„Niemals unter Wert verkaufen“ - Stuttgart - deutsche handwerks zeitung

Stuttgart - Ausgabe 3/2010

„Niemals unter Wert verkaufen“

Fluch oder Segen? An Internetportalen wie my-hammer.de scheiden sich die Geister - Von Von Susanne Bajohr

Genau hinsehen sollten Handwerker, wenn sie Aufträge in Onlineportalen annehmen.Foto: Handwerkskammer

Per Mausklick den Handwerker ins Haus holen - so sehen die Betreiber von MyHammer & Co. die Zukunft. So genannte Dienstleistungsauktionen erfreuen sich im Internet immer größerer Beliebtheit. Vor allem Vertreter jüngerer Generationen ziehen Handwerkerportale dem Branchenbuch oftmals vor. Laut Aussage des Staatsanzeigers Baden-Württemberg führt das Portal MyHammer derzeit mit einer Million Nutzer, unter denen etwa 200.000 Handwerker registriert sind.

Wie funktionieren Handwerkerportale im Internet? In der Regel werden Aufträge zu einem Mindestpreis und für eine bestimmte Dauer ausgeschrieben. Nun können Handwerker ihre Angebote abgeben. Ist die Auktion beendet, wird das billigste Angebot ermittelt. Allerdings kommt nicht immer der Günstigste zum Zug. Oft entscheiden sich die Auftraggeber für den Handwerker mit den besten Bewertungen oder dem sinnvollsten Angebot. Generell gilt jedoch: Gebote sind verbindlich, denn Handwerker schließen mit Portalbetreiber und Auftraggeber einen Vertrag.

Was den Nutzen solcher Handwerkerportale betrifft, scheiden sich nach wie vor die Geister. Ihre Befürworter schätzen die Transparenz bei Preisfindung, Bewertung und Qualifikation sowie das große Spektrum an Dienstleistungen. Die Gegner sprechen von Preisdumping, mangelnder Qualitätskontrolle der Portale, unzureichender Sicherheit bis hin zur Förderung von Schwarzarbeit. „Die Portale entsprechen einer zeitgemäßen Entwicklung“, so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, Claus Munkwitz, „denn die Vertriebswege werden auch im Handwerk immer diversifizierter.“ Allerdings habe er im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und auch in Gesprächen mit den Vorstandsvorsitzenden von MyHammer schon frühzeitig auf die Problematik des Preisverfalls und der Qualitätskontrolle hingewiesen. „Da geben sich Leute als Handwerker aus, die es gar nicht sind“, brachte Munkwitz noch im Januar 2009 während des Spiegel-Interviews das Hauptproblem auf den Punkt.

Problem mit schwarzen Schafen

Die Betreiber von MyHammer haben die Kritik der Stuttgarter Handwerkskammer ernst genommen. Mithilfe von konkreten Sicherheitsmaßnahmen sollen Betrug und Schwarzarbeit unterbunden werden. Von den Auftragnehmern wird eine offizielle Registrierung per Vorlage eines Gewerbescheins verlangt.

Zudem haben viele Anbieter Bewertungssysteme eingeführt, die Auskunft geben über Qualität und Abwicklung der erteilten Aufträge. Im April letzten Jahres prüfte das Deutsche Institut für Service-Qualität die Kundenfreundlichkeit von sieben Handwerksauktionsportalen. Vor allem im Bereich der Sicherheit wurden deutliche Defizite festgestellt. „Ein Drittel der Auktionshäuser bot weder einen Treuhandservice noch die Verschlüsselung der Seiten beim Login-Vorgang an“, ermittelte die Studie. „Nicht ein einziges Unternehmen prüfte die genutzten Passwörter auf ihre Sicherheit.“ Und auch bei den Gebühren zeigten sich Unterschiede. Die Hälfte der Auktionshäuser verlangte von den Handwerkern Gebühren von zwei bis vier Prozent vom Auftragswert, auch wenn für die Auftraggeber bei keinem Portal Kosten anfielen. Gesamtsieger dieser Studie wurde das Portal Blauarbeit, gefolgt von MyHammer und Undertool.

„Gerade junge, mit dem Umgang des Internets vertraute Handwerker nutzen diesen Vertriebskanal“, weiß Thilo Trautwein, Berater der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Aber nicht nur Startups, sondern auch gestandene Unternehmer können von diesen Auftragsplattformen profitieren.“ Das bestätigt auch Jürgen Kohler aus Stuttgart. Dank guter Bewertungen und eines sorgfältig ausgearbeiteten Profils konnte der erfahrene Malermeister mithilfe des Portals MyHammer bereits neue Stammkunden gewinnen. „Gerade während einer Flaute können Handwerker solche Portale nutzen, um neue Kunden zu gewinnen“, sagt Munkwitz. „Aber sie dürfen sich nicht unter Wert verkaufen.“ Denn das sei Wasser auf die Mühlen des Preisverfalls.

 
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