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Gastkommentar Umgang mit Flüchtlingen: Klare Ansagen sind nötig

Rupert Neudeck, Journalist und Mitbegründer des Hilfskomitees Cap Anamur, hält die sofortige Bereitstellung von Arbeit für den Schlüssel im Umgang mit den Flüchtlingen.

Wir sollten die Flüchtlinge, die es bis zu uns schaffen, erst mal wie unsere Mitmenschen sehen. Wir sollten sie als unseresgleichen behandeln, die gern vom ersten Moment an wissen wollen, welchen Status sie haben. Die wissen wollen, wie ihr Tag aussieht – auch in einer Turnhalle.

Ich habe noch keinen Menschen erlebt, der nicht gleich tätig werden wollte. Die Flüchtlinge müssen sofort für Reinigungsdienste von Toiletten, von Duschen, von ganzen Unterkünften eingeteilt werden. Es müssen kommunale Aufgaben, auch ohne Bezahlung, wahrgenommen werden. Und es muss gearbeitet werden. Arbeiten bedeutet nicht notwendig, tarifordnungsrechtlich veranschlagt und bezahlt arbeiten.

Berufe lernen und kommunizieren

Wir müssen die Unterkünfte von jungen Syrern, Afghanen, Eriträern, Pakistanis und Irakern bauen lassen, die damit dreierlei lernen: Zum einen lernen sie den Beruf des Zimmermanns und des Maurers kennen. Dann lernen sie durch ständige Kommunikation Deutsch. Und drittens haben die Flüchtlinge einen geregelten Tag. Denn den haben hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland (noch) nicht. Mit ihnen passiert das Schlimmste. Sie gammeln herum.

Das Wichtige aber ist eine klare Sprache. Ich wurde einmal gebeten, zur Vermittlung bei somalischen Flüchtlingen zu kommen. Die Stadt hatte ihnen ein gutes Haus zu Verfügung gestellt, aber sie wollten nicht einziehen. Sie sagten mir: Man wisse doch, dass sie aus feindlich gegeneinander lebenden Stämmen kommen. Da habe ich gesagt: "Wenn Sie Ihre Kriege weiterführen wollen, dann müssen Sie nach Somalia zurück." In Deutschland gibt es keine Kriege zwischen den Stämmen mehr. Was wir heute brauchen, sind klare Ansagen für unsere Mitbürger von morgen.

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Kommentare

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JE Scholz

Danke für den Beitrag !

Hilfreich wäre, wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam dazu beitragen könnten, dass in den riesigen Flüchtlingslagern in der Türkei, Libanon und Jordanien Schul- und Berufsschulzentren entstehen, die den Menschen eine Bleibeperspektive geben.

Die Schulpflicht ist dabei ein wichtiger Punkt. Ein weiterer ist die Unterstützung mit Kompetenz- und Techniktransfer aus Europa jedoch auch die Vermittlung demokratischer Grundwerte...