Meisterstücke -

Stoßdämpfer für den Pferdefuß

Hufschmied Rudolf Pellkofer hat einen neuartigen Beschlag entwickelt, der Pferden den Auftritt erleichtert.

Es herrscht Jahrmarktstimmung. Hunderte von Menschen stehen am Straßenrand und sehen bunt geschmückten Gespannen zu, die durch die Straße ziehen. Da gibt es elegante Zweispänner, herrschaftliche Kutschen und bäuerliche Fuhrwerke, dazwischen immer wieder Reiter und Rösser, alle liebevoll herausgeputzt, die Reiter mit blank gebürsteten Stiefeln in schmucker Reiterkluft, die Pferde mit stilvoll geflochtenen Mähnen und Schweifen. Die Leonhardifahrt in Bad Tölz, die seit 1855 zu Ehren des Heiligen Leonhard von Limoges, des Schutzpatrons der Pferde, jedes Jahr um den 6. November stattfindet, ist eine farbenfrohe Attraktion. Auch in vielen anderen Orten in Bayern ist dieser Brauch zu finden und die Besucher genießen die Atmosphäre, den warmen Geruch der Pferdeleiber und das laute Klappern der Hufe auf dem Asphalt - ein Geräusch, das jedes Kind von klein auf kennt, dieses harte und rhythmische Klackern, wenn der mit Eisen beschlagene Pferdehuf auf den Straßenbelag trifft.

Ein guter Schmied lernt vom Pferd

Genau dieser harte Aufprall macht den Pferden jedoch oft zu schaffen und führt nicht selten zu schmerzhaften Überlastungen der Hufe und Sehnen, weiß Rudolf Pellkofer aus dem niederbayerischen Mitterfels. Er ist staatlich geprüfter Hufbeschlagschmied, so die korrekte Bezeichnung für den Beruf des Hufschmieds. Der Schmiedemeister hat deshalb einen neuartigen Verbundbeschlag entwickelt, der den Aufprall der Hufe auf den Boden dämpft und den Tieren ein angenehmeres und stressfreieres Laufen verschafft. „Es hat mich schon immer gefuchst, dass es bislang keinen Hufbeschlag gab, der den Bedürfnissen der Pferde gerecht wird und der universell einsetzbar ist“, sagt Pellkofer, dessen Herz mit Leidenschaft für die herrschaftlichen Vierbeiner schlägt.

1995 kam ihm erstmals die Idee für seinen Verbundbeschlag. Pellkofer experimentierte immer wieder mit verschiedenen Materialien, bis er schließlich eine Lösung fand: Auf einen Metallträger, heute aus Aluminium oder Stahl, schraubte er einen profilierten Laufbelag aus Kunststoff. Zusätzlich erhielt der Beschlag ein bewegliches Mittelstück, den sogenannten Core Chip. Auf diesem liegt der Strahl im Huf auf. Er wird durch das Nachgeben des Core Chips in der Bewegung abgefedert. Diese Dämpfung setzt sich bis ins Bein fort. „Das Pferd erfährt eine sofortige Entlastung von Sehnen und Gelenken“, erklärt Pellkofer begeistert. Der natürliche Bewegungsablauf wird unterstützt und optimiert.

Bei der Entwicklung des Verbundbeschlags hat Pellkofer verschiedene Varianten ausprobiert und sich immer wieder genau angesehen, wie die Pferde darauf reagieren. „Ein guter Hufschmied lernt vom Pferd“, lautet seine Devise. Außerdem hat er eng mit verschiedenen Tierärzten zusammengearbeitet, vor allem mit der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Wien. Studien wurden erstellt, bei denen mehrere Pferde mit unterschiedlichen Beschwerden des Bewegungsapparats über ein Dreivierteljahr genau untersucht wurden.

Es gab Vergleiche mit herkömmlichen Beschlägen sowie mit Barhuftieren, das Beschleunigungs- und Dämpfungsverhalten wurde überprüft, die Intensität der Schmerzen bei den Pferden gemessen. Am Ende erhielt Pellkofer einen Endbericht, der seinem Verbundbeschlag eine signifikante Reduzierung des Hufaufpralls sowie eine deutliche Besserung der Lahmheit bescheinigte. Zusätzlich darf er sich das offizielle Siegel der Veterinärmedizinischen Universität anheften und für Marketingzwecke verwenden. Eine seltene Auszeichnung.

Stoßwellen werden nicht weitergeleitet

Im Moment wird Pellkofers Verbundbeschlag vor allem in der Orthopädie eingesetzt und trägt dazu bei, dass Tiere, die aufgrund von Erkrankungen wie Arthrose, Hornspalten oder einer Strahlbeinabsenkung lahmen, wieder beschwerdefrei laufen können. Grundsätzlich bringt der Verbundbeschlag aber allen Pferden Vorteile. So profitieren etwa Sportpferde, die einer hohen Trainingsbelastung ausgesetzt sind, weil sich durch die Dämpfung der Verschleiß von Gelenken, Sehnen und Hufen spürbar verlangsamt. Dadurch, dass die Köpfe der Hufnägel keinen unmittelbaren Kontakt mit dem Boden haben, werden die Stoßwellen beim Auftreten nicht mehr über die Nägel in die Lamellenschicht weitergeleitet. So gibt es dort und an der Tragfläche des Hufes keine Prellungen mehr und auch keine Blutergüsse (Steingallen) in der Sohle.

Ist der Laufbelag aus Kunststoff abgenutzt, lässt er sich durch die Anbringung auf dem Trägereisen mittels Schrauben schnell auswechseln, ohne dass der komplette Beschlag erneuert werden muss. Dadurch und auch, weil die Pferde länger gesund bleiben, sind die höheren Kosten schnell wieder hereingeholt. 62 Euro pro Huf - ein herkömmlicher Beschlag liegt zwischen 30 und 40 Euro - kostet ein Verbundbeschlag mit einem Stahlträger, der aus Aluminium ist etwas teurer. Dafür reduziert sich der Preis beim Auswechseln des Laufbelags auf 40 Euro. Die höheren Kosten sind einesteils dem Material geschuldet, anderenteils dem Anbringen des Beschlags, das aufwendiger ist und einiges Geschick des Hufschmieds erfordert. Deshalb ist Rudolf Pellkofer bislang noch einer der wenigen, der mit seinem Verbundbeschlag arbeitet.

Pellkofer rangiert unter den Besten

Aber der zweifache Familienvater ist heiß begehrt. In der Reitbranche kennt man ihn, immerhin zählte er bereits 1996 im Ranking eines Pferdesportfachblatts in den Westernreitdisziplinen zu den besten Hufschmieden Europas. „Ein guter Hufschmied ist wie ein guter Zahnarzt“, sagt Pellkofer verschmitzt. Er hat, wie die meisten seiner Kollegen, seine Stammkunden, die er mit seiner fahrbaren Schmiede vor Ort betreut. Diesen Kundenstamm muss man sich hart erarbeiten, denn wie beim Zahnarzt wechselt auch ein Pferdebesitzer den Hufschmied nur ungern. „Man muss sich von unten nach oben arbeiten und sich durch sein Können weiterempfehlen“, sagt Pellkofer.

Stehenbleiben ist auch in dieser traditionsbewussten Branche nicht drin, vor allem der enge Kontakt mit der Veterinärwissenschaft ist wichtig. „Jedes Jahr gibt es neue Erkenntnisse, die in Orthopädietechnikkongressen vorgestellt werden“, erzählt Pellkofer. „Da muss man hin und sich informieren, denn ein guter Hufschmied arbeitet heute eng mit den Tierärzten zusammen und wird auch oft in der Klinik gebraucht.“

Ursprünglich hat Rudolf Pellkofer Kunstschmied gelernt, bei einem Handwerksbetrieb in Straubing. Nach Bundeswehr und einem Praktikum bei einem Münchner Hufbeschlagmeister fand er seine Berufung. In Augsburg machte er die Ausbildung zum Schmiedemeister und an der Hufbeschlagschule Schwaiganger absolvierte er die Prüfung zum staatlich geprüften Hufbeschlagschmied. Seit 1985 ist er selbstständig. Immer stand die Liebe zum Pferd für ihn im Vordergrund. „Wenn ein Pferd durch mich besser laufen kann und sich wohl fühlt, ist das das Höchste für mich“, sagt Pellkofer. Sein Verbundbeschlag ist inzwischen international zum Patent angemeldet.

Pellkofer will seinen Beschlag jetzt bekannt machen und bei möglichst vielen Pferden zum Einsatz bringen. Dafür tüftelt er noch an einer Variante, die sich einfacher, schneller und damit kostengünstiger am Huf anbringen lässt. Geplant sind außerdem in Zusammenarbeit mit dem Tierärzteverband und den Hufbeschlagschulen Seminare, um die Kollegen mit seiner Erfindung vertraut zu machen.

DHZ zum Hören: Audioversion unter www.deutsche-handwerks-zeitung.de/zumhoeren

Weitere Informationen unter rp-hufbeschlag.com.

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Monika Kings

Segment Beschlag

Habe nur gutes von diesem Beschlag,erfahren und werde ihn sicherlich testen,bei meinem 13 järigen Quarter Hors setze hoffnung in diesem Beschlag,