Stromspeicher könnten bald bezahlbar sein - Umwelt + Energie - deutsche handwerks zeitung

Umwelt + Energie - 19.07.2012

Erneuerbare Energien

Stromspeicher könnten bald bezahlbar sein

Die Energiewende hinkt ihrem Zeitplan hinterher, Zweifel an den Zielen werden laut. Sowohl die Solarbranche als auch die Elektromobilität sind noch massiv abhängig von finanzieller Förderung. Das Problem liegt in der Speichertechnik. Sie ist teuer und noch zu wenig effizient. Doch das Fraunhofer-Institut prognostiziert große technische Fortschritte und Vorteile für Betriebe, die viel Energie verbrauchen. - Von Jana Tashina Wörrle

jama/Fotolia
Ohne effizientere Stromspeicher wird es die Energiewende in Deutschland langfrisitig schwer haben. Doch die Forscher erwarten schon bald rasante Fortschritte.

Mit aller Kraft hat die Solarbranche gegen die schrittweise Zurückstufung der Einspeisevergütung gekämpft. Durchsetzen konnte sie sich jedoch nicht. Die Bundesregierung hat die staatliche Förderung trotzdem gekürzt. Doch wenn es heute schon möglich wäre, den selbst erzeugten Solarstrom vollständig selbst zu nutzen, wäre die Diskussion um Fördergelder und Strompreise überflüssig.

Ähnlich sieht es auch bei den Elektrofahrzeugen aus. Sie sollen eine Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bieten und da die Preise für Benzin und Diesel ständig ansteigen, langfristig auch günstiger sein. Doch bislang ist das Gegenteil der Fall. Sie sind noch so teuer, dass sich die Anschaffung für kaum einen Autofahrer oder Handwerksbetrieb lohnt.

"Selbst wenn der Strompreis um 10 oder 15 Prozent steigt, sind die Mobilitätskosten eines Elektroautos noch um 300 Prozent günstiger als bei Autos mit Verbrennungsmotor", erklärte der Präsident des Bundesverbands eMobilität, Kurt Sigl, als Reaktion auf die Ankündigung von Bundesumweltminister Peter Altmaier, dass die Ziele beim Ausbau der E-Mobilität voraussichtlich nicht erreicht werden können.

Die Speicher sind zu schwach und zu teuer

Als problematisch sieht Sigl vor allem den hohen Anschaffungspreis der Fahrzeuge an. Ausschlaggebend für den hohen Preis sind vor allem die eingebauten Stromspeicher. Sowohl beim den Elektrofahrzeugen als auch beim Solarstrom verzögern die zu schwachen und zu teuren Speichermöglichkeiten bislang noch, dass diese grünen Technologien von einer breiten Masse genutzt werden.

An dieser Stelle steckt die Energiewende aktuell in einer Sackgasse. Und angesichts der Probleme werden auch die Zweifel an den Plänen der Regierung stärker. Sogar Bundeswirtschaftsminister Rösler hat nun zugegeben, dass über eine Streckung des Zeitplans nachgedacht werden müsse. Die Bundesregierung hatte im Frühjahr 2011 unter anderem den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 beschlossen. Bis 2020 sollten rund eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein und 35 Prozent des Stromverbrauchs über erneuerbare Energien gesichert sein.

Auch für Umweltforscher liegt der Schlüssel zum Erfolg bei der Energiewende in der Speichertechnologie. "Ohne Speichertechnologien wird der Ausbau der erneuerbaren Energien schwer vorankommen", sagt Matthias Vetter vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Er ist jedoch der Meinung, dass Energiespeicher nur dann Erfolg haben, wenn sie sowohl auf die Stromnetze als auch auf eine intelligente Energiesteuerung in den Haushalten abgestimmt sind. Die Forschung auf diesem Gebiet kommt zwar mit riesigen Schritten voran, aber noch immer ist es nicht gelungen, die Speicher so günstig zu machen, dass sie sich heute auch für Privatverbraucher oder kleine Betriebe lohnen. In drei bis vier Jahren könnte sich das allerdings ändern.

Solaranlagen sind effektiv, das haben sie in diesem Jahr schon mehrmals bewiesen als Rekordergebnisse bei der Sonnenstromproduktion gemeldet wurden. Doch meist können die Verbraucher den Strom gar nicht in Gänze nutzen, weshalb er ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Ein wenig anders sieht es bei energieintensiven Unternehmen wie Bäckereien aus, die ihre Stromversorgung über Solaranlagen sichern. Sie profitieren, wenn die Sonne ordentlich brutzelt und sie den eigenen Strom nutzen können. Doch auch sie sind auf eine zuverlässige und konstante Stromversorgung angewiesen und dafür bedarf es besserer und günstigerer Speicher.

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