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Handwerkskammer Kassel stellt FMW-Studie vor
Silver-Ager haben für das Handwerk goldenen Boden
Eine aktuelle Studie der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft (FMW) der Philipps-Uni­versität Marburg belegt die deutlich steigende Bedeutung des Kundensegments 50plus für Handwerkbetriebe in Hessen.

Gemeinsam mit der Handwerkskammer Kassel und finanziert durch die Hessen Agentur wurde die Entwicklung der Nachfragepotentiale in unterschiedlichen Alterssegmenten für alle hessischen Landkreise und kreisfreien Städte bis 2030 prognostiziert, so der Präsident der Handwerkskammer, Gerhard Repp in einer Stellungnahme. Im Rahmen eines Symposiums wurden die Ergebnisse der Studie von Michael Lingenfelder (FMW) vor einer großen Anzahl von Teilnehmern präsentiert.

In der hessischen Bevölkerung steigt der Anteil der über 50-Jährigen Bevölkerung bis 2030 von 37,7 Prozent auf 49,5 Prozent stark an. Diese Entwicklung hat deutliche Auswirkungen auf die Konsum- und Angebotsstruktur in beinahe allen Wirtschaftsbereichen. Insbesondere das Handwerk ist gefordert, durch geeignete Angebote den besonderen Bedürfnissen älterer Kunden gerecht zu werden. Die Nachfrageentwicklung zum Beispiel im Bereich von individuellen Versorgungskonzepten des Gesundheitshandwerks, nach Umbaumaßnahmen für barrierefrei gestaltete Wohnräume des Ausbauhandwerks und nach speziellen Services und Dienstleistungen des Ernährungshandwerks eröffnen große Wachstumschancen für die Betriebe.

Um diese Chancen zu nutzen, ist eine stärkere Ausrichtung der Betriebe auf das Kundensegment 50plus erforderlich. Nur so wird es dem Handwerk gelingen, den nachhaltig und stark wachsenden Markt, mit wirtschaftlich attraktiver Kundenklientel, an sich zu binden und nicht an die wachsende Konkurrenz aus Industrie und Handel zu verlieren.

Mit Hilfe eines Prognosemodells wurden die Nachfragepotentiale der unterschiedlichen Alterssegmente prognostiziert (2006 bis 2030). Diese Nachfragepotentiale ergeben sich aus der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung und der Kaufkraft der unterschiedlichen Altersegmente. Für Hessen ergibt sich eine Steigerung für das Kundensegment 50plus um über 69 Prozent. Der Anteil der Kaufkraft, die sich auf das Kundensegment 50plus vereint, wächst von 45,8 Prozent in 2006 auf 58,5 Prozent in 2030 mit weiter steigender Tendenz.

Betrachtet man die einzelnen Regionen ergeben sich teilweise erhebliche Unterschiede. In der kreisfreien Stadt Offenbach am Main steigt das Nachfragepotential des Kundensegments 50plus bis 2030 um beinahe 82 Prozent. Das ist ein mehr als doppelt so starker Anstieg als im Werra-Meißner Kreis mit etwa 40 Prozent (zum Vergleich: Landkreis Kassel: 56,1 Prozent, Stadt Kassel 64,8 Prozent). Die Unterschiede ergeben sich in erster Linie aus der unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung. Unter Berücksichtigung der unteren Variante der Bevölkerungsprognose schrumpft die Bevölkerung im Werra-Meißner Kreis um 17 Prozent, in Offenbach am Main dagegen um nur 7 Prozent.

Vieles spricht dafür, dass insbesondere das Handwerk von dem Anstieg der Kaufkraft der älteren Kundenkreise profitieren wird. Diese optimistische Einschätzung ergibt sich einerseits aus den Konsumpräferenzen und Bedürfnissen, die beispielsweise im Bereich der Gesundheit und der Wohnraumgestaltung mit dem Alter steigen. Andererseits zeigen die Ergebnisse empirischer Studien, dass das Kundensegment 50plus mehr Handwerksleistungen nachfragt als die jüngeren Kundengruppen.

Die Befragung von über 2000 Handwerksunternehmen in Hessen über den Status-quo der Bearbeitung des Kundensegments 50plus ergibt ein differenziertes Bild über die Stärken und Schwächen der Betriebe. Dabei stellt sich heraus, dass insbesondere die kleinen Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern schätzen, dass sie schon heute 48 bis 51 Prozent ihres Umsatzes mit über 50-Jährigen erzielen. Bei den größeren Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern wird der Umsatzanteil mit etwa 25 Prozent angegeben. Offensichtlich spielen bei größeren Betrieben Großaufträge eine größere Rolle.

Obwohl der Umsatzanteil auf eine existenzielle Bedeutung der älteren Kundenklientel hindeutet, bewerten sich die Betriebe hinsichtlich ihres Informations- und Werbeverhaltens sowie der Entwicklung spezieller Angebote mit den Durchschnittsnoten 4 bzw. 3,8 eher schlecht. Im Gegensatz dazu geben sich die Betriebe fachlich, d.h. im Bereich der Umsetzung und Erklärung individueller Lösungen mit 2,5 und 2,2 gute Noten.

Betriebe, die die beschriebenen Chancen der demographischen Entwicklung nutzen wollen, müssen einen geeigneten Weg finden, um das Kundensegment 50plus erfolgreich zu bearbeiten. Für das Handwerk kommt es darauf an, die anspruchsvolle Klientel für die eigenen Leistungen zu gewinnen. Der Weg zu der Gewinnung und Bindung des Kundensegments 50plus führt über Qualität, Beratung, Services und einen dauerhaften Dialog mit den Kunden.

Das Gutachten der FMW zeigt, dass das Kundensegment 50plus für Handwerkbetriebe tatsächlich goldenen Boden hat. Profitieren werden insbesondere Betriebe die diese Marktentwicklung frühzeitig erkennen und das Leistungsspektrum und die Kommunikation auf die anspruchsvollen "Silver-Ager" anpassen.


erstellt am 19.02.2008
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