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Während der Ausbildung ins Ausland Tipps für Azubis, die ins Ausland gehen

Während der Ausbildung einen Auslandsaufenthalt zu machen, kann für den beruflichen Werdegang sehr hilfreich sein. Damit die Zeit in einem fremden Land erfolgreich wird, sollten einige Dinge beachtet werden.

Viele junge Menschen nutzen während des Studiums die Chance, einige Wochen oder Monate im Ausland zu verbringen. Doch warum sollten nur Studenten ins Ausland gehen? Auch Azubis können sich während der Lehre einige Zeit außerhalb Deutschlands aufhalten. Damit das Abenteuer klappt, ist im Vorfeld der Reise eine gute Planung wichtig.

Auslandsaufenthalt: Bundesministerium bietet Beratungsportal für Azubis 

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, ist die Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eine gute Anlaufstelle. Das BMBF unterstützt Azubis branchenübergreifend bei der Planung und Durchführung von Auslandsaufenthalten. Ziel ist es, den Weg für Auszubildende ins Ausland einfacher und besser planbar zu machen.

Ergänzt wird das Online-Angebot durch eine integrierte Beraterlandkarte, auf der Azubis deutschlandweit konkrete Ansprechpartner in ihrer Nähe finden. Telefonnummern und E-Mail-Adressen sind zur schnellen persönlichen Kontaktaufnahme hinterlegt. Damit die ersten Planungsschritte gelingen, haben wir hier schon einmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Auslandsaufenthalt: Wie finanziere ich die Reise?

Um die richtige Finanzierung zu finden, muss vorher geklärt sein, was der Aufenthalt insgesamt kostet. Zu den Kostenfaktoren gehören im Wesentlichen:

  • Reisekosten
  • Lebenshaltungskosten, zum Beispiel für Essen, Smartphone oder Alltagsgegenstände
  • Visumsgebühren, die beispielsweise für die USA, Kanada oder Australien nötig sind
  • Versicherungskosten, zum Beispiel für eine Kranken- und Unfallversicherung

Sind alle Kosten grob zusammengefasst, kann eine passende Finanzierung ausgewählt werden. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, dass der Azubi seinen Auslandsaufenthalt mit dem eigenen Lohn bezahlt. Denn während der Zeit im Ausland gilt die Ausbildung nicht als unterbrochen und das Gehalt wird weiter gezahlt.

Für Förderprogramm bewerben

Alternativ gibt es aber auch die Möglichkeit, sich für ein EU-Austauschprogramm wie "Erasmus+" zu bewerben. Das Förderprogramm unterstützt Aus- und Weiterbildungen im Ausland. Bei "Erasmus+" können sowohl Azubis als auch Absolventen bis zu zwölf Monate nach dem Abschluss teilnehmen. Das gilt auch für alle, die sich in einer Weiterbildung zum Meister befinden. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist für eine Bewerbung nicht nötig. Es gibt zwar keine offizielle Altersgrenze, aber ein Mindestalter von 18 Jahren wird empfohlen.

Ob man weitere Kriterien erfüllen muss, hängt von einzelnen Vorgaben beispielsweise der Berufsschule, Kammer oder des eigenen Betriebs ab. 2014 hat die EU das Budget für Azubis und Studenten, die ihre Ausbildung ganz oder in Teilen im Ausland absolvieren wollen, um 40 Prozent aufgestockt. Weitere Informationen gibt es bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung.

Ein Bäcker-Azubi im Ausland

Der junge Bäcker-Azubi Sandro aus Potsdam ist über "Erasmus+" nach Vicenza in Italien gereist. Über die Erfahrungen, die er dort gemacht hat, berichtet er in diesem Video.

Auslandsaufenthalt: Welche Versicherungen sind nötig?

Versicherungen sind enorm wichtig. Im Ernstfall erspart eine gute Versicherung dem Betroffenen viel Ärger und Geld. Diese Versicherungen sollten Azubis laut BMBF bei einem Aufenthalt im Ausland unbedingt haben:

  • Kranken- und Unfallversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Reiserücktrittsversicherung
  • Reiseabbruchversicherung
  • Gepäckversicherung
  • Versicherung für berufliche Weiterbildung von Fachkräften im Ausland

In manchen Fällen übernimmt auch der Bildungsträger die Versicherung im Ausland. Plant man also, sich für ein Förderprogramm zu bewerben, sollte man diesen Punkt unbedingt nachfragen.

Auslandsaufenthalt: Welche Sprachkenntnisse sind erforderlich?

Der Azubi sollte immer vorab klären, welche Sprachkenntnisse bei der Arbeitsstelle im Ausland vorausgesetzt werden. Eine kleine Vorbereitung oder Auffrischung der entsprechenden Sprache lohnt sich immer. Bereits ein einwöchiger Intensivkurs, beispielsweise bei einer Volkshochschule oder bei einem ausländischen Kulturinstitut, kann viel bewirken. Filme und Bücher in Originalsprache helfen ebenfalls beim Verbessern der fremden Sprache. Eine günstige Möglichkeit um Sprachen zu lernen oder zumindest vorhandene Kenntnisse aufzufrischen, sind Apps für das Smartphone.

Auslandsaufenthalt: Brauche ich einen Pass oder ein Visum?

Bei der Frage nach einem Pass oder Visum muss man zwischen EU- und Nicht-EU-Ländern unterscheiden. In Ländern der Europäischen Union, wie beispielsweise Frankreich, benötigt man nur einen gültigen Personalausweis. Für die USA, Australien oder Brasilien ist hingegen ein Visum Voraussetzung für die Einreise. Wer arbeiten will, braucht ein besonderes Visum, welches ihm das erlaubt. Das Visum erhält man in der Regel im Konsulat oder der Botschaft des betreffenden Landes. Staaten wie Australien stellen auch elektronische Visa aus. Das Auswärtige Amt bietet eine Übersicht aller Botschaften in Deutschland.

Auslandsaufenthalt: Ist eine Impfung nötig?

Ob für das Reiseland Schutzimpfungen nötig sind, weiß der Hausarzt am besten. Geht die Reise in tropische Länder, sollte man sich eventuell gegen Krankheiten wie Malaria impfen lassen. Allerdings benötigen Impfungen einige Zeit, um zu wirken. Deshalb sollten Schutzimpfungen bereits ein paar Wochen oder Monate vor der Abreise gemacht werden. Zudem ist ein Zahnarztbesuch empfehlenswert, um eventuellen Zahnschmerzen vorzubeugen.  

Azubi im Ausland: Gibt es eine Betreuung vor Ort?

Um bei der Ankunft nicht völlig allein dazustehen, sollte bereits vorab geklärt werden, wer einen vor Ort betreut. In der Regel gibt es immer einen festen Ansprechpartner. Hierum kümmert sich im Normalfall der Anbieter der Reise.

Azubi im Ausland: Wo wohne ich?

Auslandspraktikum

Bei der Unterkunft im Ausland kann in der Regel zwischen verschiedenen Möglichkeiten gewählt werden. Von einem Hostel, über das Wohnen bei einer Gastfamilie oder in einem Wohnheim bis hin zu einer eigenen Bleibe oder einer WG ist alles machbar. Wichtig ist es, sich bereits im Vorfeld darum zu kümmern, rechtzeitig eine passende Unterkunft zu finden. Vielleicht stellt aber auch der Betrieb eine Wohnung zur Verfügung. Das sollten Azubis frühestmöglich in Erfahrung bringen.

Auslandsaufenthalt: Wie überzeuge ich meinen Chef?

Wichtig ist es, dem Chef zu vermitteln, was es dem Betrieb und dem Azubi nutzt, ins Ausland zu gehen. Durch einen Auslandsaufenthalt wird der Lehrling eine bessere Fachkraft und eigenständigerer Mitarbeiter. Er wird flexibler und bringt neue fachliche Kenntnisse mit. Dem Chef sollte deshalb genau beschrieben werden, was der Auslandsaufenthalt genau mit dem Beruf und dem Betrieb zu tun hat und welchen Nutzen das Unternehmen daraus ziehen kann. Hier sind einige Vorteile:

  • Erlernen neuer Fähigkeiten, Techniken oder Arbeitsabläufe
  • Verbessern der Sprachkenntnisse inklusive wichtiger Fachbegriffe aus dem eigenen Berufsfeld
  • Den Umgang mit anderen Menschen aus fremden Ländern und Kulturen lernen
  • Erschließen neuer Aufgabenfelder und Chancen im Beruf
  • Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein trainieren

Auslandsaufenthalt: Wie lange bleibe ich im Ausland?

Laut Berufsbildungsgesetz kann maximal ein Viertel der Ausbildung im Ausland absolviert werden. Bei einer dreijährigen Ausbildung sind das also bis zu neun Monate. Optimal sind drei bis vier oder maximal sechs Wochen, da man sonst in der Berufsschule zu viel verpasst. Denn für die Zeit im Ausland muss der Azubi eine Freistellung der Berufsschule in Deutschland beantragen und den versäumten Stoff nacharbeiten. Längere Aufenthalte sind daher erst nach der Ausbildung geeignet.

Auslandsaufenthalt: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Reise?

Der Auslandsaufenthalt sollte etwas bringen und die Ausbildung nicht beeinträchtigen. Wann man ein Praktikum im Ausland am besten macht, richtet sich ganz nach Ausbildung und Betrieb. Sinnvoll ist es aber, schon ein bisschen Erfahrung zu haben. Die Inhalte sollten zudem zu den beruflichen Plänen passen. Daher hat sich die Zeit nach der Zwischenprüfung oder direkt nach dem Ausbildungsabschluss für einen Auslandsaufenthalt bewährt. Da der Ausbildungsvertrag während dem Auslandsaufenthalt nicht unterbrochen wird, verlängert sich auch die Ausbildung nicht.

Auslandsaufenthalt: Wird die Zeit im Ausland anerkannt?

Da es das duale Ausbildungssystem in Deutschland fast nirgendwo anders auf der Welt gibt, ist die gegenseitige Anerkennung von Ausbildungsphasen oder kompletten Berufsabschlüssen nicht leicht. Denn in den meisten Ländern findet Berufsausbildung an privaten oder staatlichen Schulen statt. Dennoch steht seit 2005 im Berufsbildungsgesetz, dass Azubis einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland verbringen dürfen und die dort erbrachten Leistungen in Deutschland anerkannt werden. Im Zuge dessen hat die Europäische Union den Europass eingeführt. Dort werden die Inhalte, Ziele und Dauer des Auslandsaufenthalts dokumentiert. Mehr Erklärungen zum Europass bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Wichtig ist, dass das Berichtsheft auch im Ausland weiter geführt wird.

Auslandsaufenthalt: Wie bewerbe ich bei einem Betrieb im Ausland?

Auslandspraktikum Förderprogramme

Viele ausländische Unternehmen können die Fähigkeiten junger Leute aus Deutschland nur schwer einschätzen. Folglich ist es wichtig, dass Azubis in der Bewerbung klar zeigen, was sie bereits gelernt haben und welche praktischen Arbeiten sie ausführen können.

Massenmails sind wenig Erfolg versprechend. Besser ist es, klarzustellen, weshalb man genau in dem angeschriebenen Unternehmen arbeiten möchte und welchen Vorteil das Unternehmen davon haben wird. Wichtig ist es, die richtige Ansprechperson herauszufinden, zum Beispiel über die Firmenwebsite.

Das Vorstellungsgespräch findet meistens am Telefon statt, möglicherweise auf Englisch. Daher lohnt es sich, vorher Fachvokabeln herauszusuchen und die Antworten auf die wichtigsten Fragen vorher zu üben.

Auslandsaufenthalt: Welche Förderprogramme gibt es für Azubis?

Ein bundesweit einheitliches Austausch- oder Stipendienprogramm gibt es leider nicht. Deshalb sollte sich der Azubi bereits vorab Gedanken machen, wohin die Reise gehen soll, wie lange sie dauern soll und was die Schwerpunkte sein sollen. Hat man sich darüber Gedanken gemacht, kann die Suche beginnen. Prinzipiell können sich alle Interessenten, die herausfinden möchten, welches Förderprogramm am besten auf ihre Situation passt, an die Mobilitätsberater der Handwerkskammern wenden. Hier gibt es eine Übersicht:

Let's go Azubi:

  • Förderung: Über "Leonardo da Vinci"-Programm
  • Zielländer: Alle EU-Staaten und Norwegen, Island, Liechtenstein, Kroatien, Schweiz und Türkei
  • Aufenthaltsdauer: Drei Wochen
  • Voraussetzungen: Bestehendes Ausbildungsverhältnis mit einem Handwerksbetrieb, Zustimmung des Ausbildungsbetriebes und der Berufsschule, bei Ausreise mindestens 18 Jahre alt, Positive Prüfung durch die LGH, Bewerber befindet sich in Erstausbildung
  • Gastbetrieb muss vom Auszubildenden eigenständig gesucht werden
  • Mehr Informationen

Stiftung Bildung und Handwerk:

  • Förderung: Über "Leonardo da Vinci"-Programm
  • Zielländer: Zehn verschiedene Zielländer, d arunter Italien, Estland und Irland
  • Aufenthaltsdauer: In der Regel vier Wochen
  • Voraussetzungen: Erstausbildung, Offenheit
  • Gastbetrieb wird vermittelt, Plätze sind begrenzt
  • Mehr Informationen

AZUBI-Mobil:

  • Förderung: Über "Leonardo da Vinci"-Programm
  • Zielländer: EU-Staaten und Türkei, Norwegen, Liechtenstein und Island
  • Aufenthaltsdauer: drei bis 39 Wochen
  • Voraussetzungen: unter anderem Grundkenntnisse in der Landessprache, betriebliche Ausbildung
  • Gastbetrieb kann sowohl selbst gesucht als auch vermittelt werden
  • Mehr Informationen

Mobinardo Flow:

  • Förderung: Durch Stipendien, Eigenanteil von 250 bis 350 Euro
  • Zielländer: EU-Staaten
  • Aufenthaltsdauer: Vier Wochen
  • Voraussetzung: Unter anderem Bewerbung auf Englisch
  • Gastbetrieb wird vermittelt
  • Mehr Informationen

Informationen zum Auslandsaufenthalt

Wenn noch Fragen offen bestehen sollten, gibt es hier noch weitere Informationsseiten:

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