichtversicherung und somit die Haftung des Unternehmers. Sie versucht herauszufinden, für was der Unternehmer haften würde. Deshalb müssen Unfälle bestimmte Kriterien erfüllen, um als Arbeitsunfall zu zählen:

  1. Die Handlung, die der Handwerker während dem Unfall ausführte, ist auf den betrieblichen Bereich zurückzuführen. Geht er zum Rauchen nach draußen und rutscht dort aus, ist dies kein Arbeitsunfall. Weder der Weg dorthin, noch die Handlung selbst hat mit seinem Job zu tun und sind dem Betrieb dienlich.
  2. Ein Arbeitsunfall ist ein zeitlich eng begrenztes Ereignis. Der Vorfall muss sich innerhalb einer Arbeitsschicht ereignen. "Langzeitschäden durch Dauerbelastung sind keine Arbeitsunfälle", verdeutlicht Lahr. Ebenso wenig wie eine Erkältung aufgrund von Minusgraden über mehrere Wochen verteilt.
  3. Nur wenn äußere Einwirkungen im Betrieb den Unfall auslösen, kann der Betrieb einwirken und haften.
  4. Der Unfall ereignet sich während der Arbeit oder dem Hin- und Rückweg von oder zur Arbeitsstätte. Passiert er auf dem direkten Weg, spricht der Fachmann von einem Wegeunfall. Das kann der Schnellste oder auch Kürzeste sein. Ebenso zählen Umleitungen, Stauumfahrungen dazu, Wegeabweichungen aufgrund von Fahrgemeinschaften oder zur Unterbringung von Kindern. Der Weg darf keiner anderen Motivation dienen als dem Arbeitsweg. Die Versicherung erlischt, sobald sich die Fahrzeugtüren beispielsweise für einen privaten Einkauf öffnen.

Tipps aus der Praxis

Sind diese Bedingungen erfüllt, sucht die Versicherung den Grund des Unfalls. Ihr erster Grundsatz lautet: Der Mensch ist so versichert, wie er ist. Kommt es zu einem weiteren Schaden, gilt es abzuwägen, was ausschlaggebend war. Ein eventueller Vorschaden oder der das aktuelle Ereignis an sich? Hier greift dann wieder Karsten Krauses Faustregel.

Um Arbeitsunfällen vorzubeugen, empfiehlt der Mann aus Sachsen-Anhalt Trainings über die Krankenkasse. Kurse zum Thema "wie bücke ich mich richtig und wie hebe ich richtig" bietet die Firma ihren Mitarbeitern seit Jahren als Präventionsmaßnahme.

Info

In etwa 3.400 Seminaren bilden sich jedes Jahr Unternehmer, Sicherheitsfachkräfte, Meisteranwärter, TSM-Ausbilder und Auszubildende rund ums Thema Arbeitssicherheit bei der BGHM weiter. Informationen zum aktuellen Seminarprogramm gibt es auf der Homepage bghm.de.

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Kommentare

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Hanok

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Also wenn ich jetzt Arzt we4re kf6nnte ich wahrscheinlich auch nicht genau vesrtehen, wie DAS PASSIERT ist.Wahrscheinlich ergibt die Auflf6sung, dass ein ehemaliger Kunde sich hier im Blog wiedergefunden hat und nun seine Wut auf spezielle und schmerzhafte Weise am Autor ausgelassen hat. Mein Beileid.