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Darüber hinaus entscheide sich nach wie vor das Gros der Hauptschüler für eine handwerkliche Ausbildung. "Die Diskussion um die Hauptschule betrifft das Handwerk elementar", weiß Möhrle. "Es ist mir daher ein Rätsel, wie dieser Kongress ohne Gesprächspartner aus dem Handwerk die Erwartungen der Wirtschaft an die Hauptschulen herausfinden will, wie es im Programm angekündigt ist."
Gerade das Handwerk hat laut Möhrle ein großes Interesse an der Zukunft der Hauptschule, seien doch für die Betriebe qualifizierte Absolventen dieses Schultyps von zentraler Bedeutung. Die seien jedoch immer schwerer zu finden. "Ihre mangelnde Ausbildungsfähigkeit ist aber nicht allein Schuld der Jugendlichen, sondern hier ist die Politik in der Pflicht."
Das Handwerk habe bisher alle großen Schulreformen mitgetragen, "keine davon vermochte jedoch die grundlegenden Probleme der Hauptschule zu lösen." Die nun von Kultusminister Helmut Rau, der ebenso wie Ministerpräsident Günter Oettinger am Kongress teilnahm, geplante Aufteilung der Hauptschule in Praxiszug und Werkrealschule sei zwar möglicherweise ein erster Schritt in die richtige Richtung. "Allerdings ist zu befürchten, dass sie eher an den Symptomen herum laboriert als wirklich strukturelle Veränderungen zu bringen", weist der Hwk-Präsident auf mögliche Probleme hin. Die geplante weitere Differenzierung könne vielmehr eine weitere Selektion und für einen Teil der Schüler das endgültige Abrutschen in eine Restschule bedeuten.
"Unserer Meinung nach trennt das dreigliedrige Schulsystem die Schüler viel zu früh", führt Möhrle weiter aus. Dadurch werde heute bereits stigmatisiert, wer es "nur" auf die Hauptschule schaffe. "Deswegen plädieren wir dafür, Kinder früher zu fördern und länger zusammen lernen zu lassen."
Allerdings wolle das Handwerk sich nicht politisch instrumentalisieren lassen. "Wir propagieren kein linksideologisches Gesamtschulschulkonzept, das individuelle Unterschiede ausblenden will", betont Möhrle. Im Gegenteil: Das Modell ziele auf eine grundlegende strukturelle Reform des Schulsystems. "Es kommt darauf an, die Chancen junger Menschen zu verbessern mit einer Schulform, die zukunftsfähig ist."
Das pädagogisch sinnvolle Prinzip sei nicht Auslese, sondern gemeinsames Lernen bis zum zehnten Schuljahr und individualisierte Förderung. Die empirische Bildungsforschung habe belegt, so Möhrle, dass allein schon die Anwesenheit leistungsstärkerer Schüler zu besseren Lernfortschritten führt – und das ohne Nachteil für die Leistungsstärkeren. "Wir hätten uns daher sehr gewünscht, diesen Ansatz auf solch einem Podium zumindest zur Diskussion stellen zu können", erklärt Möhrle.
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