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Alle Berufskrankheiten im Überblick Berufskrankheiten: Liste wächst um drei Krankheiten

Die Liste der anerkannten Berufskrankheiten wächst. Künftig gelten drei weitere Krankheiten als Berufskrakheiten. Welche das sind, was sich damit ändert und was wichtig zum Thema Berufskrankheiten ist.

Berufskrankheiten
Die Liste der Berufskrankheiten ist lang. Seit Anfang 2015 können vier weitere Krankheiten anerkannt werden. -

Künftig zählt die Liste der Berufskrankheiten in Deutschland 80 Krankheiten. Nach der Empfehlung des Ärztliche Sachverständigenrats "Berufskrankheiten“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat der Bundesrat einer Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung zugestimmt und drei weitere Krankheiten in den Kanon aufgenommen.

Schon vorher Wie-Berufskrankheiten

  • Leukämie durch Butadien,
  • Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und
  • fokale Dystonie. 
Außerdem wurden zwei bereits bestehende Berufskrankheiten um weitere Formen erweitert:
  • Die Berufskrankheit Nummer 4113 (Lungenkrebs durch PAK) um die Erkrankung Kehlkopfkrebs und
  • Berufskrankheit Nummer 4104 (Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs in Verbindung mit Asbest) um Eierstockkrebs.

Alle fünf Erkrankungen konnten aufgrund der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Begründungen des Ärztlichen Sachverständigenbeirats bereits vor der Änderung der Verordnung als so genannte Wie-Berufskrankheiten anerkannt werden.

Neue Berufskrankheiten betreffen unterschiedliche Berufsgruppen

Während mit dem Gas Butadien in erster Linie Chemiearbeiter zu tun haben, können Handwerker im Laufe ihres Berufslebens durchaus mit PAK in Kontakt kommen. Diese entstehen, wenn Kohlenstoffverbindungen unvollständig verbrannt werden. Aus dem Handwerk können also Schornsteinfeger oder Beschäftigte aus Metallbranchen betroffen sein. Damit die Krebserkrankungen als Berufskrankheit" anerkannt werden, ist eine bestimmte Dosis-Wirkung-Beziehung Voraussetzung.

Die fokale Dystonie betrifft ausschließlich Berufsmusiker, die über lange Jahre stereotype, feinmotorische Bewegungen ausgeführt haben.

Parallel zu den vier neuen Empfehlungen hat der Sachverständigenbeirat eine Stellungnahme zur Berufskrankheit Nr. 1301 "Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine“ publiziert.

Von Interesse könnte dies für Friseure sein, die vor 1977 mit den Stoffen über permanente Haarfärbemittel in Kontakt kamen.

Beschäftigte, die den Verdacht haben, dass ihre Erkrankung auf eine arbeitsbedingte Ursache zurückgeht, sollten fachmedizinischen oder arbeitsmedizinischen Rat einholen. Wenn ein begründeter Verdacht für eine Berufskrankheit besteht, geht die Meldung an den zuständigen Unfallversicherungsträger.

Eine solche "Verdachtsanzeige" können auch der Arbeitgeber, die Krankenversicherung oder der Versicherte selbst stellen.

Kausaler Zusammenhang zwischen Berufskrankheit und Arbeit

Handwerksberufe sind oft körperlich anstrengend und viele Handwerker haben ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten. Jedoch ist nicht jede Krankheit, von der man meint, sie komme von der Arbeit, automatisch eine Berufskrankrankheit.

Die Krankheiten müssen in der Berufskrankheitenliste offiziell genannt sein und es muss einen "kausalen Zusammenhang" geben zwischen der Erkrankung und der Arbeit des Betroffenen. In vielen Fällen - gerade bei Bandscheibenschäden - ist dieser Zusammenhang nur schwer nachzuweisen, weil auch Menschen in Bürojobs vergleichbare Rückenschäden aufweisen.

Welche Berufskrankheiten noch in der Liste stehen, haben wir im Folgenden zusammengestellt.

Durch chemische Entwicklungen verursachte Krankheiten

Metalle und Metalloide

  • Erkrankungen durch Blei oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Chrom oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Cadmium oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Mangan oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Thallium oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Vanadiumoder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Arsen oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Phosphor oder seine organischen Verbindungen
  • Erkrankungen durch Beryllium oder seine Verbindungen

Erstickungsgase

  • Erkrankungen durch Kohlenmonoxid
  • Erkrankungen durch Schwefelwasserstoff

Lösemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) und sonstige chemische Stoffe

  • Schleimhautveränderung, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine
  • Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe
  • Erkrankungen durch Benzol, seine Homologe oder durch Styrol
  • Erkrankungen durch Nitro- oder Aminoverbindungen des Benzols oder seiner Homologe oder ihrer Abkömmlinge
  • Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff
  • Erkrankungen durch Methlyalkohol (Methanol)
  • Erkrankungen durch organische Phosphorverbindungen
  • Erkrankungen durch Fluor oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Salpetersäureester
  • Erkrankungen durch halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylaryloxide
  • Erkrankungen durch halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylarylsulfide
  • Erkrankungen der Zähne durch Säuren
  • Hornhautschädigungen des Auges durch Benzochinon
  • Erkrankungen durch para-tertiär-Butylphenol
  • Erkrankungen durch Isocyanate, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Erkrankungen der Leber durch Dimethylformamid
  • Polyneuropathie oder Enzephalopathie durch organische Lösungsmittel oder deren Gemische
  • Erkrankungen des Blutes, des blutbildenden und des lymphatischen Systems durch Benzol
  • Larynxkarzinom durch intensive und mehrjährige Exposition gegenüber schwefelsäurehaltigen Aerosolen

Zu den Nummern 1101 bis 1110, 1201 und 1202, 1303 bis 1309 und 1315: Ausgenommen sind Hauterkrankungen. Diese gelten als Krankheiten im Sinne dieser Anlage nur insoweit, als sie Erscheinungen einer Allgemeinerkrankung sind, die durch Aufnahme der schädigenden Stoffe in den Körper verursacht werden, oder gemäß Nummer 5101 zu entschädigen sind.

Durch physikalische Einwirkungen verursachte Krankheiten

Mechanische Einwirkungen

  • Erkrankungen der Sehnenscheiden oder des Sehnengleitgewebes sowie der Sehnen- oder Muskelansätze, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten
  • Erkrankungen durch Erschütterung bei Arbeit mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen
  • Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Chronische Erkrankungen der Schleimbeutel durch ständigen Druck
  • Druckschädigung der Nerven
  • Abrißbrüche der Wirbelfortsätze
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule durch langjähriges Tragen schwerer Lasten auf der Schulter, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjährige, vorwiegend vertikale Einwirkung von Ganzkörperschwingungen im Sitzen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Erhöhte Zahnabrasionen durch mehrjährige quarzstaubbelastende Tätigkeit
  • Gonarthrose durch eine Tätigkeit im Knien oder vergleichbarer Kniebelastung mit einer kumulativen Einwirkungsdauer während des Arbeitslebens von mindestens 13 000 Stunden und einer Mindesteinwirkungsdauer von insgesamt einer Stunde pro Schicht
  • Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnel- Syndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen
  • Gefäßschädigung der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung (Hypothenar-Hammer-Syndrom und Thenar-Hammer-Syndrom)

Druckluft

  • Erkrankungen durch Arbeit in Druckluft

Lärm

  • Lärmschwerhörigkeit

Strahlen

  • Grauer Star durch Wärmestrahlunng
  • Erkrankungen durch ionisierende Strahlen

Durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten

  • Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war
  • Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten
  • Wurmkrankheit der Bergleute, verursacht durch Ankylostoma duodenale oder Strongyloides stercoralis
  • Tropenkrankheiten, Fleckfieber

Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und Bauchfells

Erkrankungen durch anorganische Stäube

  • Quarzstaublungenerkrankung (Silikose)
  • Quarzstaublungenerkrankung in Verbindung mit aktiver Lungentuberkulose (Siliko-Tuberkulose)
  • Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankungen der Pleura
  • Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs
in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren {25 x 106 [(Fasern/m³) x Jahre]}
  • Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Perikards
  • Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Aluminium oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen an Lungenfibrose durch Metallstäube bei der Herstellung oder Verarbeitung von Hartmetallen
  • Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Thomasmehl (Thomasphosphat)
  • Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Nickel oder seine Verbindungen
  • Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Kokereirohgase
  • Chronische obstruktive Bronchitis oder Emphysem von Bergleuten unter Tage im Steinkohlebergbau bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren [(mg/m³) x Jahre]
  • Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem Siliziumdioxid (SiO2) bei nachgewiesener Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder Siliko-Tuberkulose)
  • Lungenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von mindestens 100 Benzo[a]pyren-Jahren [(μg/m³) x Jahre]
  • Lungenkrebs durch das Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis, die einer Verursachungswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent nach der Anlage 2 entspricht 4115 Lungenfibrose durch extreme und langjährige Einwirkung von Schweißrauchen und Schweißgasen (Siderofibrose)

Erkrankungen durch organische Stäube

  • Exogen-allergische Alveolitis
  • Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Rohbaumwoll-, Rohflachs- oder Rohhanfstaub (Byssinose)
  • Adenokarzinome der Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen durch Stäube von Eichen- oder Buchenholz
  • Obstruktive Atemwegserkrankungen
  • Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie), die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

Hautkrankheiten

  • Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe
  • Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung

Krankheiten sonstiger Ursache

  • Augenzittern der Bergleute

Seit Anfang 2015 stehen vier Krankheiten neu auf der Liste. Mehr dazu auf Seite 2.

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Kommentare

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Ingrid Obermaier

blasenbildende Autoimmundermatosen

Hallo,
ein Bekannter hat den Arbeitsplatz gewechselt, er ist gelernter Schreiner und arbeitet jetzt bei einem Möbelhersteller, ist mit dem Einbau von Küchen beschäftigt.
6 Wochen nach dem Wechsel bildeten sich die ersten Blasen.
Mittlerweile liegt er im Krankenhaus (Erfurt), der gesamte Körper ist befallen, es besteht Lebensgefahr.
Für mich steht ernsthaft die Frage im Raum, ob diese Erkrankung mit dieser neuen Tätigkeit zusammenhängen kann.
Ich wüsste nun gern, ob diesbezügliche Fälle bekannt sind und was zu tun ist um ev. eine Prüfung zu erreichen.

Danke und freundliche Grüsse
Ingrid Obermaier

Capatin

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Zündorf

Berufs Erkrankung

Da frage ich mich warum mein Antrag auf Berufserkrankung Abgelehnt wurde.
Wenn ich hier Lese Halzwirbel Bandscheibe und Knie durch tragen von lasten wären eine Berufserkrankung und sind ANERKANNT. Ich war 44 Jahre im Gerüstbau und die Gutachten alle 3 Sagten das kommt nicht vom Arbeiten.
Leider Hatte ich nicht das Geld um zu Klagen. Und die Gewerkschafts Anwälte alles na ja.(ich werde sonst wegen Üblernachrede Angezeigt)

Häffner Stefanie

Karpaltunnel

Wird ein Karpaltunnelsyndrom bei Briefzusteller bei der Deutschen Post als Berufskrankheit anerkannt?

Ingo Stark

Berufskrankheit Schwerhörigkeit

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein damit Schwerhörigkeit als Berufskrankheit anerkannt wird?