Banken verwehren kleinen Unternehmen oft Kredite. Nun hilft der Staat: Er stellt 100 Millionen Euro für Mikrokredite bereit. Für kleine Handwerksbetriebe eine gute, schnelle und einfache Gelegenheit, an Geld zu kommen. Von Patrick Choinowski
Von offizieller Seite wird zwar immer darauf verwiesen, dass es in Deutschland keine Kreditklemme gibt. Weder das Bundeswirtschaftsministerium, noch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) wollen davon sprechen. Doch Handwerksunternehmer wissen aus der Praxis: Sie müssen derzeit um jeden Kredit, den sie von ihrer Hausbank wollen, kämpfen. Oftmals wird dieser verweigert und der Betrieb mitsamt seinen Mitarbeitern gerät unter Umständen in große Probleme.
Um dem vorzubeugen, hat der Bund nun 100 Millionen Euro für Kredite an Klein- und Kleinstbetriebe sowie "junge" Unternehmen bereitgestellt und den sogenannten Mikrokreditfonds gestartet. "In schwieriger Zeit eröffnet der Mikrokreditfonds neue Finanzierungswege, über die kleine Unternehmen Personal und Know-how über die Krise retten können", erklärt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, deren Haus rund 40 Millionen Euro in den Fonds einzahlt. Die restlichen 60 Millionen Euro kommen aus dem Europäischen Sozialfonds. "Der Fonds ist der Schutzschirm für Kleinunternehmen. Erst sichert Arbeitsplätze und stärkt die Zukunftsfähigkeit des ganzes Landes", sagt von der der Leyen.
Die Kreditvergabe erfolgt durch die Bochumer GLS Bank in einem kooperativen Modell. Die Bank wird erst aktiv, wenn Beratungsorganisationen wie Gründerzentren, Genossenschaften, Wirtschaftsgesellschaften oder Unternehmensberatungen, die als Mikrofinanzierer fungieren, einen Kunden empfehlen. Interessenten für einen Mikrokredit können sich an eines der zwölf Mikrofinanzinstitute wenden. In großen Städten wie Berlin, München, Hannover oder Dortmund ist schon eines installiert, weitere sieben stehen kurz vor dem Start. "Unser Ziel ist es, das unternehmerische Engagement von Menschen zu ermöglichen und Perspektiven zu schaffen", sagt GLS-Vorstandssprecher Thomas Jorberg. Eine aktuelle Übersicht der Mikrofinanzinstitute finden Sie unter mikrokreditfonds.de
Grundsätzlich kann jeder, der wegen fehlender Sicherheiten von seiner Hausbank kein Geld erhält, einen Mirkokredit beantragen. Die GLS Bank vergibt Kredite bis zu einer Höhe von 20.000 Euro. Die Vergabe funktioniert allerdings anders als bei der Hausbank. Die Interessenten bekommen bei Antrag Besuch von einem Mikrofinanzierer. Gemeinsam mit dem Handwerksunternehmer überprüfen sie die Kontoauszüge und informieren sich bei Angehörigen oder Freunden Informationen über das zu finanzierende Projekt. Sind sich Interessent und Kreditgeber einig, geht es schnell. Gewöhnlich sollte der Mikrokredit nach einer Woche ausgezahlt werden, sagt das Bundesarbeitsministerium. Freilich ist der Kredit nicht umsonst. Jährlich werden maximal 7,5 Prozent an Zinsen fällig. Deshalb unterscheidet sich der Mikrokredit von einem Förderprogramm.
Meinung
"Wer nicht wirbt, stirbt." So hat Henry Ford schon vor hundert Jahren den Wert von Werbung beschrieben. Der amerikanische Automobil-Tycoon hat diesen Satz zwar vor allem auf seine eigenen Fahrzeuge bezogen und weniger auf ganze Wirtschaftsbereiche. Doch auch ein Bereich wie das Handwerk braucht Werbung, braucht den Austausch mit der Öffentlichkeit, wenn es langfristig nicht an Ansehen, Bedeutung und Image verlieren will.