Pelze feiern ihr Comeback und mit ihnen die Kürschner - Thüringen - deutsche handwerks zeitung

Thüringen - Ausgabe 24/2009

Pelze feiern ihr Comeback und mit ihnen die Kürschner

Traditionelles Handwerk profitiert von aktuellen Modetrends

Eine gelungene Kombination: schöne Frauen und Pelze. Foto: Reißmann

Der Pelz feiert sein modisches Comeback und mit ihm auch die Kürschner. Die Designer haben das Naturmaterial wiederentdeckt. Ohne Pelz geht in diesem Winter gar nichts und der ist heute weich, leicht, softig und farbig.

Kombiniert wird er mit Leder und den unterschiedlichsten Stoffen. In diesem Jahr liegen vor allem Accessoires aus Pelz wie Kappen, Stolen, Schals, Taschen und der Muff im Trend. Neue Veredlungsmethoden und die Kreativität der Kürschner haben „den Pelz wieder auf die Straße gebracht“, sagt Jürgen Förster, Obermeister der Kürschnerinnung Sachsen und Vorstandsmitglied des Zentralverbandes des deutschen Kürschnerhandwerks. Die Branche hat ihr Image gewandelt und kräftig poliert.

Die Auftragslage im Kürschnerhandwerk sieht besser aus als in den vergangenen Jahren. Förster rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von einem Prozent. Die Branche hat indes eine lange Anpassungsphase hinter sich. „Leipzig war einst eine Hochburg der Pelzveredlung“, so der Obermeister. Allerdings verdienten viele Kürschner bis zur Wende ihr Geld mit Auftragsarbeiten für Unternehmen in den alten Bundesländern. Während 1990 zur Leipziger Innung noch 60 Betriebe gehörten, sind es in der Region heute nur noch 14 Unternehmen. Mit 41 Mitgliedern ist die Landesinnung Sachsen heute die größte in Ostdeutschland. Ähnlich verhält es sich in Thüringen. Waren zur Wende noch 36 am Markt, sind es aktuell noch fünf. Die Landesinnung zählt vier Mitglieder. Thüringens Obermeister Volker Gießmann ist aber kein Pessimist: „Wir haben Perspektiven, wenn Qualität und Individualität, Mode und Service stimmen. Pelz ist kein Luxus, Pelz ist Mode.“ Diesen Trend scheinen gerade junge Leute neuerdings aufzugreifen, die beispielsweise alte Pelzmäntel für sich umarbeiten lassen. Aber auch überraschende Accessoires sprechen jüngere Frauen an. In Leipzig präsentierten auch Thüringer Kürschner eigene Kreationen und erhielten viel Beifall.

Die meisten Unternehmen sind Familienbetriebe mit ein oder zwei Näherinnen. Klein, aber fein, könnte man die Kürschner beschreiben, denn sie fertigen ausschließlich individuelle Einzelteile. Umarbeitung steht dabei noch vor der Neuanfertigung.

Große Hoffnung setzen die Kürschner auf ihren Berufsnachwuchs. 25 Lehrlinge werden derzeit bundesweit ausgebildet und so mancher Betrieb sucht wieder nach Bewerbern. Der erstmals in diesem Jahr ausgetragene Designwettbewerb um den „New-Generation-FUR AWARD“ zeigte Ergebnisse, die selbst die gestandenen Meister beeindruckten. Eingefärbte Pelze in Trendfarben wie Brombeere und ein Mix aus Pelz und Seide auch im Dessousbereich erobern auch junge Kundschaft. Und so feiert der Klassiker sein Revival.

 
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