Europa – was für eine tolle Gemeinschaft. Wir geben den anderen EU-Ländern unser Geld und bekommen dafür Azubis. Da soll noch jemand sagen, die deutsche Regierung würde zu kurzfristig planen. Die Woche zeigte, dass es auch anders geht – manchmal zumindest. - Von Jana Tashina Wörrle
Wir haben zu wenige Lehrlinge. Mehrere tausend Stellen werden auch in diesem Jahr wieder unbesetzt bleiben. Die Spanier und Italiener haben dafür zu viele arbeitslose Jugendliche. Aber zum Glück haben wir ja alle gemeinsam die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Wir können also tauschen und dem Urprinzip Europas damit wieder ein Stückchen näher kommen. Eine Gemeinschaft sein, in der jeder dem anderen hilft.
OK, so ganz ausgeglichen ist das vielleicht nicht, wenn die anderen dann noch ein paar Milliarden Euro dazu bekommen. Aber immerhin, haben die ja dann – ohne Nachwuchskräfte – auch keine Chance wieder eigenständig wirtschaftlich stark zu werden. Was für eine tolle Gemeinschaft. Hauptsache die deutsche Wirtschaft boomt.
Damit das auch langfristig so bleibt, muss gespart werden. Schließlich wäre es ja nicht sinnvoll, wenn man die Milliardenzahlungen immer wieder und wieder – quasi als Flatrate – wiederholen muss. Deshalb also der Fiskalpakt samt Schuldenbremse. Die Regierung hat ihn in dieser Woche nun endlich durch den Bundestag bekommen.
Uff, was für ein laaaangfristiger Streit. Da soll noch einmal jemand sagen, die schwarz-gelbe Regierung denke momentan nur bis zur nächsten Wahl. Manchmal denkt sie sogar auch noch weiter, sogar bis zum Rentenalter der Bürger. Ok, einiger Bürger oder besser einiger weniger Bürger. Denn diejenigen, die sich für die sogenannte Herdprämie entscheiden, können sich nach dem Willen der CDU das (noch nicht beschlossene) Betreuungsgeld auch als Riester-Rente auszahlen lassen. Welch geschicktes Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen.
Doch so langfristig bedacht waren nicht alle Entscheidungen dieser Woche. Kurzfristig, wenn nicht gar kurzsichtig, handelt die Politik noch immer in Sachen Energiewende. Da zählen die schnellen Euro, die man den Bürgern verspricht, mehr als ein stabiles Konzept für eine nachhaltige Energieversorgung. Dem Handwerk sei Dank, gibt es zwar noch Ideen, die genau anders herum funktionieren. Aber Unterstützung finden sie von politischer Seite kaum. Egal, es geht auch ohne.
Auch wenn das gute manchmal so nah liegt, schweifen die Politiker lieber in die Ferne. Da ging es in dieser Woche nach Mexiko und nach Brasilien, es ging nach Griechenland und nach Frankreich. Naja, immerhin haben die Sommerferien ja in einigen Bundesländern schon begonnen und die Sommerpause droht bei jeder Entscheidung, die noch vorher zu fällen wäre, dazwischenzufunken.
Da schauen wir doch am besten lieber Fußball, denn da weiß man, was man hat: Der Ball ist rund und nach 90 Minuten ist alles vorbei – meistens zumindest.
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