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Das ist drin im Bier Strengere Kennzeichnung für alkoholische Getränke geplant

Enthält ein Getränk mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol, entfällt die Pflicht zur Angabe der Nährwerte und auch die Zutatenliste muss nicht auf der Flasche abgedruckt sein. Das soll sich nach dem Willen der EU-Kommission künftig ändern. Warum Bierbrauer in Deutschland den Ankündigungen entspannt entgegensehen können und welche Vorgaben für Bier gelten.

Nach dem Willen von Vytenis Andriukaitis, dem zuständigen EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittesicherheit, sollen die Menschen in der Europäischen Union umfassend darüber informiert zu werden, was sie trinken. Die EU-Kommission hat einen Bericht vorgelegt, der besagt, dass es keine objektiven Gründe gibt, warum für alkoholische Getränke Ausnahmen hinsichtlich der Zutatenverzeichnisse und Nährwertdeklarationen gelte. So müssen alkoholische Getränke mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent derartige Angaben bisher gar nicht enthalten.

Genau das soll sich aber künftig ändern. So fordert die EU-Kommission die Getränkehersteller nun auf, innerhalb eines Jahres einen Vorschlag für eine Selbstregulierung vorzulegen, den sie prüfen wolle. Die Branche soll eine Lösung erarbeiten, so dass die fehlenden Angaben bald ausnahmslos auf allen Getränkeverpackungen enthalten sind.

Kennzeichnungspflichten beweisen: "Bier ist keine Kalorienbombe"

Für den Deutschen Brauer Bund kommt die Mitteilung aus Brüssel wenig überraschend. "Im Unterschied zu rund der Hälfte aller EU-Staaten werden in Deutschland, wo seit 500 Jahren das Reinheitsgebot gilt, die Zutaten für Bier bereits seit Jahren auf den Etiketten angegeben. Hier haben andere Staaten noch Nachholbedarf – Deutschland nicht", erklärt Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. Die vier natürlichen Zutaten von Bier – Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – würden schon seit Jahren auf den Etiketten abgedruckt werden.

Auch der Alkoholgehalt wird in Deutschland auf den Bieren transparent gemacht. Hierzu hatten die deutschen Brauer 2014 eine Selbstverpflichtung bekannt gegeben, die zwischenzeitlich auf breiter Front umgesetzt wurde.

Dass auch die Nährwerte und damit der Kalorienverbrauch der Getränke transparenter dargestellt werden sollen, freut den Brauer Bund sogar. "Bekanntlich hat Bier deutlich weniger Kalorien als die vergleichbare Menge an Wein, Apfelsaft oder fettarmer Milch", sagt Huhnholz. Dem weit verbreiteten Missverständnis, Bier sei eine "Kalorienbombe", könne durch mehr Transparenz bei den Nährwerten positiv entgegengewirkt werden.

Biergeschichte in Bildern

Welche Nährwerte hat Bier?

"Wir wissen, dass viele Verbraucher die Getränke ihrer Wahl gerne vergleichen wollen", fügt der Pressesprecher hinzu. Dafür würden sie transparente Informationen benötigen. Obwohl die Veröffentlichung der Nährwertangaben für Bier auch jetzt noch keine Pflicht sei, würden zahlreiche deutsche Brauereien die Werte ihrer Biere bereits auf ihren Webseiten transparent machen. "Wir stehen der aktuellen Diskussion auf europäischer Ebene offen gegenüber", so Huhnholz.

Untätig waren Brauer bei dem Thema aber auch in anderen EU-Ländern bislang nicht. So gibt es auch eine Initiative des Dachverbands der europäischen Brauer, die zu mehr Transparenz hinsichtlich der Zutaten und der Nährwerte aufruft.

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