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Stromkostendynamik für Handwerksbetriebe belastend Sieben Forderungen des ZDH zur Strompreisentwicklung

Für mittelständische Handwerksbetriebe steigen die Stromkosten kontinuierlich an. Schuld daran sind laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die EEG-Umlage und das Netzentgelt. Was der Verband deshalb fordert.

Die Stromrechnung für mittelständische Betriebe steigt nahezu durchgängig: Belief sich der Endkundentarif 2010 noch durchschnittlich auf 23,7 Cent/kWh, lag er im vergangenen Jahr bei 28,8 Cent/kWh und soll weiter steigen. Für Betriebe erreicht die Stromkostendynamik zunehmend die Belastungsgrenze und bedroht insgesamt die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Denn die wesentlichen Kostentreiber bei den Strom-Verbrauchstarifen sind laut Verband energiewendebedingt.

Maßgeblich verantwortlich für den Anstieg der Strompreise sind die EEG-Umlage sowie das Netzentgelt.

Kostentreiber EEG-Umlage

Die EEG-Umlage deckt die Differenz zwischen der Einspeisevergütung für Strom aus Erneuerbaren Energien (EE-Strom), den die Übertragungsnetzbetreiber den Anlagenbetreibern zu entrichten haben und dem Marktpreis für Gesamtstrom an der Strombörse. Da die Börsenpreise für Strom seit mehreren Jahren fallen, steigt die EEG-Umlage entsprechend. Im laufenden Jahr erreicht sie einen neuen Höchststand von 6,354 Cent/kWh.

Darüber hinaus steigt die EEG-Umlage auch deshalb, weil die bestehenden Ausnahmeregelungen für Großkunden zu finanzieren sind: Rund 2.000 stromintensive Großverbraucher erhalten über die "besondere Ausgleichsregelung" einen Nachlass, der allein im letzten Jahr 4,8 Milliarden Euro betrug.

Netzentgelt gestiegen

Ein weiterer energiewendebedingt steigender Kostenfaktor ist das Netzentgelt, über das die Kosten des Netzausbaus, aber auch weitere Folgekosten der Energiewende finanziert werden. Hierzu zählen zum Beispiel Entschädigungszahlungen an EE-Anlagenbetreiber für nicht abgenommene Strommengen. Diese betrugen 10,2 Millionen Euro im Jahr 2010 und im ersten Halbjahr 2015 bereits rund 150 Millionen Euro. Kosten für die Überbrückung von Netzengpässen (Redispatching) betrugen im gesamten Jahr 2014 186 Millionen Euro und 250 Millionen Euro allein im ersten Halbjahr 2015.

Das Netzentgelt erreicht für Endverbraucher in diesem Jahr im Durchschnitt 7,27 Cent/kWh – knapp 5 Prozent mehr gegenüber 2015.

Forderungen des ZDH

Die bestehende Kostendynamik muss abgebremst werden, um wirtschaftliche Tragfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende nicht in Frage zu stellen. Der ZDH stellt folgende Forderungen:

  • Die Entlastungen stromintensiver Großverbraucher bei der EEG-Umlage aus wettbewerbsspezifischen Gründen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und muss daher aus Budgetmitteln statt seitens der Endverbraucher finanziert werden.
  • Für Unternehmen, die auf denselben Märkten in Wettbewerb zueinander stehen, müssen jeweils die gleichen Regeln zur EE-Umlageermittlung gelten, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
  • Sofern politische Entscheidungen den Netzausbau erkennbar verteuern (wie der "Erdverkabelungskompromiss" der Koalitionspartner Anfang Juli 2015), müssen diese Mehrkosten budgetär gedeckt werden.
  • Auch Eigenverbraucher selbsterzeugten EE-Stroms benötigen ein leistungsfähiges, stromwendegeeignetes Stromnetz. Der Eigenverbrauch muss daher bei der Festsetzung der Netzentgelte mitberücksichtigt werden. Im Gegenzug ist die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch zu streichen, da bei wachsendem Eigenverbrauch die über die EEG-Umlage finanzierte Deckungslücke tendenziell zurückgeht.
  • Eine rasche Marktintegration der EE-Stromerzeugung durch Einführung einer tatsächlichen, statt der bisher gleitenden Marktprämie und Übernahme der Abregelungsrisiken durch die EE-Anlagenbetreiber ist zwingend notwendig.
  • Je zügiger die Anpassung der Netze an die neuen Erfordernisse gelingt, umso mehr Redispatch-Kosten können vermieden werden.
  • Der zügige Ausbau des EU-Energiebinnenmarktes reduziert die kostenintensive Notwendigkeit, Kapazitätsreserven vorzuhalten.

Steigt hierdurch der Strompreis nicht wie bisher weiter, bedeutet das einen Gewinn – auch für mittelständische Handwerksbetriebe. dhz

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