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Wählen am Tresen: Die "Democrats Abroad" stimmten in einer Berliner Kneipe über die US-Präsidenschaftskandidatur ab. Foto: ddp
"Super Tuesday" in den USA
Wahlkampfstrapazen am Kneipentresen
Das ständige Auf und Ab bei den Hochrechnungen am "Super Tuesday" macht Dahlia Nethersole ernsthaft zu schaffen. Während in den USA in 24 Bundesstaaten die Stimmzettel der Präsidentschafts-Vorwahlen ausgezählt werden, sitzt die Amerikanerin ein paar tausend Kilometer entfernt in einer Kneipe in Berlin-Kreuzberg und leidet mit.

Es ist schon nach Mitternacht, als sie gemeinsam mit rund 50 Landsleuten die ersten Ergebnisse live im Fernsehen verfolgt. Ihr Favorit Barack Obama gewinnt gleich zu Beginn erst in Georgia, dann in Illinois. Dahlia johlt, stampft mit den Füßen und trommelt mit den Händen auf den Tisch. Dann die Ernüchterung: Obamas Gegnerin Hillary Clinton zieht in Oklahoma und New Jersey nach, und Dahlia lässt erschöpft den Kopf auf den Tisch fallen.

Wie in Dahlias Heimat New Jersey sind die Clinton-Fans auch in Kreuzberg nicht weit. Schon kommt vom Nebentisch ein höhnisches Lachen. Dahlia lässt sich nicht beirren. Die 40-jährige, die seit einem Jahr in Deutschland lebt, ist eingefleischte Obama-Anhängerin. Ein Anstecker mit dem Namen ihres Favoriten prangt auf ihrem Rollkragenpullover. "Obama hat als Einziger eine klare Vision für Amerika", sagt sie. Dahlia ist Afroamerikanerin. Die Gegensätze im Land – zwischen Schwarzen und Weißen, Latinos und Asiaten – könne Obama am besten überbrücken, sagt sie. Gerade hat sie ihm ihre Stimme gegeben – gleich um die Ecke vom Kneipentresen.

Wahllokal in Kreuzberger Pinte

Die "Democrats Abroad", der Zusammenschluss von amerikanischen Demokraten-Anhängern außerhalb der USA, haben in der Kreuzberger Pinte ihr Wahllokal aufgebaut. USA-Fähnchen hängen an den Wänden und stehen auf den Tischen, an der Fernsehleinwand baumeln rote Luft-ballons. Am frühen Abend staut sich die Schlange vor der Wahlurne im ersten Stock bis herunter zur Eingangstür. Insgesamt geben 193 Amerikaner ihre Stimme ab – die meisten davon für Obama.

Auch Daniel Scheimberg aus Denver macht keinen Hehl aus seiner Präferenz für den Senator aus Illinois. "Wir haben in den vergangenen acht Jahren so viel Mist mit Bush erlebt", sagt der 28-Jährige, "da muss sich einfach was ändern". Obama sei der einzig Richtige dafür, meint er.

Direkt in der Kneipe um die Ecke wählen zu können, ist für Daniel etwas Besonderes. Anzustehen und seinen Zettel in die Urne zu schieben, statt einen schnöden Wahlbrief abzuschicken – "das hat sich richtig gut angefühlt", sagt er.

Die Anhänger der Demokraten im Ausland haben in diesem Jahr zum ersten Mal die Möglichkeit dazu. Auch die Abstimmung per Fax oder E-Mail aus Übersee wurde in der Partei neu eingeführt. Am Ende werden die Stimmen aus aller Welt bei der Vorsitzenden der "Democrats Abroad" in der Schweiz gesammelt und von dort aus in die USA übermittelt. Rund sechs Millionen US-Amerikaner leben im Ausland. In der deutschen Hauptstadt seien es etwa 20.000, schätzt Michael Steltzer, Chef der "Democrats in Berlin".

Republikaner dürfen nur per Brief wählen

Am anderen Ende der Stadt treffen sich auch die "Republicans Abroad" zur Live-Übertragung vom Super-Dienstag aus den USA. Nur der Gang zur Wahlurne bleibt den Gästen dort vorenthalten: Die Republikaner haben für ihre Anhänger im Ausland lediglich die Briefwahl vorgesehen.

In der Kreuzberger Hochburg der Demokraten kämpfen die Clinton-Anhänger und die Obama-Fans bis zuletzt darum, wer lauter johlen kann. Mit den Stunden wird der Jubel immer leiser. Ein knappes Dutzend Hartgesottener hält es bis 4 Uhr morgens aus, gegen 5 Uhr räumen auch Dahlia und ihre Tischnachbarn das Feld. Als klar wird, dass Clinton den bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien gewonnen hat, schlafen viele ihrer Anhänger in Deutschland schon.

Christian Jacke/ddp


erstellt am 06.02.2008
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