Unentschieden - Wochenrückblick - deutsche handwerks zeitung

Wochenrückblick - 15.06.2012

Die Woche mit der DHZ

Unentschieden

Schade, dass es in der Politik kein Elfmeterschießen gibt. In dieser Woche hätten unsere Volksvertreter eine solche eindeutige Entscheidungshilfe des Öfteren gut gebrauchen können. Beim Fiskalpakt, Betreuungsgeld und Erneuerbare-Energien-Gesetz bleibt es stattdessen beim "Unentschieden", trotz versuchter Fallrückzieher. - Von Jana Tashina Wörrle

Am Montag startete die erste Partie: Griechenland gemeinsam mit Spanien gegen den Rest der Euroländer, wobei Italien bei diesem Spiel eine Auszeit genommen hat, da es noch nicht genau weiß, bei wem es mitspielen will. Zum Ende der Partie stand es "unentschieden". Ob alle den Euro behalten oder nicht bleibt genauso offen, wie die Frage, ob die EZB die Druckmaschinen anwirft oder nicht.

Doch die politische Europameisterschaft verzichtete nicht darauf, sich gleich auf mehrere Rückrunden festzulegen. Der Gegner der EU-Länder heißt hierbei Fiskalpakt. Der Fiskalpakt sah sich schon als Sieger, schließlich wurde er von den tonangebenden Mannschaften Deutschland und Frankreichs in den letzten Monaten immer wieder aufs Siegertreppchen der politischen Fortschritte gehievt.

Nicht spielfähig

Doch Frankreich will nun nicht mehr und wie es aussieht ist die deutsche Regierung gerade dabei, aus dem vermeintlichen Treffer ein Eigentor zu machen. Der Sieg des Fiskalpakts verharrt auf jeden Fall nun auch in Deutschland bei einem klaren "Unentschieden".

Bei der nächsten Partie, die in dieser Woche anstand, spielten eigentlich SPD und Grüne gegen Union und FDP um die Kinderbetreuung in Deutschland. Es ging um das umstrittene Betreuungsgeld. Doch nachdem sich die Mannschaften aufgestellt hatten, zeigte sich erst, dass einige Spieler gar nicht spielfähig waren und zusätzlich wollten einige mitspielen, die gar nicht aufgestellt waren.

Als Gegner meldete sich plötzlich auch die Wirtschaft und gab der Opposition Rückendeckung, dann fielen auch ein paar Spieler aus den Reihen der Regierung komplett um und da half auch kein versuchter Fallrückzieher mit Vorschlägen wie etwa der Auslagerung der Entscheidung an die Bundesländer. Das ganze ging so weit, dass noch nicht einmal ein "Unentschieden" zustande kam. Das Spiel wurde abgesagt, die beiden Gegner konnten keine gleich starken Mannschaften zusammenbekommen und müssen weiter trainieren.

Neben diesen beiden Hauptpartien kam es in dieser Woche aber noch zu einem Spiel mit gleich mehreren Verlierern. Angetreten sind hierbei einerseits die Stromkonzerne gegen die Regierung und gleichzeitig die Bürger gegen die Stromkonzerne. Es geht um die steigenden Energiekosten, die durch die Energiewende und die dafür notwendigen Investitionen zustande kommen.

Die Stromkonzerne wollen bei der Energiewende nur dann weiter mitspielen, wenn sie für den Atomausstieg eine Entschädigung bekommen. Sie wollen deshalb die Regierung verklagen. Aber auch die Verbraucher und vor allem die Geringverdiener sind verärgert über die hohen Kosten. Sie wollen eine Entschädigung in Form von Sondertarifen genauso wie sie die Großkonzerne der Industrie bekommen. "Unentschieden" auch hier?

Politisches Elfmeterschießen

Die Regierung sieht sich nämlich gar nicht als Gegner. Sie gewährt der Industrie ja schon die Befreiung von der EEG-Umlage, sagt den Stromkonzernen gute Gewinne auf dem Energiemarkt voraus und investiert deshalb fleißig in den Netzausbau. Und die Stromkonzerne sehen sich auch nicht als Gegner der Bürger, denn die wollten ja die Energiewende und sind jetzt einfach selber schuld. So muss auch das Handwerk jetzt zurückstecken, dass Entlastungen für Kleine nicht in Sicht sind. Es gibt also doch Verlierer dieser Partie.

Rückzieher, Eigentor und ein andauerndes "Unentschieden", zum Glück kann es bei der Fußball-EM so nicht weitergehen. Hier enden ja schon ab Mitte der kommenden Woche die Vorrundenspiele und dann steht Elfmeterschießen an, wenn der Gewinner am Ende der Partie nicht feststeht. Schade, dass es diese Regelung nicht auch in der Politik gibt.

 
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2013
Alle Rechte vorbehalten

Kommentare und Bewertungen Kommentar verfassen

Durchschnittliche Bewertung dieses Artikels:
starstarstarstarstar
(0 Bewertungen)
Ihre Bewertung dieses Artikels:

Zum Bewerten klicken Sie bitte auf die Sterne

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar

Bildergalerie

24-Stunden-Rennen am Nürburgring

24-Stunden-Rennen am Nürburgring
Foto: Thorsten Keller
- Alle Bildergalerien

Umfrage

Neues Insolvenzrecht: Vor- oder Nachteil fürs Handwerk?

Gewinnspiel

Verlosung: Reise in die Schweiz

Reise-Gewinnspiel: Ab in die Schweiz!

Mitmachen und gewinnen! Erleben Sie die Natur der Schweizer Berge, die Kultur der UNESCO-Welterbestädte oder die Shoppingmöglichkeiten in der zollfreien Stadt Samnaun.

Meinung

Demografie-Gipfel lässt noch Wünsche offen

Der zweite Demografiegipfel der Bundesregierung hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Diagnose ist zwar richtig, aber die Therapie noch verbesserungsfähig. Ökonomische Fragen geraten aus dem Blick. Von Lothar Semper

Wissensquiz

Alltag in Zahlen: Schätzen Sie mal...

Wie viel Handwerk steckt eigentlich in unserem Alltag? Testen Sie Ihr Wissen. Jetzt starten

Newsletter

DHZ-Aktuell