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Betriebssport: Kosten, Rechte und Alternativen im Überblick Sport machen für und wegen der Arbeit

Sport hält gesund, fit, hilft gegen Stress und motiviert zu besseren Leistungen – auch im Job. Betriebe können ihren Mitarbeitern über ganz unterschiedliche Wege zu mehr Bewegung verhelfen und dabei selbst profitieren: klassischer Betriebssport, Gesundheitskurs oder Rückenschule am Arbeitsplatz. Kosten, Rechte und Alternativen im Überblick.

Immer wieder wird von Topmanagern berichtet, die neben einer 60-Stunden-Woche noch mehrere Stunden im Fitnessstudio verbringen oder täglich joggen gehen. Wer beruflich Erfolg hat, macht Sport. Oder anders herum: Sport macht erfolgreich. So die Botschaften, die mit solchen Berichten vermittelt werden. Doch auch wenn man das Thema Beruf und Sport nicht so stark zuspitzt, ist durchaus etwas dran, dass sich Sport und Bewegung positiv auf den Beruf auswirken können.

Natürlich ist Sport kein Garant für Erfolg. Dennoch hat regelmäßiges Training Folgen auch für den Beruf. Studien zeigen, dass sich die Eigenschaften, die im Sport wichtig sind auch im Job nützlich sein können: Disziplin, Ehrgeiz und ein höheres Selbstwertgefühl, weil Sport das körperliche Wohlgefühl stärkt. Auch der Umgang mit Stress wird im Sport – genauer gesagt bei Wettkämpfen – trainiert.

In Zeiten eines steigenden Renteneintrittsalters und des Fachkräftemangels, der einen langen Verbleib auch älterer Mitarbeiter im Beruf notwendig macht, macht es für Arbeitgeber umso mehr Sinn die eigenen Mitarbeiter und auch sich selbst zur sportlichen Betätigung zu motivieren – ob als Betriebssport, über eine Zuschuss zu Sportkursen oder als arbeitsplatzbezogene Gesundheitskurse. Doch welche Möglichkeiten gibt es, wo bekommt man als Betrieb Unterstützung und was gilt dabei arbeitsrechtlich?

Sport im Betrieb: Freiwillige Angebote

Eines vorweg: Grundsätzlich gibt es keine konkrete Rechtsgrundlage für die Durchführung von Betriebssport, da es sich um ein freiwilliges, betriebsspezifisches Angebot handelt. Dennoch gibt es Vorgaben hinsichtlich der Unterstützung durch die Krankenkassen, durch den Staat und die Berufsgenossenschaften. Am Anfang steht allerdings erst einmal der Wille des Arbeitgebers, dass er seinen Mitarbeitern Sport anbieten möchte – ob zur körperlichen Prävention, zur Stärkung des Teamgedankens oder als Zusatzleistung, die das Arbeiten in seinem Betrieb attraktiv machen soll oder für all diese Vorteile gemeinsam.

„Bestenfalls macht der Chef auch selbst mit und ist ein Vorbild für die Mitarbeiter“, rät  Thomas Wollermann vom Institut für betriebliche Gesundheitsförderung, das zur AOK Rheinland/Hamburg gehört. Thomas Wollermann ist Fachberater für Ergonomie und Rückengesundheit, kennt sich aber auch mit den verschiedenen Formen der betrieblichen Sportangebote aus und berät Betriebe.

Die entscheidenden Fragen für den Start sind: Soll es einmalige oder regelmäßige Angebote geben, soll eine bestimmte körperliche Belastung – wie etwa schweres Heben oder das Arbeiten über Kopf – ausgeglichen werden und wie stark soll das Sportangebot in den betrieblichen Ablauf selbst eingebunden bzw. eventuell sogar in den Betriebsräumen stattfinden?

In vielen Fällen entscheidet hier die Betriebsgröße mit, denn kaum ein Zwei-Mann-Betrieb wird extra Sporträume haben und keine Firma mit 50 Mitarbeitern kann ein pauschales Sportangebot machen, für das sich alle gleichsam begeistern können. Thomas Wollermann weist deshalb erst einmal auf den klassischen Betriebssport über den örtlichen Betriebssportverband hin.

Das zeichnet den klassischen Betriebssport aus

Hier kann jeder Arbeitgeber Mitglied werden und so seinen Mitarbeitern ermöglich, kostenlos die Sportangebote zu nutzen, die der Verband über verschiedene Kooperationspartner im jeweiligen Ort im Programm hat. Kostenlos für die Mitarbeiter bedeutet allerdings nicht kostenlos für den Chef. Dieser bezahlt den Mitgliedsbeitrag für den örtlichen Betriebssportverband. Damit können alle Mitarbeiter des Unternehmens an den vielfältigen Angeboten teilnehmen. Für die Teilnahme am Betriebssport und für die entsprechenden Fahrzeiten sind die Mitarbeiter in der Regel berufsgenossenschaftlich versichert.

Von Vorteil ist der klassische Verbandsbetriebssport dennoch, denn einerseits erledigt der Anbieter das Organisieren des Sportangebots, andererseits gibt es so meist eine große Auswahl an Kursen und Trainingsmöglichkeiten aus denen der Arbeitnehmer wählen kann. Zudem kann er auch selbst entscheiden, wann das Sportprogramm stattfinden soll – denn das geschieht in der Freizeit und nicht während der Arbeitszeit.

Dennoch sind die Zeit, die ein Arbeitnehmer beim Betriebssport verbringt, und auch der Weg dorthin und wieder nach Hause über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. „Im Falle eines Unfalls haben die Betroffenen dann eine exklusivere medizinische Betreuung“, sagt Thomas Wollermann.

Da es sich für die wenigsten kleinen Betriebe organisieren lässt, im eigenen Unternehmen einen Sportkurs anzubieten, kann man als Arbeitgeber über den klassischen Betriebssport sowohl die Infrastruktur der Betriebssportvereine als auch das Know-how der Trainer nutzen, die hier mitwirken.

Gesundheitskurse der Krankenkassen: die Vorteile

Ähnlich ist das bei den Gesundheitskursen der Krankenkassen, die auch dazu beitragen sollen, dass Arbeitnehmer fit und gesund sind und so präventiv möglichen Verschleißerscheinungen vorbeugen können. Diese Gesundheitskurse gehen allerdings allein auf die Initiative des Arbeitnehmers zurück bzw. kümmert dieser sich alleine darum, welchen Kurs er besuchen möchte und dass die eigene Krankenkasse ihn bezahlt bzw. bezuschusst. Die Kurse finden ebenfalls in der Freizeit statt, aber für sie gilt kein Unfallschutz über die gesetzliche Versicherung.

Sehr häufig handelt es sich bei den Kursen um spezielle Gymnastik, die dem Rücken zugutekommt oder die ein Mehr an Bewegung in den Alltag bringt. "Damit die Krankenkasse Kosten des Kurses übernimmt, sollte man vor Beginn abklären, ob die Kursleiter eine entsprechende Qualifizierung haben und von der Krankenkasse anerkannt sind", rät Thomas Wollermann. In der Regel trägt die Kasse dann 75 Euro pro Kurs oder einen prozentualen Anteil.

Etwas anders organisiert sind dagegen die arbeitsplatzbezogenen Angebote der Krankenkassen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Auch dabei geht es um Prävention und ganz einfach darum, dass sich die Arbeitnehmer im Alltag mehr bewegen und besondere Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, entgegenwirken. Sollen die eigenen Mitarbeiter beispielsweise Übungen als Ausgleich für langes Stehen oder Sitzen, schweres Heben oder das Arbeiten über Kopf lernen, kann dafür extra ein Fachmann in die Firma kommen und genau dafür Anleitungen geben und über häufige Fehler aufklären. Auch der Arbeitsplatz selbst und seine ergonomische Ausrichtung werden dabei überprüft. Kosten entstehen dabei für den Unternehmer, die von den Krankenkassen übernommen werden können.

Auf Kosten des Chefs ins Fitnessstudio

Anders sieht das aus, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Mitgliedsbeiträge von Fitnessstudios bezahlen bzw. bezuschussen. Dann entstehen für sie selbstredend Kosten, die sie teilweise aber wieder steuerlich absetzen können (siehe Infokasten). Meist sind solche Angebote eher für große Firmen attraktiv, die dies einer größeren Zahl von Mitarbeitern anbieten und so auch mit den Fitnessstudios gute Rabatte aushandeln können.

Ein Nachteil, den aber auch viele andere Sport- und Bewegungsmöglichkeiten haben, die nicht in der Firma selbst stattfinden: eine Stärkung des Teamgefühls kann kaum stattfinden, wenn jeder sein eigenes Sportprogramm gestalten kann. Wer dies erreichen will, sollte eventuell einmal darüber nachdenken, die Mitarbeiter dazu zu motivieren, beispielsweise eine Laufgruppe zu gründen und dann als Team bei einem Firmenlauf teilzunehmen. Statt wie einzelne Manager, die vor dem ersten Meeting eine Runde in Turnschuhen durch den Stadtpark flitzen, sieht man dann ja vielleicht bald ganze Handwerkergruppen von Baustelle zu Baustelle joggen – gemeinsames Training.  

Fitnessstudio und Betriebssport: Finanzamt übernimmt Kosten

Zahlungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und zur betrieblichen Gesundheitsförderung für Arbeitnehmer sind bis zu 500 Euro im Jahr steuerfrei (§ 3 Nr. 34 EStG). Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um eine Zahlung handelt, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wird.

Gesundheitsförderung: Welche Maßnahmen sind steuerfrei? 

Nicht alle Maßnahmen fallen unter diese Steuervergünstigung. Steuerfrei ist die Übernahme bzw. Zuzahlung vor allem für folgende Maßnahmen: Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtmittelkonsum. Es muss sich zudem um aktive Maßnahmen handeln bzw. um Anleitungen zu einem bestimmten Verhalten. Bloße Mitgliedsbeiträge an Sportvereine und Fitnessstudios sind deshalb nicht automatisch auch begünstigt.

Zahlt ein Arbeitgeber dagegen für einen Rückenkurs im Fitnessstudio, wobei der Arbeitnehmer keine Mitgliedschaft bekommen darf, sind Zahlungen des Arbeitgebers für diese Maßnahme bis zu 500 Euro im Jahr steuerfrei.

Kosten fürs Fitnessstudio: So zahlt der Chef keine Steuern

Auch Kosten für das Fitnessstudio des Arbeitnehmers können auf das Finanzamt umgewälzt werden: Laut § 8 Abs. 2 Satz 1 Einkommensteuergesetz sind Zuzahlungen im Wert von maximal 44 Euro pro Monat lohnsteuerfrei erlaubt.

Fälschlicherweise wird oft angenommen, Arbeitgeber können die Gebühren der Mitarbeiter fürs Fitnessstudio nicht lohnsteuerfrei bezahlen. Das allerdings trifft nur für Zahlungen zur Gesundheitsförderung nach § 3 Nr. 34 EStG zu. Anders verhält es sich laut § 8 Abs. 2 Satz 1 Einkommensteuergesetz: Hier sind Leistungen an den Arbeitnehmer, die nicht in Geld fließen - sogenannte Sachbezüge - immer dann steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn der Wert dieses Sachbezugs brutto nicht mehr als 44 Euro im Monat beträgt.  

Die Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen so ausgestaltet sein, dass dem Arbeitnehmer immer nur eine Leistung oder eine Ware zusteht, niemals aber Barlohn.

Je nach Vertragssituation mit dem Fitnessstudio gilt also: Ist der Arbeitgeber Vertragspartner, liegt ein Sachbezug vor, wenn der Arbeitnehmer Leistungen im Fitnessstudio bis zu 44 Euro pro Monat abrufen darf. Ist hingegen der Arbeitnehmer Vertragspartner, liegt kein Sachbezug vor, sondern Barlohn. Die Übernahme der Kosten wäre hier lohnsteuerpflichtig. dhz

Hier bekommen Betriebe Infos zu Sportprogrammen für ihre Mitarbeiter

  • Aktuell nehmen in Deutschland rund 300.000 Arbeitnehmer aktiv am organisierten Betriebssport teil und haben dabei eine Auswahl von über 70 verschiedenen Sportarten und Sportaktivitäten. Infos geben die Landesverbände des Deutschen Betriebssportverbands unter betriebssport.net 
  • Infos zu den Gesundheitskursen der Krankenkassen geben die gesetzlichen Kassen auf ihren Websites.
  • Mehr zur betrieblichen Gesundheitsförderung erfahren sie auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums unter bundesgesundheitsministerium.de
 
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