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Franchise-Netzwerk Wie Franchise in der Praxis funktioniert

Die Schreinerei Morbitzer steht wirtschaftlich gut da, trotzdem entschied sich der Betrieb für den Einstieg ins Franchise. Welche Vor- und Nachteile es in der Praxis gibt.

Schreinermeister Dietmar Morbitzer hatte sich selbst nie mit dem Thema Franchise beschäftigt. Seinen Handwerksbetrieb im hessischen Langenselbold führt er in der 2. Generation. Das Unternehmen besteht seit 53 Jahren und ist in der Region sehr bekannt. Auch ohne Franchise lief das Geschäft gut, neue Geschäftsfelder taten sich jedoch kaum auf – großes Wachstum schien nicht realistisch.

Exklusivität gab den Ausschlag

Die Initiative, neue Wege einzuschlagen, ging von dem Franchisegeber Portas aus. Seit 40 Jahren ist der Dienstleister für Renovierung und Modernisierung als Franchiseanbieter tätig und nach eigenen Angaben europäischer Marktführer.

Morbitzer erhielt einen Anruf vom Franchisegeber, dass in seinem Firmengebiet eine Exklusivlizenz für einen neuen Franchisebetrieb zu vergeben sei. Jede Lizenz wird nur einmal pro Bundesgebiet vergeben. Aufgrund des guten Renommees sei seine Firma erste Wahl für die Vergabe.

Morbitzer wollte sich das Konzept zumindest einmal anhören und traf sich mit den Verantwortlichen des Franchisegebers zu einem persönlichen Gespräch. "Von Beginn an ist mir Portas auf Augenhöhe begegnet, hat sich Zeit für mich genommen und ist ausführlich und stets freundlich auf meine Fragen eingegangen", erinnert sich Morbitzer.

Was den Schreinermeister im März 2015 vom Einstieg ins Franchise überzeugte, war vor allem die Exklusivität der Lizenz und die Bekanntheit des Systems. Morbitzer sah hier die Möglichkeit, seinen Betrieb fit für die Zukunft zu machen. Schließlich stehen zwei seiner Söhne bereit, die Firma später einmal zu übernehmen.

Werben mit bekanntem Namen

Allerdings musste Morbitzer zunächst finanziell in Vorleistung treten. Ohne Eigenkapital ist der Einstieg ins Franchise kaum möglich. "Als Unternehmer muss ich immer das Risiko abwägen. Ich fand es jedoch überschaubar, weil das Franchise ja etabliert ist."

Im Zuge der Umstellung auf das Franchise-System griff Morbitzer auf diverse Marketinginstrumente von Portas zurück. Ob Arbeitskleidung, Fahrzeugbeschriftung oder Werbemittel – alles wurde mit dem Franchise-Logo versehen. Gleichzeitig blieb der Name der Firma Morbitzer erhalten. Die Kundenansprache erfolgt als "Portas Fachbetrieb".

„Ich wollte die Identität des Betriebs nicht aufgeben. Nun profitieren wir bei bestehenden Kunden vom vertrauten Namen unserer Schreinerei und bei Neukunden von der Bekanntheit des Franchise.“

Auslastung im Winter erhöht

Den Geschäftsbereich hat Morbitzer im Bereich Beratung und Verkauf von Renovierungsprodukten deutlich ausbauen können. Bei der Franchise-Zentrale eingehende Kundenanfragen werden zügig an die Schreinerei weitergeleitet, so dass Morbitzer eine steigende Auftragslage verzeichnet.

Bisher war das Geschäft in den Wintermonaten im Frühjahr eher mau. Aktuell ist der Betrieb schon für die nächsten drei Monate mit Aufträgen ausgelastet.

Erleichternd empfindet es Morbitzer, dass er seine Preise, die nie die Niedrigsten waren, jetzt nicht mehr gegenüber den Kunden rechtfertigen muss. "Bei Portas kostet jedes Produkt in jedem Fachbetrieb das Gleiche – bundesweit", erklärt er. Der Wettbewerbsdruck sei jetzt kleiner, gleichzeitig biete die Schreinerei weiterhin die gewohnte Qualität.

Um das Wachstum zu stemmen, hat Morbitzer bereits neue Mitarbeiter eingestellt. Ein Azubi und ein Geselle verstärken den Betrieb. Um sein Personal auch fachlich auf die neue Herausforderung im Beratungsbereich vorzubereiten, greift Morbitzer auf ein breites Schulungsangebot zurück, das den Franchisenehmern angeboten wird.

Keine festen Zielvorgaben

Beteiligt am Erfolg wird der Franchisegeber durch eine prozentuale Umsatzbeteiligung. Morbitzer sagt, dass vom Franchise kein Druck ausgeübt wird, bestimmte Umsatzziele zu erreichen. Unter dem Strich bleibe trotz der Provision mehr Gewinn übrig als vorher.

"Allerdings ist die Arbeit auch mehr geworden. Das ist vielleicht der einzige Nachteil, den ich am Franchise-System sehe", sagt Morbitzer.

Bereut hat er den Schritt bisher jedoch nicht und empfiehlt auch anderen Handwerksbetrieben, sich zumindest einmal mit dem Gedanken an Franchise zu beschäftigen.

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