Fahrzeuge -

Neuer Transporter im Praxis-Test Renault Trafic: Mini-Motor mit Maxi Leistung

Der nur 1,6-Liter große Diesel im neuen Renault Trafic ist ein Musterbeispiel für gelungenes Downsizing beim Transporter-Motor. Pfiffige Details werten den meistverkauften Import-Transporter zusätzlich auf.

Der neue Renault Trafic
Der neue Renault Trafic überzeugt mit einem agilen Antrieb und vielen nützlichen Details, die den Arbeitsalltag erleichtern. -

Es sind manchmal die kleinen Dinge, die begeistern können. Warum ist da eigentlich vor den Renault-Designern noch keiner drauf gekommen? So ergibt Sinnloses plötzlich Sinn: Weitwinkelspiegel statt Schminkspiegel vor dem Beifahrer. Genial. Und funktioniert!

Cockpit

Gerade beim Linksabbiegen - Kastenwagen-Chauffeure kennen das Problem zur Genüge - ist der Blick nach rechts weniger als suboptimal, wenn der Transporter keine Aussicht über die Scheibe in der Trennwand und in der rechten Schiebetür bietet. Beim neuen Trafic (und übrigens auch beim größeren Master) genügt der Blick in die Sonnenblende - und schon kann man sicher abbiegen.

Halterungen für Smartphone und Tabelt

Die Neuauflage des Renault-Nutzfahrzeug-Bestsellers Trafic bietet aber noch allerhand mehr an praxisnahen Ideen. Das fängt schon mit der umklappbaren Rückenlehne des Mittelsitzes an: Darin verbirgt sich ein Klemmbrett, das sich entweder zum Fahrer oder zum Beifahrer hin geneigt, feststecken lässt. Jetzt muss man zwar den Kaffeebecher um das Brett herum in die Becher-Mulde fummeln. Aber immerhin - beide haben einen festen Sitz.

Der neue Renault Trafic

Wie man allerdings mit einem Klettband einen Laptop befestigen soll, bleibt das Geheimnis des Designers. Ein Smartphone und ein Tablet-Computer sind dagegen mit speziellen Halterungen aus der Zubehör-Abteilung vor dem Mittelteil des Armaturenbretts leicht zu befestigen. Während die etwas klobig geratene Smartphone-Halterung keine wichtigen Bedienelemente abdeckt, legt sich die Tablet-Halterung komplett vors Radio und erzwingt damit die Blind-Bedienung über den bekannten Radio-Satelliten an der Lenksäule.

Bluetooth holt E-Mails ins Auto

Oder man richtet sich die beeindruckende Multimedia-Anbindung für diese externen Geräte ein: Da gibt es zum Beispiel die App "R & Go" von Renault, die Tablet und Smartphone nicht nur mit dem Radio, sondern mit der gesamten Can-Bus-Architektur des Trafic verbindet: Navigations-, Telefon-, Multimedia- und Bordcomputer-Funktionen lassen sich damit übers Tablet oder Smartphone sicher bedienen.

Wer das Tablet lieber zu Hause lässt, kann sich für überteuerte 2.050 Euro das "R-Link-System" fest einbauen lassen und hat dann ein Tom-Tom -Navi mit 7-Zoll-Touchscreen und allen Kommunikations-Möglichkeiten über Bluetooth bis hin zum Empfang und Anzeigen von E-Mails.

So bewertet die DHZ den Renault Trafic    
 
  
positiv negativ
Motor mit wartungsfreier Steuerkette statt Zahnriemen  
  
 
  
 
  
Weitwinkel- statt Schminkspiegel verbessert die Sicht  
  
 
  
 
  
Zurrlaschen in den Seitenwänden erleichtern Ladungssicherung  
  
 
  
 
  
keine Handgriffe an den Türholmen zum Laderaum  
  
 
  
 
  
scharfer Grat am Schaltknopf

Laderaum

Rund um den Laderaum hat sich ebenfalls einiges getan. Gewachsen ist der Trafic in der Gesamtlänge, nicht aber im Radstand. Wie das geht? In diesem Fall mit einer Verlängerung des Hecks um 11 cm, weitere 10 cm wuchs der Vorbau. Die Ladelänge profitiert immerhin mit einem Plus von 13 cm und verlängert sich beim kurzen Radstand von 240 auf 253 cm.

Klappe in der Trennwand verlängert Stauraum

Der neue Renault Trafic
-

Immerhin erlaubt die im Kastenwagen serienmäßige Beifahrer-Doppelsitzbank eine relativ entspannte Sitzposition für den Mittelgast. Der findet trotz der Joystick-Schaltkonsole tatsächlich ausreichend Platz für sein linkes Knie.

Zurück in den Laderaum: Unser Trafic in "Komfort"-Version ist neben den obligatorischen sechs Zurrösen im Boden mit je sechs weiteren Zurrlaschen in den Seitenwänden ausgestattet. Das ist preiswert und praktisch, weil sich damit sperrige Ladung an den Wänden festzurren lässt. Und es ist auch hinreichend stabil, da die zusätzlichen Zurrpunkte in den Holmen der Seitenwände sitzen. In der Gürtellinie eingelassene Airline-Schienen mögen optisch schicker aussehen, sind aber weniger belastbar und teurer.

Eine weitere gute Idee finden wir am linken Flügel der Hecktür. Da sitzt oben ein Beschlag - leider nur aus Plastik - der wie bei einer Schranktür die Verriegelung des linken Türflügels erlaubt, wenn der rechte Flügel wegen überlanger Ladung mal offen bleiben muss.

A pro pos lange Ladung: Für die diebstahlsichere Unterbringung von Lang-Material oder leichten Leitern unterm Dach, gibt es im Zubehör Tragbügel für die Montage direkt an den Dachholmen - auch das eine gute Idee.

Keine Handgriffe als Einstiegshilfe

Zwar sind die Einstiegshöhen in den Laderaum seitlich und hinten ganz erträglich, was dennoch fehlt, sind taugliche Handgriffe an den Türholmen. Und einer Neukonstruktion ganz und gar nicht gerecht werden die beiden Laderaum-Funzeln, die man sicherlich ganz preiswert bereits durch hell strahlende LED-Lampen hätte ersetzen können. Noch nicht mal in der Aufpreisliste sind die langlebigen und stromsparenden Leuchtkörper zu finden - schade.

Motor

Wieder kräftig punkten kann der neue Trafic mit seinem Antriebsstrang. Als alleiniges Triebwerk sorgt der neue 1,6-Liter Vierzylinder in vier Leistungsstufen für Vortrieb: Die Basisversion dCi 90 leistet 66 kW/90 PS und wird genauso wie der dCi 115 (85 kW/115 PS) von einem variablen Lader beatmet. Die beiden Spritzenmotorisierungen dCi 120 (88 kW/120 PS) und unsere Test-Motorisierung dCi 140 (103 kW/140 PS) schöpfen ihr enormes Drehmoment auch aus dem Drehzahlkeller mit einer zweistufigen Twin-Turbo-Aufladung.

Der Effekt der beiden unterschiedlich großen Lader ist deutlich spürbar: Aus dem Drehzahlkeller sorgt die kleinere, früh ansprechende Turbine schon für reichlich Schub, den bei steigender Drehzahl dann der größere Lader übernimmt.

Steuerkette statt Zahnriemen

Ein weiterer Pluspunkt dieses feinen, kleinen Motors ist der Ventiltrieb über eine Steuerkette. Anders als die früher verwendeten Zahnriemen arbeitet die gute alte Steuerkette wartungsfrei ein Motorleben lang.

Bemerkung am Rande: Dass sich Mercedes-Benz bei den frontgetriebenen Versionen des neuen Vito für diesen formidablen Motor entschieden hat, spricht Bände. Dass Renault seit jeher sehr gute Dieselmotoren baut, ist ja bekannt und hat die Kooperation mit dem Stern sicher gefördert.

Für den Trafic kombiniert Renault den 90er und den 140er dCi mit dem besonders spritsparenden "Energy"-Paket. Den 120er dCi gibt es ausschließlich mit diesem Sparpaket. Es beinhaltet die Start-/Automatik und ein "smartes" Lichtmaschinen-Management, das bevorzugt im Schub- und Bremsbetrieb für einen kleinen Effekt an Energie-Rückgewinnung sorgt.

Eco-Taste drücken, Kraftstoff sparen

Der neue Renault Trafic
-

Das ist im Nahverkehr durchaus wünschenswert, weil es verbrauchsintensive Beschleunigungs-Orgien unterbindet. Will man aber zum Beispiel in die Autobahn hinein beschleunigen, ist die Eco-Schaltung kontraproduktiv: Nur zäh folgt der Trafic dem Fahrwunsch am Gaspedal. Man fordert flottes Angaloppieren, bekommt aber nur gemächliches Antraben. Das kann nicht wirtschaftlich sein, wissen wir doch schon lange, dass das maximale Beschleunigen auf eine gewünschte Geschwindigkeit immer sparsamer ist, als moderates Herantasten über eine viel längere Zeit.

Umgehen kann man den "Spaßbremse-Modus" aber sehr leicht, indem man das Gas bis über den Kickdown-Punkt durchdrückt. Dann beschleunigt der Trafic zügig im Normal-Modus. Nimmt man das Gas zurück, ist wieder Schluss mit lustig - Eco ist wieder angesagt.

Kleine Maschine mit hohem Drehmoment

Dergestalt ist der 140-PS-Trafic auf der Autobahn ein trefflicher Cruiser, der unseren 120er Schnitt spielend einhält, ohne dass auch nur einmal der fünfte Gang bemüht werden müsste. Bei 120 km/h dreht der kleine Vierzylinder muntere 2.300 Umdrehungen.

Man könnte diese Maschine, die für den Hubraum geradezu unglaubliche 340 Nm Drehmoment abliefert, sicher deutlich länger übersetzen und damit den Spritverbrauch weiter optimieren. Dann würde der Trafic aber gleichzeitig etwas von seiner geradezu verblüffenden Elastizität einbüßen. Denn egal in welcher Lage man ihn aus tiefsten Drehzahlen per Gaspedal zu mehr Leistung motiviert: Er liefert. Ohne Murren und Knurren. Hier spürt man den Twin-Turbo auf Schritt und Tritt auch im Eco-Modus.

Dass der Trafic in seinem Segment trotz "Energy"-Phiolosphie nicht der sparsamste sein kann, hat zwei Gründe: Erstens ist er nicht totübersetzt, wie so manch anderer Transporter gleicher Leistungsklasse. Zum zweiten sind Twin-Turbo-Triebwerke selten echte Sparbüchsen - schon auf Grund ihrer Agilität vermittelnden Charakteristik. Da steckt viel Fahrspaß drin, der dann eben auch das eine oder andere Zehntel an Diesel kostet.

Preise

Ach ja, die Kosten: Im Vergleich mit seinen direkten Konkurrenten VW Transporter und Mercedes Vito schneidet der Trafic als dCi 140 Energy (25.630 Euro) immerhin einen guten Tausender günstiger ab als der gleichstarke Vito mit Heckantrieb (26.970 Euro). Der vergleichbare T5 mit Bluemotion-Sparpaket liegt dagegen schon bei knapp 29.000 Euro.

Noch interessanter ist der Vergleich mit den 115 PS-Versionen, bei denen Trafic und Vito den gleichen Motor haben: Auch hier ist der Franzose (23.580 Euro) abermals fast 1.300 Euro günstiger als der Vito (24.830 Euro). Der T5 ist mit 26.840 Euro wie immer der teuerste.

Downloads
Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen