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Steuer aktuell Versteuerung der Privatnutzung für Werkstattwagen

Ein Werkstattwagen muss in bestimmten Fällen versteuert werden. Aber es gibt ein paar Tipps, um Ärger mit dem Finanzamt zu verhindern.

Ein Thema sorgt bei Prüfungen des Finanzamts regelmäßig für Streit. Die Rede ist von der Versteuerung des Privatnutzungsanteils für den Betriebs-Pkw. Bisher waren Betriebsinhaber meist auf der sicheren Seite, wenn sie einen Betriebs-Pkw ohne Rücksitze und verblechte Fenster im Rückraum verwendeten. Da sich solche "Werkstattwagen“ nicht zur Privatnutzung eignen, verzichteten die Finanzbeamten meist auf die Besteuerung unterstellter Privatfahrten. Ein Urteil des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt dürfte diese Vergünstigung nun jedoch aushebeln.
In dem Urteilsfall waren im Betrieb nur die Betriebsinhaberin und ihr angestellter Lebensgefährte aktiv. Im Betrieb befanden sich drei Fahrzeuge. Zwei dieser Fahrzeuge dienten dem Transport von Duschkabinen und Werkzeug und hatten deshalb keine Rückbänke. Nur für das dritte Fahrzeug wurde dem Gewinn für Privatfahrten ein bestimmter Anteil zugerechnet.

Kein Privatfahrzeug = unterstellte Privatnutzung des Werkstattwagens

Der Prüfer des Finanzamts bohrte nach und stellte fest, dass weder die Betriebsinhaberin, noch ihr Lebensgefährte privat ein Fahrzeug besitzen. Deshalb unterstellte er, dass einer der Werkstattwagen auch privat genutzt würde und ermittelte einen steuerpflichtigen Privatanteil nach der 1%-Regelung. Dass ein Privat-Pkw der Mutter der Betriebsinhaberin von den beiden privat genutzt worden sein sollte, schmetterte das Finanzamt ab. Unglaubwürdig und nicht nachweisbar (FG Sachsen-Anhalt, Urteil v. 4.12.2014, Az. 1 K 116/13; Ablehnung der Nichtzulassungsbeschwerde beim BFH v. 1.12.2015, Az. X B 29/15).

Signalwirkung dieses Urteils für die Praxis

Handwerker können sich also nicht mehr beruhigt zurücklehnen, wenn Sie im Betrieb nur Werkstattwägen haben und privat für die Familienmitglieder kein Fahrzeug zur Verfügung steht. Um zu verhindern, dass das Finanzamt für jedes Familienmitglied für einen Betriebs-Pkw eine Privatnutzung unterstellt und besteuert, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:
  • Führen Sie künftig auch für die Betriebs-Pkws ein Fahrtenbuch, die keine Rückbänke haben. Nur so können Sie dem Finanzamt im Zweifel nachweisen, dass diese Pkw tatsächlich nicht privat im Gebrauch waren.
  • Machen Sie Fotos von dem Werkstattwagen. Bei einer Jahre später stattfindenden Prüfung sind die Fahrzeuge oftmals nicht mehr vorhanden. Sie sind in der Beweislast, wenn Sie behaupten, dass sich ein Betriebs-Pkw wegen seiner Ausstattung nicht zu Privatfahrten eigne.
  • Nutzen Sie auch auf sich oder auf ihre Familienmitglieder zugelassene Privatfahrzeuge. Das nimmt den Finanzbeamten meist den Wind aus den Segeln.

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