Panorama -

Holzhäuser auf Rädern Tiny House: Mobiles Minihaus nach Maß

Mehr als nur eine fahrbare Holzhütte: Christian Bock fertigt in seiner Tischlerei individuelle Wohnkonzepte auf Rädern. Im Tiny House soll sich der Bewohner auf das Ursprüngliche besinnen – und sich dabei richtig wohl fühlen.

Tiny-House
Ein Rückzugsort, um sich auf das Ursprüngliche zu besinnen: Das Tiny House bietet alles Lebenswichtige, ganz ohne Hightech. - ©

Klein, aber doch ganz groß: Wer bei der charmanten Holzhütte auf Rädern von Christian Bock an einen Campingwagen denkt, der irrt. Das Baukonzept auf Rädern mit dem Namen Tiny House von dem Tischlermeister aus dem nordhessischen Bad Wildungen-Braunau hat so gar nichts mit den Kunststoff-Wohnmobilen zu tun, die sich auf Campingplätzen dicht an dicht aneinanderreihen.

Das Tiny House ist ein auf einem Hänger montiertes Haus im Kleinformat, das alles beinhaltet, was zum Leben nötig ist. Bei diesem Wohnkonzept soll der Bewohner so ursprünglich wie möglich und gleichzeitig autark sowie in einer gemütlichen Atmosphäre wohnen – und dabei auch noch mobil sein. Jedes Minihaus von dem gelernten Tischler aus Hessen ist eine individuelle Maßanfertigung. Denn eines soll das Tiny House auf keinen Fall werden: Ein billiges Massenprodukt.

Inspiration aus den Vereinigten Staaten

Bock wollte schon vor längerer Zeit mobilen Wohnraum schaffen – die Idee dazu hatte er schon in den 1990er Jahren. „Ich bin früher viel gereist. Da habe ich mir gedacht, wie schön es eigentlich wäre, alles dabeizuhaben, was man braucht, und sich auch noch richtig wohnlich zu fühlen“, erzählt er.

Anfang der 2000er Jahre startete der gelernte Tischler seinen ersten Versuch, indem er einen alten Bauwagen umbaute. Doch dieser war viel zu schwer und daher für die Straße ungeeignet. Dann stieß Bock auf das Tiny-House-Movement aus den USA. Bei dieser Bewegung steht im Vordergrund, kostenreduziert und nachhaltig zu leben und die Lebensführung insgesamt zu vereinfachen. Bock nutzte sie als Anregung für seine eigene Umsetzung – sein Erfindergeist war geweckt.

Christian Bock und sein Tiny House

Vom Puppenstubenmodell bis zum Tiny House

In seiner Tischlerei begann der Tischlermeister an der Idee zu tüfteln – abends nach dem normalen Tagesgeschäft. Zur Probe baute er zunächst ein Modell in Puppenstubengröße. Im Mai letzten Jahres war es dann so weit: Das erste Tiny House war fertig. Rund neun Monate hatte Bock für den Bau des Musterhauses gebraucht.
Mittlerweile hat er eine Menge Interessenten. Doch Bock möchte keine Massenproduktion starten. „Jedes Bauprojekt ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Jeder Kunde hat seine eigenen Vorstellungen und möchte das Tiny House für andere Zwecke nutzen. Wir haben zum Beispiel einen Kunden, der es als Büroraum nutzen möchte“, erzählt er. Kunden können die Hülle mit Anschlüssen bei der Tischlerei erwerben oder – wie im Falle des Musterhauses – die komplette Einrichtung von Bock und seinem Team einbauen lassen.

Bei den Bauprojekten arbeiten sie eng mit den Kunden zusammen: „Beim Bauen wachsen häufig noch viele Ideen. Der Kunde soll da selbstverständlich ein Wörtchen mitreden können.“ Für seine Arbeiten an den Tiny Houses holt sich der Tischlermeister Experten aus anderen Gewerken mit ins Boot. Da die Minihäuser auf einem Hänger montiert sind und daher eine Straßenzulassung benötigen, arbeitet Bock eng mit einem Fahrzeugbauer zusammen. Auch einen Dachdecker zieht er hinzu. Manchmal ist auch die Expertise eines Ofenbauers nötig, wenn – wie im Musterhaus – ein Ofen eingebaut ist.

Da die Minihäuser so vielseitig sind, ist Bock stets auf der Suche nach neuen Verwendungsmöglichkeiten. „Es ist eine besondere Herausforderung, wenn man eine Idee hat, die schwierig umzusetzen ist. Da müssen wir dann verschiedene Möglichkeiten austüfteln“, verrät der Nordhesse.

Kombination mit dem ­Alltagsgeschäft

Dem gelernten Tischler ist es wichtig zu zeigen, dass in seiner Tischlerei außergewöhnliche Dinge entstehen und dass er und sein Team handwerklich über den Tellerrand blicken. Geplant war nie, die kleinen Häuser in großem Stil zu produzieren und sich vollständig in seiner Tischlerei darauf zu spezialisieren. Auch wenn es an Anfragen nicht mangelt. „Es gibt in jedem Fall einen Markt für die Tiny Houses“, ist sich Bock sicher. Dennoch: „Ich versuche eher das Projekt mit meinen anderen Arbeiten in der Tischlerei zu kombinieren. So kann ich mir eine Nische erarbeiten.“

In die Caravan-Branche passt sein kleines Ökohaus-Projekt jedenfalls nicht – Bock spricht mit seinen Holzhäusern eine andere Klientel an. Die mobile Holzhütte ist aus ökologischen und natürlichen Materialien gefertigt. Zur ökologischen Bauart gehört ebenso der Verzicht auf Chemikalien beispielweise bei der Toilette. Alles öko eben!
Doch nicht zuletzt geht es um Individualität: „Wir machen ordentliche Einzelanfertigungen – und die erhält jeder ganz nach dem eigenen Geschmack.“

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2016 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen