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Kommentar Nutznießer der Digitalisierung

Geht es um Digitalisierung könnte man meinen, die Industrie habe sich das auf die Fahnen geschrieben. Doch auch im Handwerk gibt es diesbezüglich viele Erfolgsgeschichten. Auch deshalb muss sich die Branche in die Diskussion einmischen.

Die Bedenkenträger geraten in die Defensive. Endlich reden auch deutsche Mittelständler über Chancen, die das Internet bietet – statt über Cyber-Spione und Online-Kriminelle zu schimpfen. Allerdings müssen gerade Handwerker achtgeben. Die Digitalisierung birgt das Potenzial, das Machtverhältnis zwischen großen Konzernen und kleinen Betrieben zu verschieben.

Digitalisierung im Handwerk angekommen

Bisher haben Industriekonzerne und Technologiefirmen die Diskussion über die Digitalisierung beherrscht. Die Industrie hat sich selbst zum Vorreiter erklärt. Die digitale Revolution, die sich derzeit in Betrieben und Fabriken abspielt, wird landläufig als „Industrie 4.0“ bezeichnet. Das ist mehr als nur Wortklauberei. Es entsteht der Eindruck, dass Autohersteller, Zulieferer oder Maschinenbauer die Macher und Pioniere seien, während Handwerk oder Handel hinterherhinkten. Ein Trugbild.

Landwirte zum Beispiel sind vorne dabei, wenn es um die Nutzung neuer Technik geht, der vernetzte Bauernhof ist längst Wirklichkeit. Auch im Handwerk gibt es große und kleine Erfolgsgeschichten. Maler vermessen Räume mit dem Tablet, Dachdecker observieren Flachdächer mit Drohnen, Modellbauer fertigen Modelle im 3D-Drucker.

Wer will kann mitgestalten

Jetzt ist das Handwerk gefordert, die Fähigkeiten im Umgang mit Sensoren und Maschinen, Internet und Datenbanken zu perfektionieren. Dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk fällt die Aufgabe zu, aus vorbildlichen Einzeltaten praxisnahe Vorschläge für ganze Branchen zu entwickeln. Wer jetzt einsteigt, kann die Digitalisierung mitgestalten, die Spielregeln sind noch nicht aufgestellt.

Das Handwerk muss sich einmischen, wenn neue Datenstandards festgelegt werden. Handwerker müssen ihre Stimme erheben, wenn die Rechtsprechung ans Internetzeitalter angepasst, Berufsbilder und Lehrpläne modernisiert werden. Diese Diskussion darf der Mittelstand weder der Industrie noch dem Staat überlassen.

Auch den Umgang mit Daten dürfen die Betriebe nicht aus der Hand geben. Das Wissen um Warenströme, Kundenvorlieben und Produkteigenschaften muss im Haus bleiben. Ob Adressen oder Informationen über die Laufleistung einer Maschine: Daten sind der Schatz der Zukunft. Aus ihrer Analyse lassen sich Geschäftsmodelle ableiten, Kunden halten, Abläufe im Betrieb verbessern. Das gilt nicht nur für Amazon, Siemens oder Daimler, sondern auch für Bäcker, Schuhmacher und Zahntechniker. Das Handwerk kann Nutznießer der digitalen Revolution werden.

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