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Lebenswege Puckjäger peilt doppelten Meistertitel an

Michael Waginger hat seine Karriere als Eishockeyprofi beendet, um in die Bäckerei seines Vaters in Sonthofen einzusteigen. Der 32-Jährige peilt jetzt den zweifachen Meistertitel an: als Bäcker und als Spieler der Sonthofen Bulls.

Eishockeyspieler und Bäckermeister Michael Waginger
Als Eishockeyprofi blieb Michael Waginger der Meistertitel versagt. Zweimal verpasste er mit dem ERC Ingolstadt nur knapp den Einzug ins Finale. Nun strebt der Allgäuer im Bäckerhandwerk und mit den... -

Wenn der ERC Ingolstadt an diesem Freitag zum Auftakt der neuen Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die Adler Mannheim empfängt, wird Michael Waginger die Partie mit viel Wehmut verfolgen. Im April, als die Panther auf dem Sprung ins Meisterschaftsfinale an den Mannheimern scheiterten, stand Waginger noch selbst mit auf dem Eis. Danach hat er seine Profikarriere beendet. Inzwischen verdient er seine Brötchen als Bäcker im väterlichen Betrieb in Sonthofen.

Backstube ist kein Zuckerschlecken

Michael Waginger bittet zum Kaffee. Weißes T-Shirt, kurze karierte Bäckerhose, weiße Schürze. Es ist 10.30 Uhr, die Arbeit in der Backstube erledigt. Zeit für ein Gespräch. In der vergangenen Saison sah die Berufskleidung des Allgäuers noch ganz anders aus, bedeckten Schulterschutz und Trikot die muskulösen Oberarme, stak der schwarze Schopf unter einem Schutzhelm, die Hände in dicken Handschuhen. Eis­hockey gilt als schnellster Mannschaftssport der Welt, bei dem mit besonders harten Bandagen gekämpft wird. Doch auch die Arbeit als Bäcker wird für Michael Waginger kein Zuckerschlecken. "Dennoch stand für mich von vornherein fest, dass ich einmal in die Bäckerei einsteige", sagt der 32-Jährige, dessen nächste berufliche Herausforderung schon geplant ist: der Meisterbrief im Bäckerhandwerk.

Trotz der neuen beruflichen Perspektive, die einmal in der Übernahme der Bäckerei münden soll, will Michael Waginger mit dem Eishockey nicht ganz aufhören. "So wie mein Vater an seinem Beruf und an seiner Bäckerei hängt, hänge ich an meinem Sport", sagt der Ex-Eishockeyprofi. Nach seinem Abschied aus der DEL hat er beim Bayernligisten ERC Sonthofen angeheuert, jenem Club, bei dem seine sportliche Laufbahn vor vielen Jahren einmal begonnen hatte.

Berufsausbildung geht vor

Wie viele Jungs in seiner Umgebung spielte auch der kleine Michael mit seinen Freunden Straßenhockey, das im Oberallgäu mindestens genauso beliebt ist wie Fußball. "Unser Postbote hat mich dann zum Eishockeyverein gelotst. Er war dort Jugendtrainer", erinnert sich Waginger an die Anfänge seiner sportlichen Laufbahn. Die Eltern waren zunächst nicht begeistert von der neuen Freizeitbeschäftigung ihres Sohnes. "Aber sie haben mich später immer unterstützt", sagt Waginger. Immerhin besuchte er noch die Schule, als er zum Traditionsclub nach Kaufbeuren wechselte und für die vielen Trainingseinheiten eine lange Zugfahrt auf sich nehmen musste.

Auf eines haben die Eltern aber großen Wert gelegt: Vor dem Einstieg in das Profigeschäft sollte ihr Sohn unbedingt eine Berufsausbildung absolvieren. "Sie haben mich aber nicht gedrängt, eine Bäckerlehre zu machen. Das war meine eigene Entscheidung, weil mich dieser Beruf von Kindesbeinen an fasziniert hat", blickt Michael Waginger zurück. Heute weiß er, dass seine Entscheidung damals richtig war. "Als Eishockeyprofi verdient man zwar gutes Geld. Aber das ist weit entfernt von den Gehältern im Fußball. Wir müssen über das Ende der Profikarriere hinausdenken." Die führte ihn von Kaufbeuren, wo er schon als Jugendlicher erste Einsätze in der Männermannschaft hatte, zunächst zum EV Duisburg, mit dem Waginger im Jahr 2004 den Aufstieg in die DEL schaffte. Zwei Jahre später wechselte er nach Ingolstadt. Mit den Panthern stand der Angreifer, der in knapp 400 DEL-Einsätzen insgesamt 152 Scorerpunkte (61 Tore und 91 Vorlagen) erzielte, zweimal im Halbfinale der Play-Offs um die deutsche Meisterschaft. Elfmal trug er das Nationaltrikot.

Bäcker-Handwerk nicht verlernt

Trotzdem stand für Michael Waginger immer fest, dass er die Bäckertradition seiner Familie fortführen möchte. Seine Frau Sophie, die er zum Abschluss seiner Profilaufbahn in Ingolstadt noch zum Traualtar führte, hat er frühzeitig in diese Pläne eingeweiht. Zusammen mit dem dreijährigen Sohn Leon hat für die Wagingers nun ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Startschwierigkeiten hat es keine gegeben. "Ich habe ja das Bäckerhandwerk nicht verlernt und in der viermonatigen Sommerpause immer in der Bäckerei mitgearbeitet", erzählt Michael Waginger.

Vor mehr als 20 Jahren hat sein Vater Josef die Bäckerei in Sonthofen gegründet. Heute arbeiten zwei Meister, drei Bäckergesellen und ein Konditor in der Backstube. Die Waren werden in drei Filialen verkauft. In den nächsten Jahren möchte der Seniorchef allerdings ein wenig kürzer treten. Obwohl er längst noch nicht ans Aufhören denkt, setzt er große Hoffnungen auf seinen Sohn.

Druck in der Bayernliga

Ähnlich geht es den Eishockeyfans in Sonthofen, die vom prominenten Neuzugang nicht weniger erwarten, als dass er die Bulls zur Meisterschaft schießt. Michael Waginger spürt schon den Druck, der in der Bayernliga auf ihm lasten wird, dämpft aber allzu große Erwartungen: "Man darf von mir keine Wunderdinge erwartet." Schließlich wird es nicht leicht, die Arbeit in der Bäckerei mit Trainings- und Spielterminen zu vereinbaren. Ausgerechnet die Freitagsspiele beginnen zu einer Zeit, in der Bäcker normalerweise schlafen gehen. Dabei gilt der Samstag in den Bäckereien als verkaufsstärkster Tag der Woche und es gibt besonders viel zu tun. Michael Waginger nimmt es sportlich und scheut weder die Herausforderungen in der Bäckerei noch die auf dem Eis. Was ihm mit dem ERC Ingolstadt verwehrt blieb, soll nun im Bäckerhandwerk und mit den Sonthofen Bulls gleich doppelt gelingen – der Meister­titel.

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