Kassel -

Vollversammlung Voll Zuversicht ins neue Jahr

Das Handwerk in Nord-, Ost- und Mittelhessen geht voll Zuversicht ins neue Jahr. Trotzdem mahnt Präsident Heinrich Gringel Investitionen in die Infrastruktur an.

Für viele Betriebe verlief die Konjunktur 2016 im sechsten Jahr in Folge bemerkenswert gut. Die Auftragsbücher der Betriebe sind gut gefüllt, die Auslastung ist ausgesprochen hoch. Entsprechend positiv sind die Erwartungen an die Zukunft.

„Seit den Jahren nach der Wiedervereinigung haben die Betriebe ihre Geschäftslage nicht mehr so gut bewertet wie in diesem Herbst“, teilte Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, anlässlich der 131. Vollversammlung mit. „Deshalb rechnen wir auch für dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum von mindestens zwei Prozent.“

Die guten Zahlen hatten auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigtenentwicklung. Im Handwerk gab es 2016 kaum Entlassungen, ganz im Gegenteil, die Mehrzahl der Unternehmen hat ihr Personal aufgestockt oder aber konstant gehalten. „Dabei wissen wir alle, dass viele unserer Betriebe mehr einstellen würden, wenn Fachkräfte zur Verfügung stehen würden“, sagte Gringel ­weiter.

Kommunen investieren zu wenig

Getragen wird die positive Handwerkskonjunktur in erster Linie vom Ausbaugewerbe und den gewerblichen Zulieferern. „Vor allem bei den Betrieben der Ausbauhandwerke sind die Auftragsbücher randvoll und die Erwartungen sehr zuversichtlich. Die Menschen investieren nach wie vor kräftig in die eigenen vier Wände“, bilanzierte Gringel. Weniger gut sei die Lage hingegen bei den Baubetrieben. Sie hofften immer noch auf mehr öffentliche Investitionen. „Die Kommunen investieren so wenig, dass unsere Infrastruktur verfällt. Mittlerweile müssen sogar Brücken und Straßen und auch Schulen und Sporthallen gesperrt werden.“

Das sei nicht im Sinne des Handwerks, das eine gute Infrastruktur brauche, monierte der Kammerpräsident. „Unsere Betriebe verlieren durch Baustellen und den schlechten Zustand der Straßen wöchentlich 4,5 Stunden“, zitierte der Kammerpräsident eine aktuelle Umfrage im Handwerk in Hessen. Er folgerte: „Es muss mehr in den Straßenbau investiert werden. Wir begrüßen zwar, dass der hessische Wirtschaftsminister 2017 mehr Geld für den Erhalt und die Sanierung der Straßen ausgeben will, erforderlich sind aber weitere dauerhafte Investitionen in die Infrastruktur.“

Voll Zuversicht ins neue Jahr

Neben der Verkehrsinfrastruktur benötige das Handwerk aber auch Datenautobahnen. „Endlich ist Bewegung in den Ausbau des schnellen Internets gekommen. Unsere Betriebe brauchen endlich eine Internetversorgung, die dem Stand der Technik entspricht“, sagte Gringel zum Beginn der Bauarbeiten in den fünf nordhessischen Landkreisen, die sich zur Breitband Nordhessen GmbH zusammengeschlossen haben.

„Gerade im ländlichen Raum ist es wichtig, dass sich unsere Betriebe an ihren Standorten weiter entwickeln und weiter wachsen können.“ Die Versorgung mit schnellem Internet sei auch Voraussetzung dafür, dass das Handwerk den Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringe, erfolgreich begegnen kann. „Denn in der zunehmend digitalisierten Wirtschaftswelt wird die Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten über das Internet immer wichtiger.“ Das gelte auch für die Optimierung des Betriebsmanagements und der Produktion.

Wieder mehr Nachwuchs

Als weitere Herausforderung benannte der Kammerpräsident die Nachwuchs- und Fachkräftesicherung. Er appellierte an die Betriebe weiterhin engagiert auszubilden, auch wenn das Handwerk zurzeit auf einem guten Weg sei. „Ende September konnten wir bei den neu eingetragenen Lehrverträgen erneut ein Plus verzeichnen, dass sich auf drei Prozent beläuft.

Damit stieg ihre Zahl im Jahresvergleich von 2.779 auf 2.862. Das ist ein ausgesprochen erfreuliches Ergebnis und lässt hoffen, dass wir die Trendwende schaffen. In jedem Fall lässt sich auf diese Entwicklung weiter aufbauen“, so Gringel weiter. Die Kammer werde ihre Nachwuchswerbung deshalb auch künftig breit auf­stellen.

Das Thema Ausbildung griff auch der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Jürgen Müller auf, der die Kammer ab nächstem Jahr führen wird: „Im kommenden Jahr setzen wir in der Berufsbildung auf die Prävention von Ausbildungsabbrüchen durch den frühzeitigen, direkten Kontakt mit dem Betrieben, ihre Unterstützung bei der Besetzung der Ausbildungsplätze sowie die Schulung von Ausbildern, um die Qualität in der Berufsausbildung zu verbessern.“ Weiter soll die duale Ausbildung durch Angebote von Zusatzqualifikationen und Auslandsaufenthalten attraktiver werden.

Betriebsnachfolge als Schwerpunkt

Die Betriebsberatung der Kammer, berichtete Müller weiter, habe sich 2017 die Fachkräftesicherung sowie die Betriebsnachfolge als Schwerpunkt auf die Fahnen geschrieben. „Mit einem neuen Berater im Team wollen wir in beiden Bereichen sensibilisieren und informieren.“ Dies solle durch Informationsveranstaltungen zur Betriebsnachfolge im gesamten Kammerbezirk, individuelle Nachfolgeberatungen und durch die Erarbeitung von Nachfolgekonzepte geschehen. Im Bereich der Fachkräftesicherung und Fachkräftegewinnung wird die Kammer die Betriebe durch persönliche Ansprache, mit Informationsveranstaltungen und praktikablen Modellen der Fachkräftebindung unterstützen.

Zur Finanzierung der Kammerarbeit berichtete Hauptgeschäftsführer Eberhard Bierschenk, dass sich der Haushaltsplan für die Kammer und die Werkakademie für Gestaltung Hessen 2017 auf 11,8 Millionen Euro beläuft. „Der Haushalt ist auch im kommenden Jahr solide finanziert und folgt den Prinzipien der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit“, erläuterte er. Das Handwerkerparlament verabschiedete den Haushaltsplan ebenso wie den Beitrag, der wie seit über zehn Jahren unverändert bleibt, einstimmig.

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