Kassel -

Mediation Nur richtig streiten hilft weiter

Die Handwerkskammer bietet ihren Betrieben Mediation an, denn Konflikte senken die Produktivität.

Konflikte gehören zum Leben und kommen überall vor“, erklärt Andreas Reschke. „Viele kann man selbst lösen, einige aber nicht“, fährt der Betriebsberater der Handwerkskammer Kassel fort. „So kann es auch im Leben von Betrieben und Handwerkern zu Konflikten kommen, die ungelöst bleiben“, ergänzt seine Kollegin Barbara Eiffert. Das Problem dabei: Konflikte, die man nicht bearbeitet, wachsen auch ohne dass man was tut. Dann schwappen Sachprobleme schnell über ins Persönliche und die Verhärtung des Konflikts ist vorprogrammiert, beschreibt Reschke.

Nur richtig streiten hilft weiter

Egal ob sich in das einvernehmliche Verhältnis von Betriebsinhaber und Nachfolger immer mehr Streit einschleicht, ob zwei Unternehmer, die jahrelang gut in einem Betrieb zusammengearbeitet haben, immer öfter unterschiedlicher Meinung sind oder sich zwei verdiente Mitarbeiter immer seltener einigen können: Ist ein Streit eskaliert, leidet zuerst das Betriebsklima, dann die Motivation und am Ende auch die Produktivität des gesamten Betriebs. Denn schwelen Konflikte, ist die Konzentration der Beteiligten herabgesetzt, sinken die Arbeitsergebnisse, steigen die Krankheitstage. Und das betrifft in der Regel das gesamte Team.

Eine Mediation ist kostengünstig und oft alternativlos

Deshalb hat die Kammer jetzt drei ihrer Betriebsberater aufwändig zu Wirtschaftsmediatoren weiterqualifiziert. Neben Reschke und Eiffert komplettiert Steffen Wiesenberg das Trio. Eine Mediation ist für die Mitglieder mit dem Mitgliedsbeitrag für die Handwerkskammer abgegolten. Auch im Vergleich zu gerichtlichen Klärungen, dem Scheitern der Unternehmung oder zu dem Ausscheiden wichtiger Mitarbeiter ist eine Mediation kostengünstig und prüfenswert. Auf diesem Weg zu einer Einigung zu finden, bedeutet die Rückkehr zu funktionierenden Beziehungen. Und die sind in allen Konstellationen Grundlage für reibungslose Arbeitsprozesse.

Deshalb ist es für die drei Mediatoren wichtig, möglichst früh eingeschaltet zu werden, bevor ein konstruktives Gespräch unmöglich geworden ist. „Denn wir kommen nicht mit einer fertigen Lösung im Gepäck“, erläutert Eiffert. „Unsere Aufgabe ist es, ein Gespräch zu moderieren, in dem beide Parteien gleichermaßen zu Worte kommen, aber auch zuhören, was die jeweils andere Seite zu sagen hat.“ So wird die Lösung, begleitet vom Mediator, von den Konfliktparteien selbst erarbeitet.

Am Ende steht die gemeinsame ­Vereinbarung einer Lösung

Insofern können die Mediatoren auch keine Garantie auf eine Beilegung der Auseinandersetzung geben, auch wenn sie immer ergebnisoffen und allparteilich bleiben. „Ob es zu einer Lösung kommt, hängt davon ab, wie weit der Konflikt eskaliert ist“, sagt Wiesenberg. Ein weiteres Gebot ist die strikte Vertraulichkeit. Alle Beteiligten einigen sich auf Verschwiegenheit und dokumentieren dies auch schriftlich.

Nur richtig streiten hilft weiter

Voraussetzung für eine Mediation ist in jedem Fall die freiwillige Beteiligung aller Konfliktparteien. „Ein Ausstieg ist für alle jederzeit möglich, auch für den Mediator“, sagt Eiffert. Das wird in der Regel geschehen, wenn Gewalt im Spiel ist oder strafrechtlich relevante Dinge zum Tragen kommen. So wird in jedem Einzelfall geprüft, ob eine Mediation möglich ist.

Nur richtig streiten hilft weiter

Die Mediation selbst verläuft in Phasen, erklärt Wiesenberg. So steht am Beginn ein Vorgespräch, in dem der Mediator Vorgehen und Ablauf erläutert, der Teilnehmerkreis gemeinsam festgelegt wird und die Rahmenbedingen geklärt werden. Dann folgt die Mediation selbst. In mehreren Terminen, die jeweils nicht länger als eineinhalb Stunden dauern, werden die Interessen der Konfliktparteien in neutralen Räumlichkeiten geklärt. Der Mediator leitet und strukturiert das Gespräch als allparteilicher Dritter.

Am Ende der Mediation steht die gemeinsame Vereinbarung einer Lösung unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten, die die ehemaligen Konfliktparteien unterzeichnen. Sie wird nur mit ihrem Einverständnis an Dritte, beispielsweise dem Betriebsinhaber weitergegeben. Ging es bei dem Streit um Vermögenswerte, kann es hin bis zu einer notariellen Beglaubigung kommen.

Ansprechpartner für Mediationsverfahren: Handwerkskammer Kassel, Betriebsberatung und Unternehmensführung: Barbara Eiffert, Tel. 0561/ 7888-150, barbara.eiffert@hwk-kassel.de; Andreas Reschke, Tel. 0561/ 7888-193, andreas.reschke@hwk-kassel.de und Steffen Wiesenberg, Tel. 0561/7888-155, steffen.wiesenberg@hwk-kassel.de

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