Panorama -

Textil- und Industriemuseum Augsburg tim geht mit Rückenwind ins Jahr 2016

Mit drei neuen Ausstellungen will das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) an die Besuchererfolge des vergangenen Jahres anknüpfen: mit textilen Erinnerungen, dem Zukunftsstoff Carbon und einer Ausstellung von Frauen über Frauen.

tim Augsburg
Die Ausstellung "Desperate Housewives" läuft vom 17. Dezember 2016 bis 12. März 2017. Hier ein Objekt von Alice Musiol. - ©

Mit einer erstklassigen Besucherbilanz startet das tim ins Jahr 2016. Wie Museumsdirektor Karl Borromäus Murr bekannt gab, kamen im vergangenen Jahr 105.000 Besucher in das Augsburger Museum. Damit bleibt es eines der beliebtesten Landesmuseen in ganz Bayern. Spannende Ausstellungsprojekte sollen den Erfolg weiter verstetigen. Museumschef Murr: "Für mich es ist einfach großartig zu sehen, dass das tim auch im vergangenen Jahr bei den Besuchern so großen Anklang gefunden hat. Ein Garant für den überragenden Zuspruch bei den Besuchern sei zweifellos das aktive und lebendige Museumskonzept des tim. Das Prinzip des Mit-Mach-Museums ist so etwas wie ein Teil unserer DNA im tim." Für 2016 kündigte Murr drei Ausstellungen an, die wieder auf breites Interesse stoßen dürften.

"Textile Erinnerungen - Remembering Textiles"

Vom 26. Februar bis zum 8. Mai 2016 zeigt das tim die eindringliche Textilkunst von Kaoru Hirano aus Japan und Gali Cnaani aus Israel. Beide Künstlerinnen verbindet ihr radikaler Ansatz, bestehende Kleider bis in deren letzte Fäden hinein aufzulösen. Mit der so offengelegten textilen Struktur gehen die Künstlerinnen jedoch unterschiedlich um. Hirano verknüpft die Fäden wieder so, dass sie eine schemenhafte Skulptur formen in Reminiszenz an die ehemaligen Trägerinnen. Cnaani hingegen verwebt die in ihre Strukturen aufgelösten Kleider wieder neu und verbindet sie dabei mit anderen Kleidungsstücken, woraus eine ganz überraschende Ästhetik entsteht, die das Textile als Sprache offenbart. Auf unterschiedliche Weise spüren so beide Künstlerinnen den Erinnerungen der Textilien nach, den ehemaligen Trägerinnen oder dem Gedächtnis des Materials selbst.

"Carbon - Stoff der Zukunft"

Vom Juni bis November 2016 erleben Besucher die faszinierenden Eigenschaften und Anwendungsgebiete dieses herausragenden Werkstoffs. Die Schau zeigt auf einer Fläche von mehr als 1.000 Quadratmetern beeindruckende Objekte aus den Bereichen Automobilbau, Luft- und Raumfahrt, Architektur, Design, Lifestyle und Gesundheit.

Mit dabei sind auch Ausstellungsstücke aus der Region Augsburg, wo Forschungsei­n­richtungen und zahlreiche große Firmen aus unterschiedlichsten Branchen mit Faserverbundstoffen arbeiten. Aber welche einzigartigen Eigenschaften machen Carbon zu solch einem begehrten Stoff in so vielen Bereichen? An zahlreichen Mit-Mach-Stationen können Besucher selbst testen und ausprobieren. Die Ausstellung im tim zeigt auch den spannenden Entstehungsprozess sowie unterschiedliche Verarbeitungsschritte von Carbon und stellt zudem wichtige Fragen nach Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Recycling.

"Desperate Housewives? Künstlerinnen räumen auf"

Die Frau und ihre Rolle in Haus und Haushalt - dieses eigentlich ganz private Thema wurde im 20. Jahrhundert zum öffentlichen Schauplatz ideologischer Grabenkämpfe: das altbackene Heimchen am Herd versus die moderne berufstätige Familienmanagerin. In den 1970er und 80er Jahren haben Künstlerinnen aus feministischer Perspektive gesellschaftliche Strukturen, Geschlechterhierarchien und Machtverhältnisse kritisch hinterfragt. Mittlerweile hat sich gesellschaftlich und privat vieles verändert. Frauen sind überwiegend berufstätig, das Haus steht tagsüber meist leer und selbst der Begriff Hausfrau ist aus dem Sprachgebrauch nahezu verschwunden. Welche Bedeutung hat die Arbeit in Haushalt und Familie also heute? Und wer erledigt sie? Gibt es tatsächlich eine gerechte Lastenverteilung?

In der Ausstellung Desperate Housewives nehmen Künstlerinnen, geboren zwischen 1936 und 1986, das Haus als Lebens- und Arbeitsplatz erneut ins Visier. Sie reflektieren das weibliche Verhältnis zum Haus und entlarven es als einen Ort voller Widersprüche. Ist es Gefängnis oder Freiraum? Ist die Frau Sklavin oder Herrscherin? Ist Haushalt lästige Pflicht oder vielleicht auch Vergnügen? Öffnet sich hier vielleicht sogar ein ganz individueller Gestaltungsraum abseits der Anforderungen einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung? Diese Fragen berühren nicht nur unmittelbar die eigene Identität, sondern auch unser gesellschaftliches und kulturelles Selbstverständnis. Wo und wie können wir uns noch zu Hause fühlen, wenn heute nichts mehr wirklich privat bleibt und sich die Grenzen zwischen Außen und Innen durch Internet und neue Medien verflüchtigen? Und: Welche Träume, Wünsche und Lebensentwürfe werden sich in dieser komplexen, globalisierten Welt als zukunftsfähig erweisen?

Videos, Installationen, Fotografien, Objekte, Gemälde und Zeichnungen von 29 Künstlerinnen geben überraschende, nachdenkliche, ironische, provokante, witzige oder versöhnliche Antworten. Die Ausstellung läuft vom 17. Dezember 2016 bis 12. März 2017.

tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9 bis 18 Uhr. Montag geschlossen
Telefon 0821/81001-50

Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS), Provinostrsße 46, 86153 Augsburg

Mehr Informationen unter timbayern.de.

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