Die CDU will kein neues Gesetz für die Zeitarbeit, die FDP nicht zu viele verschuldete Selbstständige und die Deutschen keine Industriewurst. Das Motto dieser Woche lautete "Selbermachen". Noch nie haben sich so viele so gerne aus allem rausgehalten. - Von Jana Tashina Wörrle
Ob Strickkurse an der Volkshochschule, Backunterricht in einer Tortenwerkstatt oder die Energieberatung beim Handwerker um das Stromsparen endlich in die eigene Hand zu nehmen – Selbermachen ist "in". Ob das die Lust an der Handarbeit ist oder das sinkende Vertrauen in das Können anderer bleibt dahingestellt.
Fakt ist, dass sich weder die Politik noch die Wirtschaft darüber beschwert. Die Politik ist froh, Verantwortung abgeben zu können und die Wirtschaft entwickelt einfach passende Angebote, um davon zu profitieren. Selbstgemachtes freut also nicht nur die Oma an Weihnachten, sondern auch alle anderen. Das hat sich besonders auch in dieser Woche gezeigt.
Los ging es mit dem Lieblingsthema der Deutschen: Umwelt und Energie und der Vorreiterrolle der Bundesrepublik bei grünen Themen. Denn so weit vorne sind wir dabei gar nicht mehr und selbst die Bundesregierung zweifelt schon daran, ob sie das alles schaffen kann. Gesagt getan – beziehungsweise eben nichts getan, sondern nur gesagt – macht die Politik erst mal Urlaub. Also geht es jetzt ans Selbermachen: Wissenschaft und Handwerk kennen ja den Weg zu mehr Unabhängigkeit und weniger Energieverbrauch. Auch damit kann die Energiewende gelingen.
Mit so viel neuer Energie können sich die Betriebe dann auch gleich um noch zwei andere Themen selbst kümmern: den Arbeitsschutz und die Betreuung des Nachwuchs ihrer Mitarbeiter. Beim Arbeitsschutz können Unternehmen damit rechnen, dass der Staat hier nicht kontrolliert und dementsprechend auch keine Schutzmaßnahmen vorschlägt, wenn sie nötig wären. Und bei der Kinderbetreuung geht es erstens seit Jahren zu langsam voran und zweitens wird jetzt im Sommer sowieso nicht mehr gehandelt und danach nur diskutiert. Also bitte Selbermachen.
Genauso sieht es bei neuen gesetzlichen Regelungen für die Zeitarbeit aus. Frau Von der Leyen möchte keine Vorgaben machen und überlässt es den einzelnen Branchen für Gerechtigkeit zwischen den Leiharbeitern und der Stammbelegschaft zu sorgen. Wer gleich Löhne will, muss sie eben selber machen.
Doch es gab in dieser Woche auch Themen, bei denen das Selbermachen zum Problem werden könnte. Denn die Diskussion um die Hygiene-Ampel geht wieder los und nun möchten die Verbraucherschutzminister jeweils ganz eigene Lösungen. Sie möchten die Regelungen zur Veröffentlichung der Hygienekontrollen selber machen dürfen – und das könnte dann echt kompliziert werden.
Einzig und allein ein Thema hat die Bundesregierung in dieser Woche zum Selbermachen für sich aufgehoben: die Schulden. Um Schulden kümmert sie sich ganz allein und so hat sie auch eine Reform des Insolvenzrechts verabschiedet, bei der sie die angehäuften Schulden von Verbrauchern und ehemals kleinen Selbstständigen viel früher selbst übernimmt. Dazu kommen noch ein paar Milliarden für die spanischen Banken und den EU-Rettungsschirm und schon haben die Politiker auch mitgespielt beim Selbermachen – juhu, Pflicht erfüllt.
Selbermachen ist und bleibt eben "in" und damit Sie auch mitspielen können, haben wir ganz viele Teilnahmechancen für Sie erarbeitet. Auf unserer neuen Azubi-Seite gibt es zum Beispiel ganz viele tolle Tipps rund um den Berufsstart im Handwerk. Wir haben mal hinter die Kulissen der Steuergesetzgebung geschaut, damit sie auch ohne Steuerberater selbst Bescheid wissen. Zusätzlich können Sie aber auch erfahren, warum es so wichtig ist, dass Sie selbst Kontakt zu den Kunden halten und was Sie beachten müssen, wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollen – für den Fall, dass das Selbermachen mal schwieriger werden könnte.
Und zum Abschluss noch kurz ein Hinweis auf ein Erfolgsbeispiel des Selbermachens: Denn obwohl die Deutschen immer weniger Fleisch und Wurst essen, verzeichnen die Handwerksmetzger – die ja bekanntlich viel mehr Wert aufs Selbermachen legen als die Industrie – keine Einbußen. Also wie wäre es am Wochenende mit einem Grillabend mit selbstgemachter Wurst vom Metzger, selbstgebackenem Brot vom Bäcker und ein bisschen eigener Handarbeit in der Küche? Guten Appetit!
Die Woche mit der DHZ
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