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Microsoft Surface Pro 4 gegen Apple iPad Pro im Test Surface Pro 4 schlägt iPad Pro

Das Surface Pro 4 von Microsoft macht in der vierten Generation einiges besser als die Vorgänger. Der Tablet-PC bietet Notebook-Qualitäten. Ob er auch ein vollständiger Ersatz ist, zeigt der Test.

Ein Gehäuse aus edlem Magnesium, starke Technik und praktisches Zubehör wie ein magnetischer Stift. Das Surface Pro 4 ist schick, schnell und optisch auf Augenhöhe mit ähnlichen Modellen wie dem Apple iPad Pro. Doch für einen reinen Tablet-PC ist das Surface Pro 4 mit Einstiegspreisen ab 1.000 Euro sehr teuer. Es muss sich also wie das iPad Pro auch den Direktvergleich mit einem Notebook in diesem Preissegment gefallen lassen. Nur dann ist es auch für den Einsatz im Geschäftsbetrieb eine echte Alternative und für Handwerksunternehmer wirklich interessant. Das iPad Pro konnte im Test ein Notebook nicht wirklich ersetzen. Ob es das Surface Pro 4 besser macht?

Wer auf die äußeren Werte eines Tablet-PCs wert legt, hatte mit dem Surface Pro der ersten Generationen wenig Spaß. Klobig war das Design und damit auch schwer und unhandlich. Gerade für ein Gerät, das hauptsächlich mobil genutzt wird, ein K.o.-Kriterium. An die Ästhetik eines iPad reichte es nicht heran.

Schon das Surface Pro 3 machte es deutlich besser. Die gute Nachricht: Das Surface Pro 4 legt hier noch einmal nach.

Surface Pro 4: Edle Optik, aber etwas schwer

Das Gerät sieht in seinem Magnesiumkleid richtig luxuriös aus und man muss sich damit bei Geschäftsterminen ganz sicher nicht verstecken. Mit einer Bautiefe von 8,45 Millimeter ist es schmaler als das Pro 3 (9,1 Millimeter). Das iPad Pro ist noch dünner, trotz eines größeren Bildschirms (12,9 Zoll). Auch beim Gewicht hat das Apple-Gerät die Nase vorne. Es wiegt je nach Ausstattung nur zwischen 713 und 723 Gramm auf die Waage. Das Surface Pro 4 wiegt zwischen 766 und 786 Gramm. Der Unterschied ist im Direktvergleich merklich spürbar. Trotzdem lassen sich beide Modelle über längere Zeit nicht mit einer Hand halten.

Technische Daten des Surface Pro 4 im Überblick

Software: Windows 10 Pro

Office: 30-Tage-Testversion

Gehäuse: Magnesium • Farbe: Silber • Physische Tasten: Lautstärke, Ein/Aus

Abmessung: 292,10 x 201,42 x 8,45 mm

Gewicht: i5/i7: 786 g m3: 766 g

Speicher: Festkörperlaufwerk, (SSD)-Optionen: 128 GB, 256 GB oder 512 GB

Display: Bildschirm: 12,3 Zoll PixelSense™-Display • Auflösung: 2736 x 1824 (267 PPI) • Seitenverhältnis: 3:2 • Touch-Funktionalität: 10-Punkt-Mehrfingereingabe

Akkulaufzeit: Bis zu 9 Stunden Videowiedergabe

Prozessor: 6th Generation Intel® Core™ m3, Core™ i5 or Core™ i7

Grafiktechnologie: m3 Intel HD-Grafik 515 • i5 Intel HD-Grafik 520 • i7 Intel Iris-Grafik

Sicherheit:TPM-Chip für Sicherheit auf Enterprise-Ebene

RAM: 4 GB, 8 GB oder 16 GB RAM

Wireless-Technologie: 802.11ac WLAN-Drahtlosnetzwerk; Kompatibel mit IEEE 802.11a/b/g/n Bluetooth 4.0, Drahtlostechnologie

Anschlüsse: Standard-USB 3.0, MicroSD-Kartenleser, Kopfhörerbuchse, Mini-DisplayPort, Coveranschluss Surface Connect

Kameras, Video und Audio: 5,0 Megapixel HD-Frontkamera 8,0 Megapixel rückwärtige Autofokuskamera und 1080p HD-Videoaufzeichnung, Stereomikrofone, Stereolautsprecher mit Dolby-Audio

Sensoren: Umgebungslichtsensor • Beschleunigungssensor • Gyroskop • Magnetometer

Lieferumfang: Surface Pro 4, Surface-Stift Netzteil, Schnellstartanleitung, Sicherheitshinweise und Garantieunterlagen, Garantie 2 Jahre beschränkte Hardwaregarantie

Surface Pro 4
Windows 10 Pro kommt auf dem Surface Pro 4 als Betriebssystem zum Einsatz. -

Die anderen Außenmaße des Geräts haben sich nicht geändert. Trotzdem ist der Bildschirm auf 12,3 Zoll angewachsen und weiter im Format von 3:2.  Wie ist das möglich? Microsoft hat den Displayrand verkleinert und den Windowsbutton auf der Frontseite entfernt. Unter dem Strich hat der Nutzer mehr Bild ohne mehr Platz in seiner Tasche zu benötigen.

Design und Gewicht: 1:0 für das iPad

Der Bildeindruck beim Einschalten des Surface Pro bietet keinen Anlass zur Kritik. Im Gegenteil: Mit 2736 x 1824 Pixeln ist er extrem detailreich und sowohl im Live-Eindruck als auch auf dem Datenblatt auf Augenhöhe mit dem iPad Pro. Das Betrachten von Videos oder Bildergalerien macht mit dem Surface Pro 4 großen Spaß. Das Display mit Gorilla Glas 4 macht das Gerät widerstandsfähiger und robuster als den Vorgänger.

Intel-Prozessoren sorgen für Windows-Tempo

Für das Arbeitstempo vertraut Microsoft auf aktuelle Intel-Prozessoren. Die Einstiegsgeräte sind mit einem Core M Prozessor ausgestattet. Wer bereit ist, deutlich über 1.000 Euro oder sogar bis zu 2.500 Euro für ein Highend-Modell auszugeben, kann wahlweise ein Surface Pro 4 mit Core i5 und Core i7 erhalten. Der Arbeitsspeicher reicht je nach Modell von vier bis zu 16 GB. Wer viele Daten speichern muss, kann eine Festplatte mit bis zu 512 GB SSD nutzen. Das billigste Modell hat einen 128 GB großen SSD-Speicher.

Im Arbeitseinsatz gönnt sich das im Test mit einem Core-i5-Prozessor ausgestattete Modell – wie auch das iPad Pro – keine Denkpausen und läuft überaus zuverlässig. Auch die Wärmeentwicklung ist in Ordnung. Der mit einem Flüssig-System ausgestatte Kühler verrichtet unter hoher Beanspruchung unauffällig seinen Dienst. Das Modell mit Core-M3-Chip kommt wegen der geringeren Leistung übrigens mit einer Passivkühlung aus und ist daher lautlos.

Grafik und Leistung: Unentschieden. Insgesamt 2:1 für das iPad

Das Einstiegsmodell des iPad Pro ist mit 899 Euro etwas günstiger als das Surface Pro 4 mit 999 Euro. Allerdings ist hier wirklich nichts inklusive bis auf das Stromkabel, sondern muss als teures Extrazubehör erworben werden. Beim Surface Pro 4 ist immerhin der Eingabestift schon im Lieferumfang enthalten. So gleicht sich die Preisdifferenz wieder aus.

Preis: Unentschieden. 3:2 für das iPad

Pluspunkte kann das Surface Pro 4 bei der Anschlussvielfalt sammeln. Sie macht das Gerät arbeitstauglicher als die meisten anderen Tablet-PCs – das gilt auch für das eher anschlussarme iPad Pro.

Viele Anschlussmöglichkeiten beim Surface Pro 4

Ein USB 3.0 Port und ein Mini-Display-Port ermöglichen den Anschluss von externen Geräten wie Festplatten oder Bildschirmen. Auch eine 3,5 Millimeter-Buchse für Kopfhörer ist an Bord. Hinzu kommt der Anschluss für die zusätzliche Hardware-Tastatur. Nützlich ist auch der microSD-Kartenslot für das Einlesen von Speichermedien. Zudem die drahtlosen Anschlussmöglichkeiten via Bluetooth 4.0, WLAN nach dem Standard 802.11ac und Miracast.

Surface Dock
Das optional erhältliche Surface Dock bietet Anschlussmöglichkeiten für weitere Geräte. -

Wer allerdings auch mit seinem Surface Pro 4 telefonieren will, muss leider feststellen, dass ein Sim-Karten-Slot weiter nicht im Angebot ist. Den gibt es hingegen beim iPad Pro. Allerdings dürften die meisten Anwender ohnehin ein zusätzliches Smartphone in der Tasche haben. So bleibt die fehlende SIM-Karten-Unterstützung beim Surface Pro  4 für die meisten wohl verschmerzbar.

Konnektivität: Punkt für das Surface Pro 4: Insgesamt 3:3

Den echten Mehrwert für Geschäftskunden bietet beim iPad Pro und Surface Pro 4 die Tastatur (Type Cover). Erst sie macht es möglich, dass sich die Tablet-PCs auch als Notebook-Ersatz nutzen lassen. Die Original-Tastatur für das Surface Pro 4 bietet großzügige Tasten und ein ebenso großzügiges Touchpad, das diesmal aus Glas ist. Der gute Druckpunkt der Tasten bietet ein hervorragendes Schreibgefühl, dass an ein Notebook bzw. Ultrabook heranreicht. Wischgesten lassen sich über das Touchpad präzise und schnell ausführen.

Fehlendes Trackpad beim iPad Pro

Auch die externe Apple-Tastatur für das iPad Pro bietet ein gutes Tippgefühl, das allerdings einen Tick ungenauer ist als beim iPad Pro. Das große Manko ist allerdings, dass Apple auf ein Touchpad völlig verzichtet hat. So gibt es keine Möglichkeit, das iPad wirklich wie ein Notebook zu nutzen. Zwangsläufig muss im Arbeitsprozess trotz Tastatur immer wieder auf die Touchscreen-Steuerung zurückgegriffen werden, um durch die Menüs zu steuern und Anwendungen zu starten.

Tastatur: Klarer Punkt für das Surface Pro 4: 4:3 für das Surface.

Als weiteres Eingabeinstrument steht für beide Modelle ein Stylus zur Verfügung, der auf unterschiedliche Stufen von Druck reagiert und sich so fast wie ein Bleistift benutzen lässt. Beim neuen Surface Pro 4 sind es insgesamt 1.024 Stufen. Mit dem Stift lässt sich auch ein Screenshot erstellen oder One Note starten. Besonders pfiffig: Wie bei einem klassischen Bleistift lässt sich die andere Seite des Stifts als Radiergummi nutzen. Das funktioniert im Test sehr gut.

Type Cover
Das Type Cover gibt es in diversen Farbvarianten. -

Magnetischer Stift beugt Verlust des Surface Pro 4 vor

Auch der Stift des iPad arbeitet sehr präzise. Insgesamt wirkt der Surface Stift aber noch einen Tick fortschrittlicher. Auch weil sich dieser magnetisch am Gehäuse befestigen lässt und dank flacher Kante sehr gut in der Hand liegt. Dagegen ist der Apple Pencil etwas rutschig und kann wegen einer fehlenden Aufbewahrungsmöglichkeit schnell verloren gehen.

Noch besser als Microsoft löst übrigens Samsung das Stift-Problem in seine Galaxy Note Pro. Der lässt sich komplett im Gehäuse versenken und geht somit bestimmt nicht verloren.

Stift: Leichter Vorteil für das Surface Pro 4: 5:3

Als Betriebssystem kommt beim neuen Surface Pro 4 Windows 10 Pro zum Einsatz. Es bietet damit Zugriff auf alle gängigen Windows-Anwendungen, die auch auf Windows-Notebooks zur Verfügung stehen. So steht in dieser Hinsicht einem vollwertigen Arbeitseinsatz nichts im Weg. Allerdings sollte je nach Anforderungsprofil ein Modell mit höherer Ausstattung gewählt werden. Gerade wenn es um grafikhungrige Programme geht.

Stylus
Der Stylus des Surface ist nicht nur ein Stift, sondern bietet auch Radiergummi und Screenshoot-Funktion. -

Das Surface Pro 4 kann je nach aktueller Nutzung zwischen einer Tablet-Ansicht oder eine Notebook-Ansicht gewechselt werden. Das funktioniert im Test ohne Probleme.

Gesichtserkennung per Infrarot-Kamera

Eine Neuerung ist auch, dass sich das Surface über verschiedene biometrische Eingaben entsperren lässt, was für die Sicherheit vor Datenklau ein großer Pluspunkt gegenüber klassischer Passworteingabe ist. Besonders einfach ist die Anmeldung über die Gesichtserkennung per Infrarot-Kamera. Ist das Profil einmal angelegt, reicht es aus, gerade auf den Bildschirm zu blicken, um die Sperre zu lösen.

Das iPad Pro nutzt hingegen nicht das vom MacBook bekannte OS-X-Betriebssystem. Es kommt das vom iPad bekannte iOS zum Einsatz. In der Praxis ist das W indows-Betriebssystem trotz Millionen von Apps bei iOS besser auf Arbeitsanwendungen ausgerichtet.

Betriebssystem: Vorteil für das Surface Pro 4: 6:3

Neben der Infrarot-Kamera spendiert Microsoft dem Surface Pro 4 auch eine verbesserte Hauptkamera zum Fotografieren. Sie bietet nun acht Megapixel (fünf Megapixel beim Surface Pro 3). Die Front- bzw. Selfie-Kamera bietet weiterhin fünf Megapixel.

Microsoft-Kamera nicht auf Smartphone-Niveau

In der Praxis bieten die Aufnahmen bessere Schnappschuss-Qualitäten, reichen aber nicht an gute Smartphone-Kameras heran. Das gilt für die Lumia-Modelle für Microsoft und natürlich auch für die iPhones. Das iPad Pro bietet ebenfalls eine Hauptkamera mit acht Megapixeln, die bereits im iPhone 6 zum Einsatz kam. Die Testbilder sind dennoch etwas besser als beim Surface Pro 4.

Kamera: Vorteil für das iPad Pro. Nur noch 6:4.

Die Akkulaufzeit ist sicher nicht die große Stärke des Surface Pro 4. Bei moderater Nutzung hält das Gerät einen Arbeitstag gut durch. Wer allerdings ständig im Internet unterwegs ist und viele leistungshungrige Programme nutzt, muss sich schon zwischendurch eine Ladestation suchen. Das ist vor allem bei Geschäftsreisen ein Nachteil, wenn nicht immer eine Steckdose verfügbar ist. Die Laufzeit liegt also je nach Nutzung zwischen sechs und neun Stunden.

Im Direktvergleich mit Notebooks ist das immer noch ein guter Wert. Der Akku des iPad Pro hält allerdings etwas länger aus und bringt es auf zehn bis zwölf Stunden Laufzeit.

Akku: Vorteil für das iPad Pro. Endstand: 6:5 für das Surface Pro 4.

Fazit Surface Pro 4 vs. iPad Pro

Das Surface Pro 4 ist eine konsequente Weiterentwicklung, die klare Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger bietet. Nur als Tablet-PC wäre es allerdings überteuert. Doch es eignet sich auch als Notebook-Ersatz und kombiniert somit zwei Geräteklassen erfolgreich in einem Produkt. Allerdings könnte das im Februar erscheinende Surface Book von Microsoft ein noch besserer Notebook-Ersatz sein. Der Test folgt.

Im Vergleich zum sonst ebenbürtigen iPad Pro punktet das Surface Pro 4 vor allem bei wichtigen Business-Eigenschaften wie Tastatur und Betriebssystem.

Für Handwerksunternehmer bekommt das Surface Pro 4 damit eine Kaufempfehlung.

Surface Pro 4 im Video

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Kommentare

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Brigitte Schmidt

Gesichtserkennung des Surface Pro

Ich finde es ja schon irgendwie spuky, dass das Surface mein Gesicht erkennen kann und nur ein kurzer Blick aufs Display reicht. Irgendwie stellt sich da die Frage, ob die Kamera dann immer an ist und was sie noch so mitbekommt und vor allem wohin die Daten so gehen...
Da sollte jeder mal drüber nachdenken, ob er sich wirklich so eine Abhörstation anschaffen möchte.

Florian

iPad sonst nix

Für mich bleibt Apple trotzdem erste Wahl. An das Design kommt nichts heran. Das ist für mich entscheidend.

Hubert

Windows-Tablet

Hätte nicht gedacht, dass Microsoft nochmal den Anschluss schafft. Bin schon gespannt auf das Surface Book.

Erwin

Surface Pro

Ok, dann werde ich wohl Apple den Rücken kehren...

ConnyT

Windows holt auf

Wer hätte das gedacht?!? Windows scheint ja wirklich in Sachen Tablet aufzuholen.