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Rentensteigerung zum 1. Juli 2016 Ost- und Westrenten nähern sich an

Deutschlands Rentner können sich ab dem 1. Juli über die größte Rentensteigerung seit 23 Jahren freuen. Was das für die Rentenangleichung zwischen Westen und Osten bedeutet.

Die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland erhalten die stärkste Rentenerhöhung seit 1993. In Westdeutschland steigt die Rente zum 1. Juli um 4,25 Prozent, im Osten um 5,95 Prozent. Das gab das Bundessozialministerium bekannt.

Gründe: Beschäftigungslage und gestiegene Einkommen

Bei einer Monatsrente von beispielsweise 900 Euro brutto im Monat erhöht sie sich um rund 38 Euro im Westen und 54 Euro im Osten. Die Erhöhung wird nicht durch die Preisentwicklung aufgefressen. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet eine Teuerungsrate von nur 0,1 Prozent in diesem Jahr.

Für den Westen wurde eine Lohnsteigerung von knapp 3,8 Prozent eingerechnet, für den Osten 5,5 Prozent. Es gibt aber auch einen Sondereffekt: 2015 fiel die Erhöhung um rund einen Prozentpunkt niedriger aus, weil es eine Änderung bei der Lohnstatistik gab. Dies wird nun ausgeglichen. Im vergangenen Jahr waren die Renten um 2,1 Prozent (West) und 2,5 Prozent (Ost) gestiegen.

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) sagte, die Rentner profitierten nun von der guten Arbeitsmarktlage und vom Wachstum. Die durch Umlagen finanzierte Rente bewähre sich. "Das ist eine gute Nachricht, gerade in Zeiten niedriger Zinsen." Der Beitragssatz bleibe in den kommenden Jahren bei 18,7 Prozent.

Ost-West-Rentenangleichung steigt weiter

Die Kluft zwischen Ost- und Westrenten sinkt weiter. Das wird deutlich durch die Entwicklung des Rentenwerts – quasi der monatlichen Rente für ein Jahr Beschäftigung mit Durchschnittsentgelt. Im Osten beträgt der Wert nun 94,1 Prozent des Westwertes, bisher lag er 1,5 Prozentpunkte darunter. Denn im Westen steigt der Wert um 1,24 auf 30,45 Euro, im Osten um 1,61 auf 28,66 Euro. Zum 1. Juli will die Koalition prüfen, wie weit die bis Ende 2019 geplante Ost-West-Rentenangleichung gekommen ist.

Kritik am sinkenden Rentenniveau

Opposition und Sozialverbände kritisierten das längerfristig sinkende Rentenniveau beziehungsweise das Verhältnis zwischen Arbeits- und Renteneinkommen. Es soll laut Rentenversicherungsbericht von rund 48 Prozent im Jahr 2014 auf knapp 45 Prozent im Jahr 2029 sinken. "Die seit Jahren sinkenden Neurenten zeigen, dass die Rentnerinnen und Rentner mit immer kleineren Einkommen in den Ruhestand starten müssen", meinte die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher. Bei vielen ärmeren Senioren werde die Erhöhung mit der Grundsicherung verrechnet.

"Die diesjährige Rentenanpassung ist lediglich eine kurze Verschnaufpause bei einem stetig weiter sinkenden Rentenniveau", mahnte der Linken-Politiker Matthias W. Birkwald. Der Grünen-Experte Markus Kurth fand, die Regierung versäume es, "die gute Finanzlage zu nutzen und die Rentenversicherung zukunftsfest zu machen". Der politische Wille, das Rentenniveau weiter zu senken, bleibe aktuell, kritisierte der Präsident des Sozialverband Deutschland, Adolf Bauer.

Alexander Gunkel vom Arbeitgeberverband BDA hielt dem entgegen, die Rentenanpassung werde auf längere Sicht bei durchschnittlich rund 2,5 Prozent liegen. "Die Kaufkraft der Renten wird trotz sinkenden Rentenniveaus sogar weiter steigen." dhz/dpa

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