Deutsche Handwerksbetriebe suchen Fachkräfte und Auszubildende – nun auch in Spanien: Ein Frankfurter Karosseriebauer versucht es auf eigene Faust; die Handwerkskammer für München und Oberbayern startet ein Modellprojekt. Doch es gibt auch Probleme für Spanier in Deutschland: Heimweh und Sprachbarrieren. - Von Christina Geimer
"Wir haben fünf Lehrstellen frei, wie bekommen wir ausländische Auszubildende" – diese Frage stellte sich Karosseriebauer Harald Beckl schon vor Monaten. Im hessischen Langenselbold kämpft er mit Besuchen in Schulen und Aktionen wie einer "Nacht der Bewerber" oder einem Chorkonzert in der Werkstatt schon lange um Lehrlinge.
Doch die Suche ist schwierig. Nun macht sich ein befreundeter Banker, der gerade in Madrid arbeitet, für Beckl auf die Suche nach Nachwuchskräften. Mit der Idee, spanische Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen, ist er nicht alleine. Auch in München meldeten sich auf Anhieb viele Betriebe, als die Handwerkskammer für München und Oberbayern einen Modellversuch begann, um Spanier nach München zu holen.
"Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise herrscht unter anderem auf dem spanischen Arbeitsmarkt eine Jugendarbeitslosigkeit von fast 50 Prozent. Im oberbayerischen Handwerk fehlen dagegen Fachkräfte. Deshalb hat die Handwerkskammer gemeinsam mit mehreren Partnern ein Projekt gestartet. Dabei sollen ausgelernte Fachkräfte und Absolventen spanischer Ausbildungsgänge im Handwerk an oberbayerische Betriebe vermittelt werden", erklärt Heinrich Traublinger, MdL a. D., Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Die Handwerkskammer will zunächst zwanzig Spanier in Münchener Handwerksbetriebe vermitteln. Derzeit beantragt die Handwerkskammer über die bayrische Landesregierung Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds. Wenn eine Zusage kommt, kann es losgehen: Denn die Betriebe haben Interesse und das spanische Konsulat will auch kooperieren.
"Um auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchstarten zu können, müssen die Interessenten vorher einen Deutsch-Crashkurs absolvieren und eventuell punktuell nachqualifiziert werden", erläutert Traublinger. Zwei Wochen sollen die Handwerker in den Betrieben arbeiten, um zu sehen, ob noch fachliche Lücken bestehen. Bei Bedarf helfen die Innungen dann bei der Schulung. Es sollen nur ausgebildete Fachkräfte mit ersten Deutschkenntnissen vermittelt werden.
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