Serie (3): „Mein erstes Mal“ - backen mit Chili und Mango
Das klingt seltsam: eine Torte mit Chili. Gebacken und gegessen wurde sie dennoch - die Mexikaner-Torte. Für die Heike Krohz aus Süßen war der Auftrag ein Glücksfall.
Ihre Kundin, die ihren mexikanischen Bräutigam zur Hochzeit exklusiv überraschen wollte, war eine Grenzgängerin wie sie selbst. Konditormeisterin Heike Krohz, seit 2005 selbstständig, lacht noch heute, wenn sie an den Auftrag denkt. „Zwölf Stunden habe ich gebraucht, um die Torte in Sombreroform zu backen“, sagt die 37-Jährige. Das Schwierige dabei war nicht, die Gaumensymbiose des feurig-scharfen Gewürzes mit Schokolade und Mango zu kredenzen. Eine handwerklich leichte Übung. Richtig aufwändig waren hingegen die Tortenfiguren und der Look: Der modellierte Bräutigam trägt mexikanische Tracht, ein Eselchen und Kakteen zieren das Unikat. „Zum ersten Mal hatte ich eine Kundin, die meine volle Kreativität forderte“, erinnert sich die Süßenerin. Sie hatte schon zuvor rund 100 Auftragstorten gefertigt, die aber meist nur in Details „aus dem Rahmen gefallen“ waren. Diese Torte jedoch war schrill in roter Mango-Optik und dazu noch einem Sombrero nachempfunden. Plastischer konnte man das Thema Mexiko nicht präsentieren.
Die Folge: Die Torte wurde zum Meilenstein der Selbstständigen - sie brachte die Handwerkskünstlerin weit über den Kreis der Hochzeitsgesellschaft als spleenige Zuckerbäckerin ins Gespräch. Lohn der Mühe war ein sprunghafter Anstieg von Anfragen und Aufträgen, so dass sie seither stärker jenseits der Konvention agieren kann. Einen ähnlichen Schub hatte ihr 2007 nur ein Förderpreis gebracht, der ihre Kreativität und ihren unternehmerischen Mut gewürdigt hatte.
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