56. Hessischer Tischlertag beschäftigte sich in Mühlheim (Main) mit dem Thema Wirtschaft und Ethik
Das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit wird maßgeblich von denjenigen geprägt, die an der Spitze von Großunternehmen stehen. Dieses Bild weist in jüngster Zeit zunehmend Schatten auf – grund genug für das hessische Tischlerhandwerk, sich im Rahmen des 56. Hessischen Tischlertages in Mühlheim (Main) abseits der Tagesaktualität mit dem Thema Wirtschaft und Ethik zu beschäftigen.
Als sachkundige Impulsgeber hierzu konnte Landesinnungsmeister Günter Füllgraf den Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, sowie den Leiter des Kapuzinerklosters Dieburg, Bruder Paulus, der mit einem rhetorisch brillanten Plädoyer für mehr Ethik im Wirtschaftsleben beeindruckte, begrüßen.
Einführend in die Thematik wies Füllgraf darauf hin, dass in letzter Zeit das Vertrauen in Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft rapide nachlasse. Positiv für das Handwerk bewertete Füllgraf hingegen die jüngste Imageumfrage des „Stern“, der zufolge der anonyme Manager fast so schlecht abschnitt wie die Abonnenten auf die letzten Plätze, die Journalisten und Politiker. Der eigene Chef hingegen nehme einen Spitzenplatz im Ranking ein.
Diesen Ball nahm Schleyer auf und bezeichnete in Anlehnung an eine Schlagzeile der FAZ gerade den mittelständischen Handwerker als „Seele des Unternehmertums“, der seine Arbeit nicht als „Job“, sondern als Beruf und Berufung betrachte. „Handwerker sein“ sei eine Lebenshaltung, die durch die Identifikation mit seinem Tun und seinem Werk sowie mit den Menschen, für die und mit denen er seine Arbeit verrichte, geprägt werde.
Während Großunternehmen sich eine „Corporate Governance“ als Unternehmensleitlinie verordneten, heiße dies im Handwerksbetrieb schlicht und einfach „Anstand im Umgang mit anderen Menschen“. Konkret bedeute dies auf betrieblicher Ebene ein respektvolles Miteinander, gute Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeiten, Aus- und Weiterbildung sowie eine anständige Bezahlung als unabdingbare Voraussetzungen für qualifizierte und motivierte Mitarbeiter.