Die Eurokrise wird die deutsche Wirtschaft nach Auffassung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute weiter belasten. Auch die Konjunktur im deutschen Mittelstand beginnt sich abzukühlen. Die Mittelständler sind aber immer noch eine wichtige Stütze für die gute Situation in Deutschland.
"Daher wird die konjunkturelle Expansion vorerst schwach bleiben und erst im Verlauf des kommenden Jahres wieder leicht anziehen", schreiben die Institute in ihrem in Berlin vorgestellten Herbstgutachten.
Die Ökonomen prognostizieren für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem und 1,0 Prozent im nächsten Jahr. Die Arbeitslosenzahl soll leicht steigen, auf 2,903 Millionen 2013 von 2,892 Millionen 2012.
Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, massiv Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen, bewerten die Institute kritisch. "Damit steigt die Inflationsgefahr", heißt es im Gutachten. Auch werde eine stark restriktive Finanzpolitik die Nachfrage in den USA im kommenden Jahr dämpfen. In China dagegen sehen die Experten ein Anziehen der Konjunktur.
Die Stimmung trübt sich nun auch in Deutschland ein: Nur noch 54 Prozent der Unternehmen bewertet laut der Creditreform die Geschäftslage der vergangenen sechs Monate mit „sehr gut“ oder „gut“. Im vergangenen Herbst lag dieser Anteil noch bei 60,5 Prozent. Die Creditreform stellte in München ihre Umfrageergebnisse zur "Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand" vor.
Hinsichtlich der Geschäftserwartungen geben sich die Mittelständler zurückhaltender. So vergibt nur noch knapp die Hälfte der Befragten (48,1 Prozent) gute Noten für die zukünftige Geschäftslage. Im vergangenen Herbst war der Mittelstand noch deutlich positiver eingestellt (58,4 Prozent).
Der Anteil der Unternehmen, die von einer Verschlechterung der Lage ausgehen, ist von 2,3 auf 4,0 Prozent gestiegen. Die Auftragseingänge sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Konnten im Vorjahr noch 36,6 Prozent der befragten Betriebe ein Auftragsplus vermelden, sind es im Herbst 2012 nur noch 29,6 Prozent.
Lediglich die Baubranche bildet eine Ausnahme. Knapp 41 Prozent der Bauunternehmer gaben bei der Befragung durch die Creditreform an, dass ihre Auftragseingänge in den vergangenen Monaten zugenommen haben.
Mit einer abflauenden Auftragslage haben sich auch die Umsätze im Mittelstand insgesamt rückläufig entwickelt. Nur noch jedes dritte Unternehmen (32,5 Prozent) berichtet von gestiegenen Umsätzen, nachdem dies im vergangenen Herbst noch bei 40,7 Prozent der Unternehmen der Fall war. Und bei fast jedem fünften Unternehmen (18,3 Prozent, Vorjahr: 11,7 Prozent) sind die Umsätze im vergangenen halben Jahr gesunken.
In den kommenden Monaten zeichnet sich laut der Creditreform aber eine "leichter Entspannung" der Ertragslage ab. Zusammenfassend kühlt sich die Lage ab, es jedoch keine "Rezession", sagte Prof. Dr. Helmut Rödl von der Creditreform bei der Vorstellung der Herbstumfrage am Mittwoch in München.
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sagte zum Herbstgutachten, es sei erfreulich, dass die deutsche Wirtschaft wächst. Schwannecke: "Für die Handwerkswirtschaft bleibt ausschlaggebend, ob sich der Binnenmarkt weiter so gut entwickelt. Die Rahmenbedingungen gerade für kleine und mittlere Unternehmen müssen dazu dauerhaft gestärkt werden. Der Beschleunigung der Energiewende mit einer Regelung steuerliche Anreize zur energetischen Gebäudesanierung oder der mittelstandsgerechten Fortentwicklung des Steuersystems, insbesondere dem Abbau der "kalten Progression" kommen hier eine besondere Bedeutung zu." dapd/rh
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